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Stahl Riesa und die Titanic

Ein flüchtender BSG-Trainer, zwei SPD-Rücktritte und ein verschwundener Ort. Ob unser Rückblick noch mehr Verluste zu verzeichnen hat?

Von Kevin Schwarzbach

In der Winterpause sah es aus, als wäre der Klassenerhalt in der ersten Landesligasaison für die BSG Stahl Riesa geritzt. Aber Vorsicht! Die Titanic galt auch als unsinkbar – und war zudem aus Stahl gebaut. Während auf dem Luxusliner die Eiswarnungen in den Wind geschlagen wurden, fühlte sich auch die BSG bislang zu sicher. Nach fünf Niederlagen in Folge nun ist der Abstieg zum Greifen nah – Trainer Ron Bößneck hat die Notbremse gezogen und ist zurückgetreten. Bekanntlich verlässt ja der Kapitän das sinkende Schiff zuerst. Was auch immer Bößneck mit seiner Entscheidung bezwecken wollte, eines ist ihm gelungen: Die ganze Stadt weiß jetzt, dass der Verein dringend Unterstützung braucht – das Stahl-Schiff dem Untergang geweiht ist. Allen voran die Spieler dürften von seinem Rücktritt wachgerüttelt worden sein. Bleibt zu hoffen, dass sie nicht auch den Weg über die Rettungsleiter wählen – und das Schiff untergehen lassen.

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Bauerntheater nennt so mancher unzufriedener Bürger die Stadtparlamente verachtungsvoll. Das gilt nicht nur für Riesa. Hier derzeit aber ganz besonders. Denn auf der bunten Bühne sorgt seit einigen Wochen schon die SPD für erheiternde Szenen. Der nächste Akt folgte vergangene Woche. Titel: „Wählt doch, wen ihr wollt. Wir machen sowieso alles anders.“ Denn erst verkündete der langjährige Stadtrat Horst Hofmann, dass er sein Mandat für den Stadtrat niederlegen werde, da er sich ganz und gar auf den Kreistag konzentrieren wolle. Die ständigen Anfeindungen von Parteigenosse Günter Liebenow, der Hofmann unter anderem „Töpfer-Speichellecker“ nannte, hat mit dem Rücktritt natürlich nichts zu tun. Wie kommen Sie denn darauf?

Mit dem bisherigen Schlussakt setzte dann – Sie ahnen es – Hannes Keuerleber noch einen drauf. Der frisch gewählte Stadtrat und Ex-Ortsvereinschef trat aus der SPD aus, nachdem ihm sein Nachfolger öffentlich bescheinigte, die SPD-Riesa als Vorsitzender „nur blamiert“ zu haben. Nun zahlt er es den Genossen wohl doppelt zurück. Denn sein Mandat will er offenbar parteilos ausfüllen. Heißt: Von einst vier Mitgliedern schrumpft die SPD-Fraktion nach Wahl und Rücktritten auf zwei zusammen. Die Wähler, die Hofmann und Keuerleber ihre Stimme gaben, werden freudig auf den Tischen tanzen: Hurra, wir waren umsonst wählen! Hoffentlich treiben sie es nicht zu bunt und fallen vor Freude von der Tischplatte. Denn schon am 31. August braucht Riesa wieder jede Stimme. Dann wird der Oberbürgermeister gewählt. Bitte, liebe Genossen, stellt keinen Kandidaten auf! Die Gefahr, dass die Stimmen für ihn im Politik-Nirwana enden, ist viel zu groß.

Waren Sie schonmal zwischen Niederlommatzsch und Riesa unterwegs? Ziemlich öde dort. Kaum Menschen, triste Landschaft und von Kultur weit und breit nichts zu sehen. Das dachten sich wohl die Gestalter der regionalen Karte im Prospekt „Kultur-Krönungen 2014“ – und verzichteten darauf, Hirschstein einzuzeichnen. Welcher Tourist will auch Jazz-Konzerte auf dem markanten Neuhirschsteiner Schloss erleben und an den geschmückten Osterbrunnen entspannen? Nur zu gut, dass die Agentur den Touristen diesen Anblick erspart. Den Auftrag für die mögliche Kampagne „Uns gibt es wirklich!“ sollte Hirschstein jedenfalls anderweitig vergeben.

Diese Woche kann wohl kaum verlustreicher werden.