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Görlitz

"Standortschließungen sind nicht unser Ziel"

Viel wird über die Folgen der Übernahme von Bombardier für die Waggonbau-Werke in Görlitz und Bautzen diskutiert. Jetzt erklärt der Alstom-Chef erste Details.

Auch mit diesen Intercity-Doppelstockzügen für die Deutsche Bahn gab es zuletzt Probleme.
Auch mit diesen Intercity-Doppelstockzügen für die Deutsche Bahn gab es zuletzt Probleme. © Bombardier

Der französische TGV-Hersteller Alstom will Bombardier übernehmen. Dazu zählen auch die beiden Waggonbau-Werke in Bautzen und Görlitz. Seit diese Nachricht die Runde macht, wird auch darüber spekuliert, ob es zu Stellenabbau oder gar Standortschließungen kommt. Der Görlitzer OB Octavian Ursu, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und auch  Ostsachens IG-Metall-Chef  Jan Otto haben schnell erklärt, dass für sie der Erhalt der Standorte als auch der rund 2.300 Arbeitsplätze in der Oberlausitz im Mittelpunkt stehen.

Alstom und Bombardier ergänzen sich

Nun hat auch der designierte Chef des neuen Konzerns, Henri Poupart-Lafarge, in einem Interview erklärt, dass Standortschließungen überhaupt nicht das Ziel des Zusammengehens seien. "Jeder Standort hat seine eigene Entwicklung, eigene Produkte, eigene Märkte, eigene Auslastung", erklärte der Alstom-Chef im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Es gibt keine Pläne, die Produktion von einem Standort zum anderen zu verschieben." Auch wenn manche Standorte langsamer wachsen im Moment als andere. Andererseits ergänzten sich die Produkte von Alstom und Bombardier gut. "Alstom ist in Deutschland deutlich geringer vertreten als Bombardier", erklärte Poupart-Lafarge in der FAZ. "Und Bombardier ist in Deutschland mit anderen Produkten unterwegs. Speziell sprach er den Wasserstoffzug von Alstom sowie Batterielösungen an.

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Deinege könnte mit seiner Strategie richtig liegen

Das hänge aber von der Strategie und dem Auftragseingang ab. Indirekt bestätigt er damit auch die Aussagen des früheren Görlitzer Oberbürgermeisters und Waggonbau-Chefs, Siegfried Deinege, der in einem SZ-Interview einen Zukunftsplan für den Görlitzer Waggonbau forderte. Nach einer gründlichen Analyse sollte er vor allem detailliert Produkte und Strategien enthalten, um das Görlitzer Werk wieder auszubauen. Auch Ostsachsens IG-Metall-Chef Jan Otto hatte gegenüber der SZ erklärt: "Wenn es eine Chance gibt, Görlitz wieder zu einem Vollbahnhersteller zu machen, dann sollten wir die nutzen." Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu verwies auf Gespräche mit dem Deutschland-Chef von Bombardier, Michael Fohrer über die Zukunft von Görlitz.

Bombardier degradierte Görlitzer Werk

Der kanadische Noch-Besitzer hatte das Görlitzer Werk degradiert: Nur noch Wagenkästen sollen hier gebaut werden. Konstruktion und Ausbau der Wagen wurden dagegen nach Hennigsdorf und Bautzen verlagert. Dort investierte Bombardier 30 Millionen Euro, um das Werk zu einem Kompetenzzentrum für wichtige Schienenfahrzeugtypen des Gesamtunternehmens umzugestalten.

In Görlitz gibt es nun Hoffnungen, dass das neue Unternehmen auch beim Wasserstoff mit dem Innovationszentrum Görlitz im Siemens-Turbinenbau zusammenarbeitet und dem Carus-Institut, das in den kommenden Jahren in Görlitz aufgebaut wird.

Markt für Schienenfahrzeuge wächst

Poupart-Lafarge nahm damit auch erste Erklärungen nach der beabsichtigten Übernahme zurück, in der von Personalanpassungen die Rede war, was für Verunsicherungen unter den Belegschaften geführt hatte. Die angestrebten Einsparungen von 400 Millionen Euro sieht der Franzose jetzt eher im Einkauf, bei Forschung und Entwicklung sowie der Nutzung gemeinsamer Komponente.

Poupart-Lafarge rechnet damit, dass der Markt für Schienenfahrzeuge in den kommenden Jahren wächst. "Der Bahnverkehr ist das Rückgrat der Mobilität von morgen. Seine gute Bilanz bei der Energieeffizienz, dem geringen Bodenverbrauch und der Luftverschmutzung lässt daran keinen Zweifel". Die Länder wie Deutschland reagieren darauf mit ehrgeizigen Plänen zur Förderung des Bahnverkehrs. "Überall ist Expansion angesagt. Daran wollen wir teilhaben", sagte der Konzernchef. "Ich habe großes Vertrauen, dass die Mitarbeiter von Alstom und Bombardier die nötigen Ausschreibungen gewinnen können, um unsere Fabriken auszulasten."

Der fusionierte Konzern kommt zusammen auf einen Umsatz von rund 15 Milliarden Euro. Die Bahnsparte von Siemens weist rund 7 Milliarden Euro Umsatz aus, der chinesische Konzern CRRC, der in Staatsbesitz ist und als großer Konkurrent angesehen wird, macht rund 30 Milliarden Euro Umsatz.

Schnelle Gespräche mit der EU angestrebt

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Die Gespräche mit der EU über eine Genehmigung der Übernahme könnten nach Aussage des 51-jährigen Vorstandschefs sofort beginnen. Denn die EU habe ja bei der seinerzeit untersagten Fusion mit Siemens bereits den Eisenbahnmarkt im Detail untersucht. Ob Alstom/Bombardier für eine Genehmigung Unternehmensteile abgeben müsse, sei völlig offen. "Es ist zu früh, um darüber zu sprechen", sagte Poupart-Lafarge auf eine entsprechende Frage der FAZ. "Wir werden sehr umfassende Gespräche mit der Kommission führen, und wir gehen mit einer offenen Haltung in diese Gespräche."

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