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Städtische Sammlungen mit Freunden

Ein neuer Verein in Kamenz fördert jetzt Lessing-, Sakral- und Malzhausmuseum. Ein anderer hat sich dafür erledigt.

© Wolfgang Wittchen

Von Frank Oehl

Kamenz. Aus dem Baselitzhaus für Moderne Kunst am Damm in Kamenz ist nix geworden. Zwar hatte es mal eine Investförderzusage von Bund und Land gegeben, die Betreibung eines völlig neu gestalteten und damit vor dem Verfall geretteten Bönischstiftes blieb aber bis zuletzt ungeklärt – auch, weil Georg Baselitz, der Weltkünstler aus Deutschbaselitz, selbst zu wenig Ambitionen am Projekt gezeigt hatte. So mussten die Stadt und der Förderverein Georg-Baselitz-Haus Kamenz irgendwann die Reißleine ziehen. Der Verein wurde aufgelöst. Allerdings hatte das Engagement der kunst- und kulturinteressierten Bürger auch etwas durchaus Nachhaltiges. Ein Teil der früheren Baselitzverein-Mitgliedschaft findet sich nach wie vor zusammen. Jetzt im „Verein der Freunde und Förderer der Städtischen Sammlungen Kamenz“. In diesem Jahr offiziell gegründet haben sich unter der Vereinsführung von Bernd Asselmann, der auch am Stiftprojekt federführend war, Männer und Frauen zusammengefunden, die sich nun insbesondere für das Lessingmuseum, das Sakralmuseum in der St. Annen Kirche, das Stadtarchiv mit historischer Ratsbibliothek und die städtischen Sammlungen im Malzhaus einsetzen. „Privates Engagement für die genannten Einrichtungen gab es auch vorher schon, jetzt aber auch zielgerichtet auf Vereinsbasis“, so der Vorsitzende im Gespräch mit der SZ. Dass damit auch eine mögliche Förderung im Kulturraum oder über diverse Kulturstiftungen berührt werde, sei ein Nebeneffekt, aber nicht die Hauptaufgabe. „Wir wollen insbesondere wissenschaftliche Projekte, die Sammlungspflege und -erweiterung und die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit der Sammlungen unterstützen.“ Natürlich auch über die Akquise von Fördermitteln, zum Beispiel bei der Erstellung von Ausstellungskatalogen, die ja in Vorleistung erfolgen muss, bevor ein Erlös aus dem Verkauf möglich werden kann.

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Das Sakralmuseum in der Klosterkirche St. Annen Kamenz ist nur eine Wirkungsstätte des neugegründeten Fördervereins der städtischen Sammlungen.
Das Sakralmuseum in der Klosterkirche St. Annen Kamenz ist nur eine Wirkungsstätte des neugegründeten Fördervereins der städtischen Sammlungen. © Wolfgang Wittchen

Die Städtischen Sammlungen fungierten vor allem auch als „kulturelles Gedächtnis der Stadt“, so Asselmann. Wichtig sei es, daraus Verbindungen in das Heute und sogar in die Zukunft herzustellen. Dabei wolle man sich durchaus auch in den Umgestaltungsprozess mit einbringen, der unumgänglich sei, wenn man mehr als bisher mit Wechselausstellungen arbeiten wolle. Das Lessingmuseum, als eine Initiative der Kamenzer Bürgerschaft vor mehr als acht Jahrzehnten gegründet, braucht Platz dafür, was neue Räume für die Stadtbibliothek G.E. Lessing nach sich ziehen müsste. „Wenn wir als Förderverein gefragt werden, bringen wir uns gern in den strategischen Umgestaltungsprozess mit ein“, bekräftigt Bernd Asselmann. Der 69-Jährige freut sich, im Vorstandsteam auf große Kompetenzen zurückgreifen zu können. Natürlich ist die Leiterin der Städtischen Sammlungen, Dr. Sylke Kaufmann, ebenso im Boot wie OB Roland Dantz. Letzterer wohlbemerkt als Privatmann und nicht als offizieller Vertreter der Stadt, wobei man das sicher nur schwer wird auseinanderdividieren können. Von den 15 Gründungsmitgliedern wurden außerdem noch Bernard Würfel als Schatzmeister und Christina Tonnecker als Schriftführerin in den Vorstand gewählt.

Als „Anfangskapital“ steht noch eine Hinterlassenschaft des Baselitzhausvereins bereit, die bei dessen Auflösung satzungsgemäß an die Stadt gefallen war und nun über den Stadtrat für den Freundeskreis freigemacht werden soll. Ansonsten brauche man für die Umsetzung der neuen Vereinsziele natürlich weitere Mitstreiter. Mit 30 Euro Beitrag im Jahr wäre man dabei, als Ansprechpartner fungiert der Vereinschef selbst (Kirchstraße 3, Tel. 0171/1473905). Noch im Herbst wird der Verein wichtige Weichen seiner weiteren Tätigkeit stellen. Ein Schwerpunkt könnte der 80. Geburtstag von Baselitz im nächsten Jahr sein. Da würde sich dann ein Kreis schließen ...