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Eheschließung: Begehrte Standesbeamte

Ottendorf kann eine Stelle nicht besetzen. Anderen Kommunen geht es ähnlich. Doch ohne diese Fachleute sind Trauungen nicht möglich.

Ohne Standesbeamte keine Hochzeiten: Im Rödertal sind diese gut ausgebildeten Fachleute allerdings rar.
Ohne Standesbeamte keine Hochzeiten: Im Rödertal sind diese gut ausgebildeten Fachleute allerdings rar. © Patrick Pleul / dpa (Symbolbild)

Ottendorf-Okrilla. In den vergangenen Jahren rückte das Hermsdorfer Schloss zunehmend in den Focus von Heiratswilligen. Sich dort, in diesem historisch-besonderen Ambiente, das Ja-Wort zu geben, dass hatte und hat etwas von Märchenhochzeit. Wenn man im Barocksaal ja sagte, war auch Ute Taggeselle mit dabei. Sie ist die Standesbeamtin in Ottendorf-Okrilla und traute dort in den zurückliegenden vier Jahren zahlreiche Paare. Nun wird die Standesbeamtin die Gemeinde zum Ende dieses Monats verlassen. 

Ein Nachfolger ist derzeit nicht in Sicht. Stellt sich die Frage: Fallen in den kommenden Monaten alle geplanten Trauungen im Hermsdorfer Schloss ins Wasser? „Nein, natürlich nicht“, sagt Bürgermeister Michael Langwald. Er weist darauf hin, dass sich die Gemeinde bereits seit einiger Zeit um einen Nachfolger für Ute Taggeselle bemühe. „Aber Standesbeamte sind hochqualifizierte Fachkräfte und die sind mittlerweile rar“, so Langwald weiter. So ist er froh, dass er Unterstützung von Standesbeamten benachbarter Gemeinden erhält. Amtshilfe gibt es von Königsbrück und Arnsdorf.

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Aufgaben werden immer komplexer

In Deutschland gibt es derzeit rund 30.000 Standesbeamte - mehr als die Hälfte davon sind Frauen - die anders als es die Berufsbezeichnung vermuten lässt, nicht alle den Beamtenstatus haben, manche sind auch als Angestellte tätig. Ute Taggeselle sagt, dass die Trauungen nur einen kleinen Teil ihres Jobs ausmachen. Der größte Teil ihrer standesamtlichen Tätigkeit, den niemand sieht, sei Büroarbeit. „Unsere Aufgaben sind in den vergangenen Jahren zunehmend komplexer geworden, auch durch die Globalisierung.“ 

Mit der Reformierung des Standesamtswesens vor elf Jahren sind die Anforderungen an Vertreter dieses Berufsstandes gestiegen. Sie werden nicht nur bei Eheschließungen aktiv, sondern auch bei Geburten, Auflösungen von Ehen und Sterbefällen. Da müssen Standesbeamte wie Ute Taggeselle zahlreiche Rechtsgebiete beherrschen: Familienrecht, Namensrecht, Personenstandsrecht, Melderecht, Staatsangehörigkeitsrecht, Passrecht und internationales Privatrecht. Woran man im Übrigen auch sehen kann, das ein wohlorganisiertes Leben  - und Sterben - ohne Standesbeamten quasi nicht möglich ist.

Kein Wunder, dass diese Fachkräfte mittlerweile in zahlreichen bundesdeutschen Kommunen geradezu händeringend gesucht werden. Auch im Bautzener Landkreis. Dort haben einige Kommunen, neben Ottendorf-Okrilla ist das auch Pulsnitz, „Zweckvereinbarungen zur Absicherung standesamtlicher Tätigkeiten geschlossen“, wie man vom Landratsamt erfährt.

Die schwere Suche nach Ersatz

Ottendorfs Bürgermeister Langwald weiß, dass der monetäre Aspekt natürlich auch eine nicht gerade unbedeutende Rolle spielt. Langwald: „Die Bezahlung für Standesbeamte ist in Großstädten wie Dresden besser als in kleinen Kommunen.“ Da hat man es schwer, qualifizierte Kräfte in die Provinz zu locken. Der Ottendorfer Bürgermeister ist jedenfalls froh, dass er mit der Stadt Königsbrück einen Amtshilfevertrag schließen konnte. Heißt: Die dortige Standesbeamtin Kathrin Frauenstein wird bis Ende dieses Jahres im Ottendorfer Standesamt mit aushelfen. Bis dahin, das hofft Langwald, soll die vakante Stelle wieder besetzt sein. 

Auch die Arnsdorferin Britta Philipp wird den Ottendorfern ein wenig Amtshilfe leisten. In einem „überschaubaren Zeitraum“, wie das die Standesbeamtin beschreibt. Im August werde sie an zwei Wochenenden fünf Trauungen im Hermsdorfer Schloss durchführen. Darauf freue sie sich schon jetzt. Denn, so Britta Philipp, „das Schloss ist ja ein traumhafter Ort für Eheschließungen“. Etwas, womit Ottendorf-Okrilla vielleicht bei potenziellen Standesamts-Anwärtern punkten kann.

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