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Ständig hoher Lärmpegel

Die Bürgerinitiative Meißner Straße wird immer größer und stellt Forderungen an die Stadt.Dazu gehört auch das zügigere Sanieren von Radebeuls Hauptverkehrsader.

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Von Peter Redlich

Zugleich mit den Bahnlärmgegnern machen jetzt auch die Anwohner und Grundstücksbesitzer an der Meißner Straße in Radebeul mobil. Etwa 30 Mitglieder der Bürgerinitiative Meißner Straße trafen sich diese Woche im Gasthof Oberschänke in Kötzschenbroda. Zum ersten Mal erfuhren sie dort, wie laut es genau auf ihrer Straße ist.

Nahezu wissenschaftlich hat nämlich Veit Tittel Lärmmessungen durchgeführt und aufbereitet. Jeweils über 24 Stunden und an verschiedenen Standorten der Meißner Straße hat er gemessen. Einer der Standorte ist an einem Balkon über der Konditorei Dolze in Radebeul-West.

Vor allem Wohngebiet

Die erlaubten Grenzwerte für Lärm in einem Wohngebiet liegen tagsüber bei 59 Dezibel, in einem Mischgebiet bei 64 Dezibel und im Gewerbegebiet bei 69 Dezibel. Nachts sollen es jeweils fünf Dezibel weniger sein. Die Meißner Straße ist im Radebeuler Flächennutzungsplan zumeist als Wohngebiet ausgewiesen, an wenigen Abschnitten als Mischgebiet.

Nahezu alle Messungen zeigen Lärmpegel an, die zwischen 70 und 80 Dezibel liegen. Veit Tittel: „Zehn Dezibel mehr bedeuten bereits eine Verdopplung der Lautstärke. 20 Dezibel über dem Grenzwert sind die vierfache Lautstärke.“ Der Experte hat zugleich Messungen in den Wohngebieten in der zweiten Reihe zur Meißner Straße vorgenommen, also in Abständen von 50 und 100 Metern zur Hauptstraße. Auch hier zeigt sich, dass die Grenzwerte noch immer überschritten werden.

Unerträgliche Situation

Eine Situation, die die Anwohner als unerträglich empfinden und sich deshalb zur Bürgerinitiative zusammen geschlossen haben. Mindestens 1600 Anwohner seien davon entlang der Hauptstraße betroffen.

Rolf-Achim Krüger, einer der Sprecher der Bürgerinitiative, sagt, dass alle wissen, dass sie den Verkehr nicht woanders hinlenken können. Aber zur Milderung des Lärmpegels sollte auf jeden Fall mehr als bisher getan werden. So fordern die Mitglieder, dass auf allen noch nicht sanierten Straßenabschnitten Tempo 30 verfügt wird. Bisher auf die Forderung gegebene Antworten der Stadt, dies sei auf einer Staatsstraße nicht möglich, widerlegte Krüger bei dem Treff mit aktuellen Bildern einer Bundesstraße in Berlin. Dort hat bei einem ähnlich schlechten Zustand wie auf der Meißner Straße der Magistrat Tempo-30-Schilder anbringen lassen.

Zu den Forderungen gehört auch das zügigere Sanieren der Straße. Krüger: „22 Jahre wurden für die erste Hälfte der Straße gebraucht. Es darf nicht noch einmal so lange dauern.“ Beim Sanieren, so brachte Tittel in die Diskussion ein, sollte ein sogenannter Flüsterasphalt genutzt werden, der kaum teurer sei und etwa in Düsseldorf den Lärm der Fahrzeuge um neun Dezibel gemindert habe.

Auf zwei Fahrspuren zurück

Die Bürgerinitiative möchte, dass ähnlich der Leipziger Straße in Dresden, die Fahrbahnen der Meißner Straße von vier auf zwei Spuren reduziert werden. Dort wo vier Spuren vorhanden sind, verdopple sich der Lärm, wenn Fahrzeuge überholen oder nebeneinander fahren.

Außerdem erneuern die Mitglieder der Bürgerinitiative ihre Forderung nach einem Nachtfahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen auf der Meißner Straße.

Das Bündel an Vorschlägen und Forderungen soll in den nächsten Tagen mit den Messergebnissen in einem Brief an die Stadtverwaltung geschickt werden.