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Stadtwerker stehen auf dem Schlauch

Der Gasversorger saniert elegant ein altes Gasrohr auf der Zeppelinstraße. Autofahrer haben das Nachsehen.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ralph Schermann

Auf der Görlitzer Zeppelinstraße geht es für Volker Horter in verschiedene Tiefen. Der Abteilungsleiter für die Gas- und Trinkwassernetze der Stadtwerke Görlitz (SWG) prüft dort regelmäßig die Sanierung einer Mitteldruckleitung. Die liegt mal nur einen, mal reichlich anderthalb Meter unter der Straße. Sie liegt dort schon seit 1942 und liefert Gas in die Innenstadt, in kalten Wintern bis 15 000 Kubikmeter je Stunde.

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Für die Stadtwerke ist das im Durchmesser 50 Zentimeter dicke Stahlrohr mit die wichtigste Haupteinspeisung in das Görlitzer Erdgasnetz. „Wir nutzen die Sommermonate mit wenig Gasbedarf für eine vorbeugende Sanierung“, sagt Volker Horter. Dabei bedienen sich die Stadtwerker einer Methode, die den Bauumfang in Grenzen hält, erläutert SWG-Sprecher Sascha Caron: „In das Rohr wird ein Gewebeschlauch eingeklebt. Das hat den Vorteil, dass wir nicht die gesamte Straße aufbaggern müssen.“ Lediglich sieben Baugruben sind auf der Zeppelinstraße sowie der Heiligen-Grab-Straße bis zum Abzweig Alte Nieskyer Straße auf 800 Meter Strecke nicht zu übersehen. Bisher erfolgten die Vorbereitungen, vor allem gründliches Reinigen des Rohres, Kamerabefahrungen und Dokumentationen. Spezialfirmen wie Sanivar aus der Schweiz und die Kanal-Müller-Gruppe (KMG) nahe Detmold beginnen heute mit dem Einkleben der ersten Schlauchmeter. Dazu werden dicke, gelbe Gewebeschläuche auf dem SWG-Gelände Rothenburger Straße imprägniert, dann bei 110 Grad Celsius auf die Dampftrommel eines Spezial-Fahrzeugs aufgezogen und unter Druck in die einzelnen Rohrabschnitte gestülpt. Bis sieben Stunden muss das Rohr dann unter Dampf aushärten.

Nächste Woche schon dürften alle Schläuche eingebunden sein. Dann folgen noch Montagen von Anlagenteilen, Abnahmen und Druckproben, ehe voraussichtlich Anfang Juli die Sanierung beendet ist. Die Einzelkunden bekommen davon ohnehin nichts mit. „Es gibt keine Hausanschlüsse an dieser Hauptleitung“, erläutert Volker Horter. Die dafür zuständige Niederdruckleitung verläuft parallel, überwiegend unter dem Gehweg, und braucht noch lange keine Instandsetzung. Für zwei von der Hauptleitung versorgte Großabnehmer wurden andere Lösungen gefunden: Das Klinikum bekam vor der jetzigen Sanierung einen neuen, separaten Anschluss. Die Abschaltung der Gaslieferung zum Waggonbau wegen der Anschlusssanierung erfolgte an einem Wochenende. Insgesamt investieren die Stadtwerke Görlitz knapp 450 000 Euro in die Sicherheit dieser Gashauptleitung.

„Als Stadtwerker wissen wir freilich, dass es bei solchen Baustellen fast immer Überraschungen gibt“, sagt Sascha Caron. So kam es auch diesmal. Die Kamerabefahrung stockte direkt neben der Kreuzung Zeppelinstraße auf der Heilige-Grab-Straße. Dort behindert ein Wassertopf die Sanierung der Gasleitung. Abteilungsleiter Horter erläutert: „Als Wassertopf gilt bei Tiefbauern eine Art Auffanggefäß. In der Gasleitung soll es eingedrungenes Schwitz- und Kondensatwasser auffangen und ableiten. Nun müssen wir dieses Bauwerk komplett ausbauen und neu anlegen.“

Das stellt die Straßenverkehrsbehörde vor unerwartete Aufgaben und verlangt von den Autofahrern Geduld. Bisher erwies sich für diese die Baustelle als erträglich. Der Verkehr wird jeweils um die Bauinseln herumgeleitet, lediglich an der Kreuzung Christoph-Lüders-Straße wurden stadtauswärts zwei Fahrstreifen zusammengelegt. Peter Frenes von der Straßenverkehrsbehörde sieht dort kein Problem: „Die Ampel arbeitet nach dem tatsächlichen Bedarf, das funktioniert bis auf wenige Spitzenzeiten wirklich sehr gut.“ Nun aber macht ihm die zusätzliche Baustelle an der sogenannten Krankenhauskreuzung zu schaffen: „Stadteinwärts mussten wir aus drei Fahrsteifen einen machen“, sagt er. Gestern Vormittag führte das zu einem Stau bis fast zurück an die Virchowstraße. Der Verkehrsexperte aus dem Rathaus musste deshalb die Ampelzeiten anpassen – und schuf damit ein neues Problem: „Eine Koordinierung der vier Ampeln auf der Nieskyer Straße ist nun nicht mehr möglich.“ Zugunsten des Abräumens der Krankenhauskreuzung erhöhen sich also Wartezeiten ringsum – voraussichtlich bis zum Dienstag nächster Woche.

Nächstes Jahr geht es dann übrigens weiter mit der Gasleitungssanierung. Dann folgt auf 600 Metern der Abschnitt zwischen Alter Nieskyer Straße und der Gasübergabestation nahe Marktkauf.