SZ +
Merken

Stammgast auf der Anklagebank

Schon oft musste ein 32-Jähriger vor den Richter. Ins alte Gericht in Freital stieg er indes freiwillig ein. Aber nicht ohne Folgen.

Teilen
Folgen

Von Philipp Nowotny

Pierre G. kennt sich gut aus in Gerichtsgebäuden. Seit seinem 14. Lebensjahr ist der heute 32-Jährige gewissermaßen Dauergast von Justitia. 17 Einträge verzeichnet sein Vorstrafenregister, beinahe ein Drittel seines Lebens hat der Freitaler bereits in Gefängnissen verbüßt. Was ihn aber bislang nicht davon abhalten konnte, immer wieder neue Straftaten zu begehen.

Ende Januar musste sich Pierre G. nun vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf ihm unter anderem das Erschleichen von Leistungen, Diebstahl sowie versuchten Diebstahl vor. Vorgeführt wurde der Angeklagte in Handschellen und Häftlingsblau: Noch bis März sitzt Pierre G. im Gefängnis eine rund sechsmonatige Haftstrafe ab, die ihm das Amtsgericht Pirna 2013 aufgebrummt hatte, weil er u.a. Turnschuhe aus einem Laden geklaut hatte.

Im Amtsgericht Dippoldiswalde ging es dieses Mal vor allem um kleinere Beträge: Im Jahr 2010 wurde Pierre G. etwa in der Buslinie A in Freital ohne gültigen Fahrschein kontrolliert. Das Ticket hätte 1,90 Euro gekostet. Wenig später entwendete er im Netto-Markt Überraschungseier im Wert von 3,54 Euro. Er habe schauen wollen, was drinnen sei, erklärte Pierre G. vor Gericht. Im Jahr 2011 wurde er zweimal beim Stehlen erwischt: Einmal steckte der Arbeitslose Wiener-Würste im Wert von 1,55 Euro ein, ein anderes Mal war es Käse im Wert von 1,19 Euro.

Schwerer wiegt ein weiterer Punkt. So soll der Angeklagte im Mai 2010 in das Gebäude des ehemaligen Kreisgerichts Freital in der Lutherstraße eingestiegen sein. Auf Beutesuche soll er mehrere Türen aufgebrochen haben. Der festgestellte Sachschaden beläuft sich auf rund 6 600 Euro. An einer zurückgelassenen Bierflasche fand die Polizei Fingerabdrücke, die Pierre G. zugeordnet werden konnten.

Pierre G. gab die Diebstähle und das Busfahren ohne Ticket unumwunden zu. Seinen „Besuch“ im ehemaligen Kreisgericht stellt er jedoch anders dar als die Staatsanwaltschaft. Er habe schon zuvor öfters aus Langeweile das leer und offen stehende Gebäude betreten, um in Ruhe Bier zu trinken und sich umzuschauen. „Ich dachte, das gehört eh keinem“, so Pierre G. „Es sah baufällig aus. Da standen Container davor.“ Als er im Mai wieder im angetrunkenen Zustand das Gebäude besucht habe und die Tür verschlossen vorfand, habe er aus Wut ein Fenster eingeworfen. Die Eingangstür habe er allerdings nicht aufgehebelt. Auch habe er nicht versucht, Gegenstände zu stehlen.

Das Amtsgericht stellte das nun jüngste Verfahren gegen Pierre G. vorläufig ein. Im Hinblick auf seine Strafe, die er derzeit ohnehin absitzen müsse, würden die ihm nun vorgeworfenen Straftaten nicht erheblich ins Gewicht fallen. Zudem habe Pierre G. diese bereits vor den Taten begangen, wegen derer er gerade im Gefängnis einsitzt. Pierre G. versprach, sein Leben künftig zu bessern: „Ich habe es satt im Gefängnis, ich kriege schon eine Haftmeise.“ Rund zehn Jahre saß er bislang hinter Gittern.

Das ehemalige Kreisgericht in Freital soll in den nächsten Jahren zu einer Event-Gastronomie umgebaut werden. Horst Seifert vom Bauträger Drebo, der in Dippoldiswalde als Zeuge geladen war, zeigte sich verärgert. Denn der Vorfall im Jahr 2010 ist kein Einzelfall – in das Gebäude wurde in der Vergangenheit schon mehrfach eingebrochen.

„Mir steht es bis hier oben“, sagte Seifert nach der Verhandlung. Einen ganzen Aktenordner hatte er ins Gericht mitgenommen, in dem Einbrüche und Sachschäden dokumentiert sind.

Die geplante Event-Gastronomie wird laut Seifert wahrscheinlich erst ab 2015 zu realisieren sein. Unter anderem seien Verhandlungen mit der Stadt über einen neuen Parkplatz auf dem Nachbargrundstück noch nicht abgeschlossen.