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Über 10.000 Anträge auf Kurzarbeitergeld

Die Folgen der Corona-Krise sorgen in der Arbeitsagentur Bautzen für einen Ansturm. Sie stellt sich auch auf einen Anstieg der Arbeitslosenzahl ein.

Ein Bild aus besseren Tagen: Hier liefen die Bänder im Maja-Möbelwerk in Wittichenau noch auf Hochtouren. Jetzt ist Kurzarbeit angesagt. Der Betrieb produziert vor allem im Auftrag von Ikea – und dessen Märkte haben derzeit Zwangspause.
Ein Bild aus besseren Tagen: Hier liefen die Bänder im Maja-Möbelwerk in Wittichenau noch auf Hochtouren. Jetzt ist Kurzarbeit angesagt. Der Betrieb produziert vor allem im Auftrag von Ikea – und dessen Märkte haben derzeit Zwangspause. © Archivfoto: dpa

Bautzen. Die Corona-Krise hinterlässt erste Spuren auf dem regionalen Arbeitsmarkt. Im März ist die Zahl der Anträge auf die Zahlung von Kurzarbeitergeld in die Höhe geschnellt. Allein in den Arbeitsagenturen Bautzen, Dresden und Pirna gingen rund 10.200 Anträge ein. Damit sind aktuell mehr als ein Viertel aller insgesamt rund 36.000 Unternehmen in diesen drei Agenturbezirken von Kurzarbeit betroffen.

Täglich gingen neue Anträge ein, sagte eine Sprecherin der Arbeitsagentur Bautzen. Die Kurzarbeit betreffe alle Branchen. Zahlen für einzelne Arbeitsagenturbezirke gibt es bislang nicht, ebenso kann die Agentur die von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmer noch nicht beziffern.

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Die großen Unternehmen im Landkreis sind bislang unterschiedlich von Kurzarbeit betroffen. Der Schienenfahrzeugbauer Bombardier mit rund 2.200 Beschäftigten in Bautzen und Görlitz ist „bisher noch nicht zu Kurzarbeit gezwungen“, erklärte Unternehmenssprecherin Janet Olthof auf SZ-Anfrage. Allerdings laufen hier Vorbereitungen auf verkürzte Arbeitszeiten, weiß Jan Otto, Ostsachsen-Chef der Industriegewerkschaft Metall.

Bänder stehen still

Voll gearbeitet wird derzeit auch noch beim Batteriehersteller Accumotive in Kamenz. Dagegen schickte die TD Deutsche Klimakompressor in Straßgräbchen die meisten ihrer rund 950 Beschäftigten in Kurzarbeit. Auch im Maja Möbelwerk in Wittichenau stehen die Bänder still – der Betrieb baut vor allem im Auftrag des Branchenriesen Ikea, dessen Häuser derzeit zwangspausieren. 

Viel zu tun hat hingegen das Kunststoffunternehmen Jokey in Sohland mit mehr als 160 Mitarbeitern – zahlreiche Lebensmittelproduzenten oder Hersteller von Hygieneartikeln sowie von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln setzen mehr denn je auf sichere Verpackungen aus der Oberlausitz.

Bei den Kurzarbeiter-Zahlen macht sich die Corona-Krise bemerkbar, im üblichen Arbeitsmarktbericht noch nicht. Die Bautzener Agentur berichtete am Dienstag von reichlich 17.400 Menschen ohne Arbeit, rund 550 weniger als im Februar. Und im Vergleich zu März letzten Jahres ist die Zahl der Arbeitslosen sogar um gut 2.000 gesunken. Da deutet rein statistisch alles auf die alljährliche Frühjahrsbelebung hin. Dank der milden Witterung hätten sich im März weniger Menschen arbeitslos gemeldet als im Monat zuvor, heißt es im Bericht der Arbeitsagentur.

Aber: Dieser Bericht, obwohl an diesem Dienstag vorgelegt, bezieht sich auf den Stichtag 12. März. Bis zu diesem Tag waren im gesamten Landkreis nur zwölf Personen positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Welche Auswirkungen diese Krise noch nach sich ziehen würde, konnten die Statistiker der Arbeitsagentur am 12. März nicht wissen. Und auch nicht in ihren Bericht einarbeiten.

Die amtierende Leiterin der Bautzener Arbeitsagentur, Ilona Wingel-Paul, appelliert an die Chefs von Firmen und Behörden, trotz der derzeitigen Krise an die Fachkräfte von morgen zu denken und Lehrlingen die weitere Ausbildung zu ermöglichen.
Die amtierende Leiterin der Bautzener Arbeitsagentur, Ilona Wingel-Paul, appelliert an die Chefs von Firmen und Behörden, trotz der derzeitigen Krise an die Fachkräfte von morgen zu denken und Lehrlingen die weitere Ausbildung zu ermöglichen. © SZ/Uwe Soeder

Ein Indiz, dass sich der Arbeitsmarkt verändert, gab es aber auch da schon: Firmen und Behörden meldeten der Agentur weniger freie Stellen als zuletzt. Das blieb über den ganzen März so. Insgesamt erfuhr die Arbeitsagentur im vergangenen Monat von 864 freien Stellen. Das waren 106 weniger als im Februar und 69 weniger als im Vorjahresmonat.

Die meisten Stellenmeldungen gab es Anfang des Monats noch aus dem Handel und dem Gastgewerbe. Inzwischen sind in diesen Branchen Tausende Beschäftigte in Kurzarbeit und warten darauf, nach der Corona-Krise wieder Kunden und Gäste zu bedienen – sofern ihr Arbeitgeber diese Situation übersteht.

Theoretisch können die Arbeitsvermittler der Bautzener Agentur derzeit auf 4.599 freie Stellen zurückgreifen, davon die meisten in der Zeitarbeit. Praktisch aber stellt gegenwärtig kaum ein Unternehmen neue Mitarbeiter ein; die meisten Firmen sind froh, wenn sie ihre Belegschaft noch halten können. Die amtierende Agenturchefin Ilona Winge-Paul erwartet, dass sich Corona in den Arbeitsmarktzahlen für April niederschlagen wird.

Über 1.700 freie Ausbildungsplätze

Trotz der Krise sollten Arbeitgeber auch an die Fachkräfte von morgen denken, appelliert die amtierende Leiterin der Bautzener Arbeitsagentur, Ilona Wingel-Paul, an die Chefs von Firmen und Behörden. In der Regel seien Auszubildende nicht von Kurzarbeit betroffen. „Denn der Ausbildungsbetrieb muss versuchen, die Ausbildung weiter zu ermöglichen. Das gelingt beispielsweise durch die Umstellung eines Ausbildungsplans, die Verlagerung der Ausbildung in eine andere Abteilung oder die Nutzung von Online-Seminaren.“

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Wegen des Corona-Virus hätten viele Unternehmen aber kaum eine andere Möglichkeit, insbesondere wenn der Betrieb geschlossen werden muss. „In so einem Fall ist Kurzarbeit auch eine Option für Auszubildende“, sagt die amtierende Agenturchefin. Zurzeit sind in der Oberlausitz noch 1.641 Schüler auf der Suche nach einer Lehrstelle. Dem gegenüber stehen 1.754 unbesetzte Ausbildungsplätze.

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