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Stampft der Stadtrat das Center ein?

Das Center soll deutlich kleiner werden. Jetzt muss entschieden werden, ob es überhaupt noch gebaut wird.

© Weichenhain, Simone

Von Thomas Mielke

Das wird eine schwere Entscheidung für den Stadtrat: Soll er am Donnerstag das Center beerdigen oder grünes Licht für die weitere Planung der neuen, kleineren Variante geben? Diese Entscheidung wünscht sich die Verwaltung. „Wir wollen nicht an einem Entwurf arbeiten, den uns der Stadtrat später um die Ohren haut“, sagt Wirtschaftsförderin Gloria Heymann. Denn die weitere Arbeit kostet Zeit, Kraft und Geld. Bis zu einem halben Jahr würde es dauern, bis das Planverfahren wieder so weit wäre, wie es bei der großen Variante schon war. Die zentrale Frage ist: Geht vom kleineren Center eine Magnetwirkung aus, sodass die Innenstadt gestärkt würde?

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© Weichenhain, Simone

Was hat sich

an den Center-Plänen geändert?

Das Center ist deutlich kleiner geworden. Ursprünglich waren 9 000 Quadratmeter Verkaufsfläche rechts und links der Albertstraße, zwischen Reichenberger Straße und Neustadt geplant, jetzt sind es noch 3 100. Auf den südlich der Albertstraße gelegenen Teil will der Investor ganz verzichten. Damit fällt auch die Überdachung der Straße weg. Statt zwei, soll es nur noch eine Etage mit Läden geben – weil die AVW für den ersten Stock keine Mieter fand. Bei zwei Parkdecks auf dem Dach bleibt es aber. Das Angebot umfasst Textilien, Schuhe und Lebensmittel. Ein Elektrofachmarkt ist nicht vorgesehen. Neun Läden und drei Fachmärkte sind laut der aktuellen Unterlagen des Investors vorgesehen.

Was spricht für die kleinere Variante des Centers?

Aus Sicht der Stadt hat auch das kleine Center Vorteile. Da wäre zum Beispiel der Lebensmittelmarkt, der eine Lücke in der Nahversorgung schließt. Zudem wächst mit ihm die Chance, „dass insbesondere Kunden, die schon in der Innenstadt sind, weil sie hier wohnen, arbeiten oder etwas zu erledigen haben, ihren gesamten Einkauf in der Innenstadt erledigen“, heißt es in der Beschlussvorlage für die Stadträte. Auch dass zumindest ein Fachmarkt mit einer Größe entsteht, die sonst in den historischen Häusern der Innenstadt nicht angeboten werden kann, zählt die Verwaltung zu den Vorteilen. Dort könnte man einen Händler mit Ausstrahlungskraft ansiedeln. Allerdings ist die Fläche bereits für die Drogeriekette Rossmann reserviert, die von der Frauenstraße kommen und dort Leerstand hinterlassen würde. Den Schuhmarkt will Reno übernehmen. Den Umzug von der Löbauer Straße ins Zentrum begrüßt die Stadt. Auch die Gefahr, dass der Innenstadthandel durch ein großes Center geschädigt würde, bestehe nicht mehr.

Was spricht gegen

die kleinere Variante des Centers?

Die Liste der Negativpunkte der Verwaltung für die Räte ist lang: Von den drei großen Fachmärkten bleibt nur der Lebensmittler. Selbst der zieht nach Ansicht der Verwaltung keine zusätzlichen Kunden in die Innenstadt, da es am Stadtrand Anbieter mit einem deutlich größeren Angebot gibt. „Das Ziel, Zittau als Einkaufsstandort attraktiver zu gestalten und damit den Kaufkraftabfluss aus dem Stadtgebiet zu verringern, wird nicht erreicht“, heißt es in den Unterlagen für die Räte. Wenn das kleinere Center gebaut würde, wäre der einzige wirklich sinnvolle Standort für große Magnetbetriebe verbaut. Zudem passt es schon wegen der Höhe nicht ins Stadtbild. „Typisch für die Zittauer Innenstadt, insbesondere für die nähere Umgebung, sind drei bis vier Geschosse“, heißt es. Dass der Investor diese Vorgabe noch nachträglich einbaut, scheint der Verwaltung nicht wahrscheinlich: Durch geringere Mieteinnahmen im Vergleich zum großen Center ist sein finanzieller Spielraum kleiner.

Was sagen Experten zur kleineren Variante?

Die Stadtverwaltung hat für die neuen Pläne sofort eine kleine Wirkungsanalyse erstellen lassen. Die Experten der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung aus Dresden sagen zwar voraus, dass das Center doch einige Neukunden in die Innenstadt locken könnte. „Eine entscheidende Impulswirkung für die Entwicklung der Einkaufsinnenstadt kreiert das Projekt indes nicht mehr“, schreiben sie. Der Einzugskreis von Kunden werde nicht größer. Auch sonst sehen sie eher Probleme: Die Gefahr eines Umverteilungskampfes innerhalb der Stadt ist größer als beim großen Center. Zudem ist fraglich, ob die AVW für die kleinen Läden neue Händler mitbringt oder etablierte zu einem Umzug bewegt – und damit zusätzlich Leerstand produziert.

Termin: Öffentliche Stadtratssitzung, morgen 17 Uhr im Bürgersaal des Rathauses am Markt.