merken
PLUS Großenhain

Stadtrundgang mit dem Müllgreifer

Nach öden Corona-Wochen starten die Oberschüler vom Kupferberg ihre Aktion „Mein sauberes Großenhain“.

Fünft- und Sechstklässler der 1. Oberschule "Am Kupferberg" trafen sich zum Müllsammeln in Großenhain. Adrian, Philipp, Finn, Noah und Morris (v. l.) sind doch erstaunt, wie viele Dinge achtlos weggeworfen werden.
Fünft- und Sechstklässler der 1. Oberschule "Am Kupferberg" trafen sich zum Müllsammeln in Großenhain. Adrian, Philipp, Finn, Noah und Morris (v. l.) sind doch erstaunt, wie viele Dinge achtlos weggeworfen werden. © Kristin Richter

Zu den Abfällen, die in Großenhain achtlos weggeworfen werden, ist in den vergangenen Wochen ein neuer hinzugekommen: benutzte Mundschutzmasken, die die Wegränder, Parkwiesen und Blumenrabatten verunzieren. Gut, dass man den Müll heute nicht mehr anfassen muss, wenn man ihn einsammelt. Kleine Metallgreifer gibt es in jedem Baumarkt, und wer dann noch Gummihandschuhe trägt, ist auf der sicheren Seite. Derart ausgestattet, machten sich am Donnerstagnachmittag zwei Schülergruppen auf den Weg, um die Röderstadt von den Hinterlassenschaften der Müllsünder zu befreien. Die Fünft- und Sechstklässler von der Kupferberg-Oberschule haben sich die Aktion „Mein sauberes Großenhain“ selbst ausgedacht. Sie wollen künftig ein oder zwei Mal pro Monat in der Röderstadt unterwegs sein und die schlimmsten Dreckecken beräumen.

„Die Idee kam mir, als wir auf dem Schulhof Mülldienst hatte“, sagt der zwölfjährige Finn Walther. „Das könnten wir doch auch im Stadtgebiet machen – es liegt ja genug herum.“ Der Sechstklässler kam ins Gespräch mit Noah Mette, der an der Kupferbergschule sein Freiwilliges Soziales Jahr ableistet, und siehe da, der junge Mann hatte den gleichen Gedanken im Hinterkopf. Die Initiatoren von „Mein sauberes Großenhain“ holten sich Unterstützung bei der mobilen Jugendarbeit und wollten den ersten Rundgang eigentlich schon im zeitigen Frühjahr starten. Aber dann kam die Corona-Krise dazwischen. Am vergangenen Donnerstag nun konnten zwei kleine Teams von der Kupferbergschule endlich ausschwärmen. Eine Gruppe widmete sich der näheren Umgebung; die andere ging zum Müllsammeln aufs Freizeitgelände neben dem Stadtbad.

Anzeige
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage

In Hainichen kann ab sofort sicher, sorglos und sozial wertvoll Geld angelegt werden.

„Wenn man richtig hinguckt, wird man mit dem Einsammeln gar nicht fertig“, stöhnt Finn schon nach kurzer Zeit. Es sind ja nicht nur Keksverpackungen, Haribo-Tüten, Plastikflaschen oder die besagten Masken, die in der Landschaft herumliegen. Auch Kronenverschlüsse und Zigarettenstummel gibt es en masse. „So ein Tempotaschentuch zum Beispiel braucht fünf Jahre, bevor es in der Erde vollständig verrottet ist“, erklärt Noah Mette. Das Müllsammeln sei eine gute Gelegenheit, auch einmal den ökologischen Fußabdruck, den jeder von uns hinterlässt, zu thematisieren. Nach zwei Stunden machen sich die Sammeltrupps mit gut gefüllten Abfallsäcken auf den Rückweg zur Schule. Um die 50 Kilo, vor allem Leichtstoffe, sind bei der Aktion zusammengekommen. Die sollen nun vom städtischen Bauhof abgeholt und fachgerecht entsorgt werden.

„Man kann den jungen Leuten förmlich ansehen, wie erleichtert sie sind, mal wieder rauszukommen“, sagt Raimo Siegert. Der Chef der mobilen Jugendarbeit hat in den vergangenen Monaten vor allem Facebook, WhatsApp und E-Mail die Verbindung zu seinen Schützlingen gehalten. Die meisten hätten ein großes Kommunikationsbedürfnis gehabt – da sei manchmal schon eine A4-Seite an Text zusammengekommen. Es habe ihm nicht gefallen, wie im Krisenmodus von Seiten der Erwachsenen mit den jungen Leuten umgegangen worden ist, kritisiert Siegert. „Sie waren wahlweise Virenschleudern, Regelbrecher oder Störfaktoren beim Homeoffice. Oder sie wurden komplett aufs Schülersein reduziert.“ Um ihre Bedürfnisse, Wünsche und ja, auch die Ängste, habe sich hingegen kaum jemand gekümmert.

Das soll nun wieder anders werden, auch wenn Sicherheitsabstand und Mundschutz weiter ein Thema bleiben. Da im Moment schwer abzuschätzen ist, wann wieder Veranstaltungen in geschlossenen Räumen stattfinden dürfen, konzentriert sich die Jugendarbeit auf Outdoor-Veranstaltungen. So etwa auf den Jugendsommer, bei dem ab 20. Juli der Fußgängertunnel an der Berliner/Wildenhainer im Rahmen eines Graffiti-Workshops künstlerisch neu gestaltet werden soll. Wer nicht so gut mit der Sprayflasche vertraut ist, kann sich auch anderweitig einbringen. Als Dokumentarfilmer etwa oder einfach als Zuschauer. Damit das nicht langweilig wird, will der Großenhainer Rollladen-Verein am Ort des Geschehens mobile Skater-Rampen aufstellen. 

Mehr zum Thema Großenhain