merken
PLUS

Görlitz

Stadtwerke bestehen Härtetest

Die Wiener Wirtschaftsuni hat den Görlitzer Versorger auf Innovationen geprüft. Das Ergebnis ist deutschlandweit spitze.

Auch mit neuer Technik in ihren Blockheizkraftwerken sparen die Stadtwerke in Görlitz viel Kohlendioxid ein. Dafür haben sie Millionen investiert.
Auch mit neuer Technik in ihren Blockheizkraftwerken sparen die Stadtwerke in Görlitz viel Kohlendioxid ein. Dafür haben sie Millionen investiert. © Foto: Nikolai Schmidt

Erst versorgten die Stadtwerke die Görlitzer Volkshochschule , die Musikschule und auch den Verwaltungsverband „Weißer Schöps“ in Kodersdorf mit schnellem Internet, jetzt betreuen die IT-Mitarbeiter des Versorgers auch die Computerprogramme der drei Kunden. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich ein neues Geschäft, in dem auch neue Jobs entstehen. Drei Mitarbeiter haben die Stadtwerke dafür eingestellt. Solche Innovationen bringen dem Görlitzer Versorger Punkte. Das zeigte sich jetzt auch, als sich die Stadtwerke das zweite Mal an dem deutschlandweiten Wettbewerb unter den innovativsten Mittelständlern teilnahmen, den die Wiener Wirtschaftsuniversität seit Jahren durchführt. Mit Erfolg: Vorstandschef Matthias Block konnte sich am Freitagabend in Frankfurt/Main über den erneuten Einzug der Stadtwerke unter den Top 100 bei diesem Wettbewerb freuen.

Und das mit einer deutlich gestiegenen Punktzahl, die wiederum zeigt, dass die Stadtwerke mit System Innovationen vorantreiben. So stoße die Unternehmensspitze Innovationen an, fordere sie auch von den Mitarbeitern ein, das Klima im Unternehmen gegenüber Neuem sei sehr aufgeschlossen und schließlich vermittelten das die Stadtwerker auch gegenüber Kunden. Sie haben dazu vier Mitarbeiter jeweils zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit freigestellt. Sie treffen sich wöchentlich in der Zukunftswerkstatt mit Matthias Block, um Themen zu besprechen. Hier sind die Ideen geboren worden für das Teilen von Autos mit anderen Gewerbetreibenden und Institutionen, die Lieferung von ausschließlich Ökostrom, oder der E-Bike-Verleih in den Sommermonaten. Der wird noch in diesem Sommer grenzüberschreitend organisiert, mit eigenem Büro in Zgorzelec und drei Ausleihstationen über die Stadt verteilt. Bürgermeister Rafal Gronicz war es wichtig, dass es diese Möglichkeit in der gesamten Europastadt gibt, nicht nur im deutschen Teil. So kommt es nun.

Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Ebenso neu wird ein funkbasiertes System sein, mit dem Zählerstände künftig übermittelt werden können oder andere Daten, die für die Bewirtschaftung von Immobilien, aber auch von Parkhäusern wichtig sind. All dies gehört zu der Strategie der Stadtwerke mit ihren rund 300 Mitarbeitern, als Dienstleister für die Bürger unentbehrlich zu werden. „Der Kümmerer wird auch künftig gebraucht“, bringt es Matthias Block auf einen kurzen Nenner.

Den Stadtwerken geht es als großer regionaler Versorger ein bisschen wie Banken oder auch Zeitungsverlagen. All diese Unternehmen eint, dass sie ein traditionelles Geschäft haben. Die einen verkaufen seit Jahr und Tag Strom und Gas, die anderen verleihen oder legen Geld an, die Dritten verkaufen Zeitungen. Das können Sie gut, darin haben sie große Kenntnisse. Doch die Digitalisierung stellt diese Geschäftsmodelle in Frage: Neue Wettbewerber kommen auf den Markt, die Hürden für sie sind gering. Strom verkaufen können heute schon viele, und künftig könnten auch Automarken nicht nur ihre E-Autos an die Kunden bringen, sondern ihnen auch gleich noch einen Stromvertrag verkaufen. Bankdienstleister erobern das Internet, indem Zeitungsverlage ebenso nach einem Geschäftsmodell suchen.

Zwar sind die Stadtwerke noch immer die Nummer eins in der Region bei Strom und Gas, aber zunehmend konzentrieren sie sich auf Dienstleistungen: Für Kommunen, für Zweckverbände, für Kunden. Sie betreiben Kläranlagen, Wasser- und Abwassernetze und eben auch ein Breitbandnetz zusammen mit Partnern.

Doch der Möglichkeiten gibt es noch mehr. Unter dem Schlagwort „Smart City“ ist davon schon heute andernorts manches in der Erprobung: Das Abholen von Mülltonnen erst dann, wenn sie voll sind und nicht, wenn die Tour ansteht; Energieeffizienzprogramme für Industrie- und Stadtwerkepartner, um Kosten zu sparen; E-Auto-Verleih für den Stadtverkehr. Die Stadtwerke haben das alles im Blick. „Damit wir auch künftig ein starker Partner und ein großer Arbeitgeber in der Region sind“, sagt Block.

Mehr lokale Artikel:

www.sächsische.de/goerlitz

www.sächsische.de/niesky

Mehr zum Thema Görlitz