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Stahl wächst in den Himmel

Automaten hin oder her – um die Höhentauglichkeitsprüfung kommt mancher nicht herum.

Von Birgit Ulbricht
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Der Stahlbau wird noch komplett verkleidet und entspiegelt – damit Autofahrer auf der B 98 nicht geblendet werden.
Der Stahlbau wird noch komplett verkleidet und entspiegelt – damit Autofahrer auf der B 98 nicht geblendet werden. © Anne Hübschmann

Lampertswalde. Für Gemeinderat Bernd Richter ist es das „Stahlmonster“. Für den neuen Bürgermeister René Venus ein weithin sichtbares Zeichen, dass es weitergeht mit Kronospan am Standort Lampertswalde, verbunden mit der kleinen Hoffnung, irgendwann möge die Gemeinde doch wieder ein wenig davon profitieren – in Form von Gewerbesteuern. Eines haben die beiden so verschiedenen Sichtweisen gemeinsam: Der Stahlbau an der B 98 ist landschaftsprägend. 150 Meter lang, 30 Meter breit und 25 Meter hoch wird das Regal an der Bundesstraße, überdacht natürlich und verkleidet.

Dort passt ordentlich was hinein: 5000 Lagereinheiten fassen pro Platz bis zu 4.500 Kilo. Damit da nichts kippt und wackelt, wurde lange gerechnet – die Windlast bestimmt und die Kräfte, die auf die Bodenplatte wirken. Für die wurden eigens 3.000 Kubikmeter Beton gegossen. Das entspricht 350 Betonmischer-Ladungen.

Auch andere Dinge gab es zu beachten. Der stählerne Bau darf die Autofahrer nicht blenden, wenn er verkleidet ist. Also werden die Flächen entspiegelt. Es wird ein Bau der Superlative. Aus gutem Grund. Als klar war, die österreichische Mutter des Konzerns Kronospan gibt nicht sobald ihr Okay für den Bau eines neuen Logistikzentrums auf der anderen Seite der Bundesstraße, spätestens da musste man einen Zwischenschritt wagen. Waren, Material und ganze Produktionsabläufe neu sortieren. Denn so wie es war, hatte man sich schlicht zugebaut. Und was macht eine Firma, die sich nicht ausdehnen kann? Sie wächst in die Höhe.

Der Bau eines so imposanten Hochregallagers auf einer Grundfläche von nur 4.500 Quadratmetern ermöglicht es dem Unternehmen erstmals, Faserplatten und Rohplatten für Laminatböden innerhalb des Werks vollautomatisch ein- und auszulagern. Das ändert die Abläufe, spart unsinnige Wege und damit Zeit und Geld.

Die Pakete werden deshalb künftig über elf fahrerlose Transportfahrzeuge und eine 22 Meter lange Förderbrücke zum Hochregallager transportiert und auch wieder abgeholt. Sie bilden das Herzstück des automatisierten Lagers, das von der Klipphausener Niederlassung der Firma Jungheinrich konzipiert und umgesetzt wurde.

Geklettert wird trotzdem. An den Regalautomaten befindet sich – ganz herkömmlich – eine 24 Meter hohe Leiter, die Mitarbeiter nur mit Sicherung und Höhentauglichkeitsprüfung hochsteigen dürfen. An der Außenfassade befindet sich zudem eine 25 Meter hohe Feuerleiter, die wohl eher Spezialkräften vorbehalten bleibt. Mit diesen Ausmaßen schafft Kronospan eine zusätzliche Lagerkapazität von 22.000 Kubikmetern und wird deutlich effektiver.

Die Durchlaufzeiten sind dann schneller, Maschinenausfallzeiten werden minimiert, Schäden an Staplern und Lagerausstattung – die sich im Alltag schnell summieren – reduziert. Damit wird Kronospan kostengünstiger, es wird weniger grüne Fläche zugebaut, weil das vorhandene Betriebsgelände intensiver genutzt wird. Gut 20 Millionen Euro kostet Kronospan dieser Schritt in die voll automatisierte Lagerstrecke, so Geschäftsführer Tino Hesse, der für das operative Geschäft verantwortlich zeichnet. In den bestehenden Hallen stehen freiwerdende Flächen ihrerseits für neue Investitionen bereit. Das Hochregallager verändert alles. Auch für die Mitarbeiter. Vertriebsgeschäftsführer David Brenner sagt warum: „Aufgrund des hohen Automatisierungsgrades der neuen Anlagen werden neue, hochwertige Stellen für Fachkräfte wie Elektroniker, Programmierer und Instandhalter geschaffen.“ Und er betont sofort: „Auch unseren Mitarbeitern wird die Möglichkeit geboten, sich intern auf höher qualifizierte Stellen zu bewerben und dafür umschulen zu lassen.“

Da wird sich mancher wieder auf die Schulbank setzen. Ab Juli nächsten Jahres soll die imposante Regalanlage vor aller Augen laufen. Das Werk dahinter wird sich noch lange Zeit danach umsortieren.

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