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Stahlwerk kämpft mit der Konjunktur

Die Lage auf dem Markt ist angespannt, heißt es aus dem Aufsichtsrat. Das bekommt die Stadt Gröditz offenbar empfindlich zu spüren.

© dpa/dpaweb

Von Eric Weser

Gröditz erwartet in diesen Tagen hohen Besuch, denn der Aufsichtsrat der Schmiedewerke kommt in der Röderstadt zusammen. In regelmäßigen Abständen trifft sich das sechsköpfige Kontrollgremium mit dem Management, um sich über die aktuelle Geschäftslage beim größten Gröditzer Arbeitgeber zu informieren. Und die sieht derzeit offenbar alles andere als rosig aus.

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„Die wirtschaftliche Lage ist nach wie vor angespannt“, sagt Schmiedewerke-Aufsichtsrat Uwe Jahn. Aber das sei im Grunde nichts neues. Schließlich habe es bereits in den vergangenen Monaten und Jahren ähnliche Nachrichten aus der Führungsetage des Unternehmens gegeben. Nach eigenen Angaben vom März dieses Jahres arbeiten derzeit 825 Menschen im Werk, teilt Uwe Jahn mit.

Die Aussagen aus Gröditz scheinen zum aktuellen Stimmungsbild der gesamten deutschen Stahlbranche zu passen: Übereinstimmenden Medienberichten zufolge befindet sich der Industriezweig noch immer in einer schwierigen Situation, erwartet aber nach Angaben des Verbandes „Wirtschaftsvereinigung Stahl“ für das Jahr 2014 immerhin eine „leichte Erholung“.

Die Branchenwerte geben allerdings nur einen groben Überblick und lassen nur begrenzt Rückschlüsse auf Mitgliedsunternehmen zu. Wie genau es um die Gröditzer Schmiedewerke derzeit steht, ist jedoch vom Unternehmen selbst nicht zu erfahren. Anhaltspunkte liefert lediglich der Anfang 2014 veröffentlichte Konzernabschluss, der eine Prognose aus dem Jahr 2012 beinhaltet. Unter anderem heißt es darin, dass die Geschäftsführung am Standort Gröditz für die erste Jahreshälfte 2013 eine „weiterhin verhaltene Nachfrage“ für ihre Produkte erwarte. Und weiter heißt es zum Gröditzer Werk: „Von einer leicht verschlechterten, jedoch weiterhin stabilen finanziellen Situation des Unternehmens wird ausgegangen.“

Hinter verschlossenen Türen

Wie es derzeit wirklich um das Unternehmen steht, das erfahren die Aufsichtsräte heute aus erster Hand.

Empfangen wurde das Gremium um den Vorsitzenden Michael Fuchs – seines Zeichens Vizechef der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag – unterdessen schon gestern im Gröditzer Dreiseithof. Den Unternehmensvertretern wurde hinter verschlossenen Türen das teils fertige, teils noch im Bau befindliche Gröditzer Kultur- und Vereinszentrum gezeigt.

Gesicherte SZ-Informationen, wonach sich die wirtschaftliche Lage der Schmiedewerke arg auf die Gröditzer Stadtkasse auswirken soll, will der Rathaus-Chef nicht kommentieren. „Da unterliegen wir dem Steuergeheimnis und dazu werde ich auch nichts sagen“, blockte er Fragen zu dem Thema ab.

Nach SZ-Informationen soll die Stadt jedoch beim Gewerbesteueraufkommen einen Rückgang von rund eine Million Euro einbüßen. „Das Steueraufkommen schwankt und ja, es sinkt etwas“, sagte Jochen Reinicke. Das allerdings an den Schmiedewerken festzumachen, lehne er ab. Bereits Ende April hatte der stets zur Haushaltsdisziplin mahnende Gröditzer Bürgermeister deutlich gemacht, dass die Gewerbesteuereinnahmen „nicht so positiv, wie geplant“ verlaufen. Im aktuellen Haushalt hat Gröditz 4,1 Millionen Euro an Gewerbesteuern vorgesehen, 2013 war mit 3,6 Millionen Euro gerechnet worden.

Ein Stadtrat, der sich nur hinter vorgehaltener Hand äußern möchte, erwartet angesichts des Einnahmerückgangs „massive finanzielle Probleme“ für die Stadt.