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Stapelweise Telefonbücher

Die Wälzer sind erstmals an die Haustür geliefert worden. Dort liegen sie jetzt, zum Ärger der Anwohner.

Von Josefine Jahn

Dieses vorweihnachtliche Geschenk dürfte vielen Dresdnern überhaupt nicht gefallen: Fast alle 290.000 Haushalte haben ungefragt ein Exemplar der Gelben Seiten und des Telefonbuchs vor die Haustür gelegt bekommen. Dort liegen die Stapel nun seit Tagen und werden einfach nicht kleiner.

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Vom 24. - 25. September, von jeweils 9 - 17 Uhr, findet die Viterma- Hausmesse statt. Neben der Veranstaltung vor Ort können sich Interessierte auch online zuschalten.

Mit dem Werbeslogan „Als Buch, im Web, als App“ wirbt der Sachsenverlag für die Gelben Seiten im Internet. In Dresden, so scheint es aber, legt das Unternehmen großen Wert auf die gedruckte Ausgabe. Nicht nur, dass die Bücher einfach vor den Haustüren liegen bleiben. Nachtschwärmer haben die Gratisgeschenke im Hechtviertel mitgenommen und auf den Straßen verstreut. Die Lieferaktion des Sachsenverlags findet Maik Schellenbach, der auf der Rudolf-Leonhard-Straße wohnt und hier einen Laden betreibt, überflüssig: „Heutzutage gucke ich im Internet nach, wenn ich eine Telefonnummer suche.“ Jetzt fragt sich der Dresdner: Wer räumt das alles wieder weg? Maik Schellenbach fühlt sich jedenfalls nicht verantwortlich. „Ich habe ja nichts bestellt und nutze die Bücher auch nicht.“ Klare Worte findet auch die Neustädter FDP-Ortsbeirätin Benita Horst: „Das Abwerfen der dicken Telefonbuchexemplare sorgt für ein riesiges Müllchaos. Angesichts der Tatsache, dass sich heute kaum noch jemand Druckexemplare der Telefonbücher in die Wohnung legt, ist es unverständlich, warum fast jedes Haus in der Neustadt zwangsbeglückt wurde.“

Auch die Stadtreinigung ist schon auf die Stapel aufmerksam geworden, bisher aber nicht zur Tat geschritten. Rathaussprecherin Anke Hoffmann zitiert die Straßenreinigungssatzung. Demnach sind die Grundstückseigentümer für die Sauberkeit auf den angrenzenden Gehwegen verantwortlich. Außerdem müssten die Anwohner den Telefonbuchverlagen die Verteilung untersagen, sollte kein Interesse bestehen. Denn mit der Ablage auf einem Grundstück, was den Hauseingangsbereich einschließt, gehen Telefonbücher automatisch in den Besitz des Grundstücksinhabers über, so die Stadt. Gagfah-Hausmeister haben unterdessen schon fleißige Papiersammler beobachtet, die mit ganzen Stapeln aus den Wohngebieten verschwinden.

Der Urheber, also der Sachsenverlag, holt die Bücher nur auf Wunsch wieder ab. Die Haushalte, die kein Exemplar wollen, müssen also anrufen oder eine E-Mail schreiben. Die Daten stehen auf der Rückseite des Päckchens. Viele Dresdner würden sich aber nicht melden, so Verlagssprecherin Petra Fischer.

Eigentlich seien die beauftragten Lieferfirmen gebeten worden, die Bücher in die Hausflure zu legen und nicht vor die Türen. In den vergangenen Jahren ist jedem Haushalt eine Notiz in den Briefkasten geworfen worden, mit dem Hinweis, dass die Telefonbücher in Postfilialen und Supermärkten abgeholt werden können. Dieses Jahr habe sich der Verlag für die direkte Auslieferung entschieden, um vor allem ältere Menschen zu erreichen, die das Internet nicht nutzen und nicht zu Fuß zum nächsten Supermarkt gelangen.

Der Verlag merkt nun, dass diese Form des Vertriebs für Großstädte wie Dresden eher ungeeignet ist, so Petra Fischer. Das Unternehmen sei deshalb für Hinweise der Dresdner dankbar, wo gedruckte Telefonbücher und Gelbe Seiten überhaupt gebraucht werden. „Das macht die Planung für die nächste Auflage leichter.“ Benita Horst fordert den Verlag auf, nicht noch so eine Aktion zu starten. (mit SZ/sr)

Hinweise an den Sachsenverlag: 0351/28520 sowie per E-Mail an [email protected]