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Stadtwerke bringen Waggonbauern Wärme

Bombardier setzt auf die Innovation Görlitzer Energieerzeuger. Gestern wurde der Vertrag unterzeichnet.

Von Ralph Schermann

Gestern, 15.57 Uhr. Im Görlitzer Rathaus wird Stadtgeschichte geschrieben. In jener Minute werden Unterschriften unter einen Vertrag gesetzt, der zwei die Stadt Görlitz wesentlich prägende Unternehmen verbindet: Die Stadtwerke (SWG) sichern ab Oktober die komplette Wärmeversorgung für das Bombardier-Werk an der Christoph-Lüders-Straße.

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Passendes Umfeld für einen Vertrag: Im historischen Ratssaal und hinter einem Modell des neusten Waggonbau-Produktes unterzeichnen die Görlitzer Stadtwerke- und Bombardier-Chefs Matthias Block (2.v.l.) und Eduard Janßen ihre Zusammenarbeit. SWG-Aufsichtsr
Passendes Umfeld für einen Vertrag: Im historischen Ratssaal und hinter einem Modell des neusten Waggonbau-Produktes unterzeichnen die Görlitzer Stadtwerke- und Bombardier-Chefs Matthias Block (2.v.l.) und Eduard Janßen ihre Zusammenarbeit. SWG-Aufsichtsr

„Das ist eine Investition in die Zukunft und darum auch eine Garantie für die Bürger“, betont Oberbürgermeister Siegfried Deinege und stellt deshalb für die Unterzeichnung den repräsentativen kleinen Ratssaal zur Verfügung. Als einstiger erster Mann des Görlitzer Waggonbaus weiß er sehr wohl, was hinter so einem Betriebsführungsvertrag steckt: „Er bringt Bombardier eine hohe Stabilität für technologische Prozesse und stärkt damit die Verlässlichkeit der Waggonbau-Produkte.“

Seit Jahren schon sind die Görlitzer Stadtwerke Vorreiter in der Kraft-Wärme-Kopplung und der umweltgerechten Energieerzeugung. SWG-Vorstandsvorsitzender Matthias Block geht davon aus, nun bei Bombardier eine Großinvestition vorzubereiten. Schon steht fest, dass neue Dampferzeuger nur über das Dach des Heizhauses an Ort und Stelle eingeflogen werden können. Überhaupt werde die Wärmeversorgung komplett umgestellt, kündigt Hartmut Petermann an, der SWG-Bereichsleiter Energie: Zwei Mikro-Gasturbinen werden Strom erzeugen, Abgase in Wärme gewandelt und zur Dampferzeugung genutzt. Ein zweiter Kessel arbeitet nach herkömmlichem Prinzip der Wärmeerzeugung. Ein dritter Kessel, der sowohl mit Gas als auch mit Öl betrieben werden kann, existiert bereits und bleibt bestehen. Er bietet Versorgungssicherheit in der Phase des Umbaus. „Damit sind wir auf dem Gebiet der Wärmebereitstellung für die Zukunft gerüstet“ freut sich Bombardiers General Manager Eduard Janßen. Laut Berechnungen sollen zwei Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt und dank der innovativen Technik in der Wärmeerzeugung 1 000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

Die Erneuerung des Heizhauskomplexes sei ein Gebot der Zeit, begründet Janßen die Grundlage des Vertrages. Die Erzeugeranlagen seien „seit langen Jahren im Einsatz“, was sich an stetig steigenden Reparaturen zeige. Insofern werden die Stadtwerke nicht nur Betriebsführer, sondern Schrittmacher in eine neue technologische Zukunft. „Worte wie Kessel- oder Heizhaus wird man in zwei Jahrzehnten nicht mehr kennen“, sagt Janßen und ist gespannt auf den neuen Begriff, den die Stadtwerker dann zur Einweihung vergeben werden.

So effektiv ein Zusammengehen beider Unternehmen schon allein wegen der örtlichen Nähe wäre, ist dies aber nicht der Grund für die Partnerschaft. Bombardier hatte die Betreibung seines Görlitzer Heizhauses großflächig ausgeschrieben. Die SWG hatten sich wie viele andere beworben und letztlich den Zuschlag erhalten. „Sich mit so einem Auftrag durchzusetzen zeigt die Leistungsfähigkeit dieses Betriebes“, würdigt der Oberbürgermeister. Und Wolfgang Ernst, Leiter Maschinen und Medien bei Bombardier, bestätigt zum Ausschreibungsergebnis, dass die Stadtwerke neben den geforderten Abläufen „ein Höchstmaß an technologischer Sicherheit bieten.“ Für viele Arbeitsprozesse werde nämlich eine absolut stabile Dampflieferung erwartet. Schwankungen kommen zum Beispiel bei der Farbgebung der Züge die Waggonbauer teuer zu stehen. Trocknungsprozesse müssen wirtschaftlich gestaltet werden, wofür ausgewogene Temperatur-Verhältnisse in den Hallen immer wichtiger werden. „Das alles hinzubekommen, ist für beide Seiten ein Meilenstein in der Innovation und Kostenoptimierung und umweltgerecht obendrein“, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Görlitz, Michel Cunnac.