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Star-Tenor Peter Schreier ist tot

Der Tenor, Dirigent und Kammersänger erlag am 25. Dezember einer langen Krankheit. Er wurde 84 Jahre alt.

Peter Schreier im Jahr 2016.
Peter Schreier im Jahr 2016. © Ronald Bonß (Archiv)

Wenn Peter Schreier mit seinem unnachahmlichen Timbre die Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ aus Mozarts „Zauberflöte“ sang, schmolzen Frauen- wie Männerherzen gleichermaßen. Für viele Menschen galt der Tenor als bester Tamino, den Deutschland je hervorgebracht hat. Aber auch mit seinen Bach-Interpretationen sang sich der Sachse zum Weltruhm. Nun ist Peter Schreier, seit Jahren immer wieder von Krankheiten geplagt, im Alter von 84 Jahren in Dresden gestorben.

Dass er und seine Stimme etwas ganz Besonderes waren, hat bereits der nicht minder legendäre Kantor Rudolf Mauersberger erkannt, als er Schreier 1945 in den Kreuzchor aufnahm und ihn kontinuierlich förderte. Auch dadurch, dass er eigens für den Jungen einige Solopartien komponierte, etwa das De profundis aus dem Dresdner Requiem. „Ich war ungewöhnlich stark in den Chor involviert“, sagte Peter Schreier rückblickend über diese Zeit. Er wurde mit 17 Jahren als Chorpräfekt die rechte Hand des Kreuzkantors. „Das hat mich geprägt und zu Erfolgen angespornt.“

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Peter Schreier als Tamino in der Salzburger "Zauberflöte" von 1982. 
Peter Schreier als Tamino in der Salzburger "Zauberflöte" von 1982.  © Archiv der Salzburger Festspiele/Weber

Dem Gesangsstudium an der Dresdner Musikhochschule folgte bald sein Debüt an der Staatsoper Dresden in einer Nebenrolle in Beethovens Fidelio. Zwei Jahre später wurde Peter Schreier Ensemblemitglied und machte vor allem in Mozart-Partien auf sich aufmerksam. Wiederum zwei Jahre später ging er an die Berliner Staatsoper. Halb zog man ihn, halb sank er hin: „In Berlin kam man weiter, dorthin reisten die Agenten und Direktoren, dort war das Fernsehen“, so der Sänger. „ Dresden wurde kaum beachtet. Auch die finanziellen Bedingungen in Berlin waren besser.“

Dort kam sein Durchbruch: Seinen Belmonte in „Die Entführung aus dem Serail“ sahen Gäste aus aller Welt, bald registrierten internationale Opernhäuser das junge Talent, auch die Wagner-Festspiele von Bayreuth, wo er 1966 debütierte. Zwar bezeichnete Peter Schreier Wagners Musik als eine „Droge“. Doch fand er, sein Tenor passe nicht so recht zu dessen Kompositionen. Ihn zog es mehr zu Mozart. „Er weckt eine Art Glücksgefühl, ein Empfinden, dass es lohnt, zu leben“, sagte Peter Schreier einmal. 

So war es nur folgerichtig, dass er 1967 sein erstes Gast-Engagement bei den Salzburger Festspielen hatte und sich daraus eine 25-jährige Tradition entwickelte. Fortan trat Peter Schreier auf der ganzen Welt auf, brillierte mit seiner Kunst über Jahrzehnte, war wichtigster DDR-Exportschlager auf sängerischem Gebiet und genoss Privilegien – ohne SED-Parteibuch. Trotzdem blieb er ein bescheidener, seiner Heimat treuer Mensch und für viele Sachsen eine Identifikationsfigur. „Mir würde etwas fehlen, wenn ich nicht in Dresden leben könnte“, sagte er.

Als Evangelist in den Bach-Oratorien wurde Peter Schreier gefeiert, doch „wagte“ er sich auch ans oft belächelte Operettenfach. „Warum soll ich nicht die so genannte leichte Muse lieben dürfen?“, fragte er rhetorisch. „Berühmte Operettenlieder von Franz Lehár sind gesanglich hoch anspruchsvoll. Ich habe sie aus Spaß gesungen und nicht der Publicity wegen. Für mich gilt nur ein Kriterium für künstlerische Arbeit, und das ist Qualität.“

Als Sänger nahm Peter Schreier 2005 in Prag seinen Abschied, arbeitete aber als Lehrer und Dirigent weiter. Etwa mit den den Wiener Symphonikern, den Berliner Philharmonikern, dem Kölner Gürzenich-Orchester, dem Los Angeles Philharmonic Orchestra und natürlich mit der Staatskapelle seiner Heimatstadt Dresden.

Doch mit zunehmendem Alter zeigte die Gesundheit dem disziplinierten Arbeiter Peter Schreier immer deutlicher Grenzen auf. Anfang vergangenen Jahres brachte ihn eine gefährliche Erkältung auf die Intensivstation. Auch nachdem sie auskuriert war, hat sich Peter Schreier nie wieder richtig erholt. Er war Diabetiker, lebte mit Bypässen, hatte mit dem Rücken Probleme, wobei ihm kein Arzt helfen konnte, Medikamente nur bedingt. 

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