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Standort für Antenne in Kötitz ist wieder offen

Ob Mobilfunk schädlich ist, oder nicht, darüber ist im Coswiger Stadtteil Kötitz heftiger Streit entbrannt. Der Netzbetreiber T-mobile möchte auf dem Gebäude der Firma Eisenwaren-Kleber eine Antenne errichten. Dagegen laufen die Anwohner Sturm.

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Von Torsten Oelsner

Die Anwohner der Grenz- und der Kötitzerstraße in Coswig-Kötitz können in ihrem Kampf gegen die geplante Mobilfunkantenne im Viertel einen ersten Punktsieg verbuchen. Der Eigentümer des als Standort favorisierten Hauses, Heinz Kleber, sagte gestern: „Es wäre mir lieber, wenn ein anderer Standort gefunden würde. Ich werde das Angebot wohl ablehnen.“ Entzündet hatte sich der Streit an dem Vorhaben des Mobilfunkanbieters T-mobile, sein künftiges UMTS-Netz auszubauen. Da bei diesem Netzstandard mehr Daten übertragen werden, müssen die Sendeantennen enger beieinander stehen, im Schnitt alle 600 Meter, erklärt Cornelia Kaap von der Leipziger Niederlassung des Telefonkonzerns.

Dabei fiel die Wahl im Bereich Kötitz auf das Haus der Klebers. Rund 2 000 Euro Jahresmiete habe der Mobilfunkanbieter dafür geboten. Doch die Anwohner starteten eine Unterschriftenaktion und Kleber befürchtet, dass Mieter aus seinem Haus gerade wegen der Antenne auszögen. Die Verluste aus der entgangenen Miete stünden dann in keinem Verhältnis zum Geld für die Antenne. Zudem möchte Heinz Kleber es sich nicht mit den Nachbarn im Viertel verderben, wie er sagt. Als deren Wortführer tritt Tobias Knibbe auf. „Konkret werden neben gesundheitlichen Folgen auch Wertverluste der Häuser befürchtet“, so Knibbe.

„In einem Gewerbegebiet, wo Firmen große Datenmengen austauschen, lasse ich die Argumente für den Ausbau des neuen Netzes vielleicht noch gelten“, sagt Knibbe. „Aber doch nicht hier in Kötitz. Telefonieren kann ich auch jetzt schon und nur, um mir das Kinoprogramm auf dem Handy anzuschauen, wie es uns als Vorteil verkauft werden sollte, brauche ich das Ganze nicht.“

Antenne auf dem Dach besser als ein Mast

Auf einem Anhörungstermin im Rathaus versuchten Vertreter des Mobilfunkanbieters die Bedenken der Bewohner zu zerstreuen. Doch auch die Zahl von angeblich 20 000 wissenschaftlichen Untersuchungen, die alle die Ungefährlichkeit des Mobilfunks belegen würden, erweichte die Gegner nicht.

Auch Coswigs Bauamtschef Manfred Trache ist unschlüssig. „Man weiß es einfach nicht“, sagt er. Doch es sei nicht seine Aufgabe in dieser Frage zu urteilen, sondern nur, ob es aus städtebaulicher Sicht Einwände gegen das Vorhaben gäbe. Das sei bei der Variante auf dem Dach des Mietshauses Kleber nicht der Fall. Es bestehe kein Denkmalschutz und auch sonst habe die Stadt keine Einwände. Es sei allein Sache des Eigentümers, ob er zustimmt. Prinzipiell kann die Stadt nichts dagegen machen, wir sind an das Gesetz gebunden“, sagt Trache. Anders sähe die Sache aus, wenn ein Ausweichstandort gefunden werden müsste, so wie es nach Lage der Dinge wohl der Fall ist. Im Gespräch war das Gelände des ehemaligen Planeta Werkes IV. Das Einverständnis der Firma vorausgesetzt, könnte hier ein Mast errichtet werden. „Aber wo der steht, müssen wir uns genau anschauen“, sagt Trache. Gegen das Vorhaben prinzipiell gebe es keine rechtliche Handhabe. Denn mit der Lizenzvergabe der Regulierungsbehörde an die Mobilfunkbetreiber sei ein Versorgungsauftrag verbunden gewesen, dem diese nun nachkommen müssen. Allerdings könne auch niemand gezwungen oder gar enteignet werden, so Trache.

Die Variante mit einem Mast biete Vor- und Nachteile, heißt es in Leipzig. Erst einmal sei er teurer. Aber auf lange Sicht könne man ihn sich mit anderen Anbietern teilen und beliebig aufrüsten, was bei einer Hausantenne nicht möglich sei, so Cornelia Kaap. Der Nachteil bestünde aber auch darin, dass wenn der Mast zu weit von seinem idealen Standort entfernt ist, wie ihn die Mobilfunkphysik verlange, die Antenne dann mit der Leistung hochgehe, um die Distanz zu den Handys zu überbrücken. Das Gleiche gelte für die Handys in dieser Zelle, wie der Bereich einer Antenne genannt werde. Deshalb könnten die Gegner mit ihrem Protest gerade das bewirken, was sie eigentlich vermeiden wollen. Eine schwach strahlende Antenne auf dem Dach sei besser, so Cornelia Kaap, als eine Maststation, die an der oberen Leistungsgrenze laufe.