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„Städte wie Großenhain bringen Sachsen voran“

Staatssekretär Dr. Wilhelm will gegen leere Innenstädte vorgehen. Das kann auch Bischofswerda helfen.

Von Birgit Ulbricht

Sachsens Städteplaner schlagen Alarm. Kleinere und mittlere Städte erleben eine zweite Leerstandswelle, sagen sie. Diese betrifft vor allem die Innenstädte. Nach Angaben der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH werden bis zum Jahr 2025 weitere 135 600 Wohnungen im Freistaat leerstehen. Die Siedlungen am Stadtrand sind zum großen Teil durchsaniert und machen in dieser Situation den Innenstädten Konkurrenz. Dazu kommen niedrige Mieten, die Sanierungen oft unmöglich machen und das Thema Altersarmut. Wer will die Häuser in den Innenstädten dann haben?

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Fragen, vor denen viele Städte in Sachsen stehen. „Ich glaube, wir müssen die Hausbesitzer gezielt über Programme der energetischen Sanierung mitnehmen. Diese Gelder werden nicht auf die Miete aufgeschlagen und senken die Betriebskosten. Außerdem müssen die Restriktionen des Denkmalschutzes sinken, damit junge Leute die Innenstädte wieder für sich entdecken“, fordert zum Beispiel Uwe Wildenauer, Prokurist bei der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH in Dresden. Hinzu kommen weitere Herausforderungen – etwa darüber nachzudenken, wie der Alltag einer immer älter werdenden Gesellschaft organisiert werden kann. Zudem sagen Experten, auch kleinere Städte sollten wieder zentrale Funktionen fürs Umland übernehmen. Fragen, die sich nicht nur die Fachleute stellen, sondern auch die Politiker. Die SZ sprach darüber mit Dr. Michael Wilhelm, Staatssekretär im Innenministerium, bei einem Besuch in Großenhain. Einer Stadt, die von ihrer Größe, aber auch von vielen Herausforderungen her mit Bischofswerda verglichen werden kann.

Herr Wilhelm, was hat sie im Großenhainer Husarenpark am meisten beeindruckt?

Dass so viele Kinder hier trainieren und ihre Freizeit hier verbringen. Es ist alles so voller Leben - es hat ja keinen Sinn, riesige Sportstätten hinzustellen, die dann keiner annimmt, wo es nur Probleme gibt und viel Geld umsonst ausgegeben ist. Insofern finde ich es beeindruckend, dass die Stadt die Betreuung jeder Sportstätte an einen Verein übergeben hat. Das ist wegweisend für Sachsen. So entsteht erst ein Miteinander und so engagieren sich die Leute auch. Aber eines ist klar: Ohne die Ideen einer Stadt, ohne hervorragende Planungen wäre auch nichts zu fördern gewesen.

Sind solche Großprojekte wie der

Sportpark für 7, 8 Millionen, davon

5,5 Millionen Förderung, künftig überhaupt noch zu stemmen?

Es wird schwieriger, ohne Frage. Aber das ist auch der Sinn solcher Gesprächsrunden wie heute, mal auszuloten, wie das künftig noch gehen könnte. Insofern bin ich ganz froh, dass die investive Sportförderung jetzt beim Innenministerium angesiedelt ist. Das bedeutet, wir können künftig alles aus einer Hand anbieten: Städtebau- plus Sportförderung. Die Projekte werden komplexer. Wir werden uns dabei aber auch zunehmend auf die Leuchttürme im Ländlichen konzentrieren.

Oh, die Politik der Leuchttürme kommt jetzt aufs Land!

Wir haben ja heute von etlichen Vortragenden gehört, wie ernst die Probleme für die Kommunen sind. Unsere Gesellschaft überaltert, dabei geht gleichzeitig die Einwohnerzahl weiter zurück - wir haben dadurch inzwischen eine zweite Leerstandswelle, gerade in den Innenstädten, die uns längst droht, die traditionelle Stadtstruktur zu durchlöchern, und wir müssen die Energiewende schultern. Da brauchen wir starke Zentren, die aufs Umland ausstrahlen, auch im Ländlichen und gerade dort. Eine neue Lust von jungen Menschen, in der Innenstadt zu wohnen. Da stehen wir vor riesigen Herausforderungen. Von Kommunen wie Großenhain, die so kreativ und konsequent mit diesen Themen umgehen, können wir da nur lernen.

Haben Sie da ein Beispiel für unsere

Leser parat?

Wir werden ab Mai zum Beispiel ein Pilotprojekt starten, das ich mit dem Pirnaer Landrat Michael Geisler initiiert habe. Das wird untersuchen, wie sich ein Ortsteil auf dem Land tatsächlich entwickelt und was man tun kann. Wir gehen richtig hinein, geben jedem Haus, jedem Grundstück einen sogenannten Steckbrief. Da erfassen wir Dinge wie: Wer ist Eigentümer, in welcher Lebenssituation steht derjenige? Will er vielleicht wegziehen, sich verändern? Gibt es Angehörige, die es übernehmen würden? In welchem Zustand ist das Objekt? Welche Förderprogramme kämen infrage? Unzählige Dinge also, die nötig sind, um Menschen wirklich die Hilfe anbieten zu können, die ihnen auch etwas nützt. Das Ganze findet im Ortsteil Mittelndorf in Sebnitz statt, also wirklich eine geeignete Modellregion. Wir wollen dort auch ein Konzept testen, was Großenhain in Ansätzen bereits hat: den Stadtteilmanager. Das ist einer, der andere an die Hand nimmt. Ob Kitaplatz, eine Ummeldung, das richtige Amt, einen Schein, mit Weggezogenen telefonieren oder Zuzüglern eine Wohnung anbieten - ein Rund-um-Sorglos-Paket sozusagen. So wie es Großenhain auch immer bei seinen Gewerbeansiedlungen gemacht hat. Das ist der richtige Weg. Sachsen muss sich attraktiv machen.

Was ist Ihr nächstes Projekt mit

Großenhain, Herr Staatssekretär?

Ohne Frage der Industriepark Flugplatz. Mal sehen, was uns da Schönes einfällt. Städte wie Großenhain bringen Sachsen voran. Und da sind wir gern dabei.

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