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„Stark Übergewichtige sind Risikopatienten“

Chefärztin Dr. Wilma Aron warnt: Dicke Menschen leiden oft an Folgeerkrankungen. Ihre Behandlung stellt Ärzte zunehmend vor Probleme.

© Daniel Schäfer

Frau Dr. Aron, 23 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland sind adipös, also krankhaft übergewichtig. Wer ist besonders betroffen?

Das Fettverteilungsmuster ist ein sehr entscheidender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wenn das Fett mehr im Bauchbereich verteilt ist, führt dies wesentlich häufiger zu den Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes und Durchblutungsstörungen, als bei der Fettverteilung an Beinen und Po. Um das zu messen, reicht ein Bandmaß: Das Risiko ist für Frauen ab 82 Zentimeter und für Männer ab 92 Zentimeter erhöht. Durch ungesundes, zu fettiges, zu kalorienreiches, nicht ausgewogenes Essen, steigt das Risiko zum Übergewicht. Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Zucker, Herzerkrankungen und auch orthopädische Leiden, zum Beispiel Gelenkschmerzen, stellen sich rasch ein. Hinzu kommen Bewegungsmangel und psychische Faktoren wie Stress, die das Krankheitsbild negativ beeinflussen.

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Vor welchen Herausforderungen stehen die Ärzte angesichts der wachsenden Zahl von Übergewichtigen?

Adipöse Patienten sind Risikopatienten für jedweden medizinischen Eingriff und jede therapeutische Maßnahme. Bei der Behandlung ergeben sich mehrere Probleme. Zum einen das erheblich höhere Risiko für den Patienten selbst, zum Beispiel bei weiteren Erkrankungen oder auch bei Operationen. Das beginnt bei der Narkose, äußert sich aber auch durch einen erschwerten operativen Zugang und mögliche Wundheilungsstörungen. Zum anderen ergeben sich Probleme für die behandelnden Einrichtungen, deren Ausstattung im Allgemeinen für normalgewichtige Patienten ausgelegt ist.

Welche diagnostischen Einschränkungen gibt es?

Sie ergeben sich einmal durch die Grenzen der Methoden, zum Beispiel bei Ultraschalluntersuchungen. Zum anderen gibt es logistische Grenzen, etwa die begrenzte Belastbarkeit von Untersuchungsliegen. Es gibt auch Fälle, dass adipöse Patienten zum Beispiel nicht ins CT, also in den Computertomographen, passen.

Gespräch: Ingolf Reinsch