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Standesamt auf vier Rädern

Es ist einer der wichtigsten Tage im Leben von zwei Verliebten: die Hochzeit. Verbunden ist das in den meisten Fällen mit organisatorischem Stress. Eine der Fragen: Wo soll sich das Paar das Ja-Wort geben? Und etwas Besonderes soll’s möglichst auch noch sein.

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Von M.. Weigel und A. Rebentisch

Es ist einer der wichtigsten Tage im Leben von zwei Verliebten: die Hochzeit. Verbunden ist das in den meisten Fällen mit organisatorischem Stress. Eine der Fragen: Wo soll sich das Paar das Ja-Wort geben? Und etwas Besonderes soll’s möglichst auch noch sein.

Dafür haben sich das Standesamt Kreischa und die Firma Sunshine Events aus Dresden etwas ausgedacht: Es darf in einem Oldtimerbus geheiratet werden. Der Inhaber der Firma Sunshine Events, die ein Hochzeitskaufhaus und eine Oldtimer-Bus-Vermietung betreibt, heißt Attila Schanze. Er hatte die Idee für den außergewöhnlichen Trauraum – und besprach dieses mit einer der beiden Standesbeamtinnen von Kreischa.

Daniela Strauß, die Schanze von einer Hochzeitsmesse kannte, war begeistert von diesem Einfall. „Der Trend geht definitiv immer mehr zu außergewöhnlichen Hochzeiten. Auf eine Hochzeit in einem Bus wurde ich zwar noch nicht angesprochen, aber wenn das bekannt wird, melden sich sicher viele Paare“, sagt Strauß.

Vier Busse im Angebot

Um die Sache zu ermöglichen, hat der Gemeinderat jüngst sogar einen Beschluss gefasst und die Busse des Unternehmens als Trauzimmer gewidmet. „Das ist nach Personenstandsgesetz zwingend erforderlich“, sagt Bürgermeister Frank Schöning. 100 Euro je Trauung soll der Einsatz der Standesbeamtin kosten – allerdings hat sie durch die längere Zeit auch erhöhten Aufwand. „Wir müssen den sonst möglichen nachfolgenden Termin blocken. Den Ausfall zahlt das Paar einfach mit“, sagt Schöning.

Die Trauung soll so laufen, dass Brautpaar und Standesbeamtin am Rathaus abgeholt werden. Während der Fahrt kann die Standesbeamtin einiges über Sehenswürdigkeiten erzählen und dies mit der Traurede kombinieren. Zur Trauzeremonie hält der Bus an einer vereinbarten Stelle. Danach geht die Fahrt weiter und die Standesbeamtin wird wieder im Amt abgesetzt.

Die Dauer und Strecke kann das Brautpaar selbst aussuchen. Die Fahrt kann jedoch aus rechtlichen Gründen nur durch das Gemeindegebiet gehen. „Es ist auch möglich Stopps für Highlights – wie einen Sektempfang – zu machen. Das kann das Paar ganz individuell festlegen“, versichert Schanze.

Zur Verfügung stehen vier Busse: Ikarus, Garant, Fleischer S4 und S5, die für 14 bis 40 Personen Platz bieten. Natürlich werden die Busse für die Feierlichkeit schön geschmückt. Zurzeit werden die Sitze festlich bezogen und das Dekorationsmaterial steht auch schon parat. Anlaufen soll die Trauung im Oldtimer ab nächstem Jahr. „Wir haben noch keine Werbung gemacht, die Idee nur beiläufig erwähnt und jetzt schon gut 20 Anfragen“, sagt Schanze. Er strickt gerade Pakete für die Paare. In der kleinsten Variante wird die Sache ab etwa 500 Euro zu haben sein.

Mit dem Angebot löst Schanze auch ein anderes Problem: „Viele Brautpaare haben Schwierigkeiten, die Gäste vom Standesamt bis zur Lokalität der Feier zu bringen. Das ist bei uns ganz unkompliziert.“

Zahl der Hochzeiten steigern

Kreischa will mit der abgefahrenen Trauung an frühere Hoch-Zeiten anknüpfen. 2009 musste die Gemeinde das bei Paaren beliebte Barockschloss in Reinhardtsgrimma als Trausaal an Glashütte zurückgeben. Von etwa 150 Hochzeiten pro Jahr sank die Zahl auf 55. 2010 stehen bislang 80 Trauungen fest. „Wir werden bestimmt noch mehr Anmeldungen bekommen und das wird der Gemeinde gut tun. Dieses Angebot wird dem Ort ein wunderschönes Bild verleihen und auch Kreischa als Hochzeits-Ort bekannter machen“, erklärt die Standesbeamtin. Laut Daniela Strauß bietet nur noch das Standesamt Zwenkau bei Leipzig diese Trauform an.

www.sachsen-oldtimer.de

www.kreischa.de