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Hoyerswerda

Startschuss für den Buchsommer

Die Bibliothek in Wittichenau beteiligt sich gezielt an der Leseförderung. Zudem ist das Ausleihsystem umgestellt.

Elsa, Hedwig, Lena und die anderen Kinder aus der Klasse 4 a der Krabat-Grundschule ließen sich gestern Vormittag nicht lange bitten: Aus dem „Buchsommer-Regal“ (im Hintergrund) griffen die Schüler rasch Lektüre, in die sie sich in den nächsten Tagen vert
Elsa, Hedwig, Lena und die anderen Kinder aus der Klasse 4 a der Krabat-Grundschule ließen sich gestern Vormittag nicht lange bitten: Aus dem „Buchsommer-Regal“ (im Hintergrund) griffen die Schüler rasch Lektüre, in die sie sich in den nächsten Tagen vert © Foto: Hagen Linke

Wittichenau. So eine Schulstunde ist schon etwas Besonderes. Nicht auf Stühlen, sondern auf Sitzkissen machten es sich gestern die Mädchen und Jungen aus der 4 a aus der Krabat-Grundschule in der Stadtbibliothek Wittichenau bequem. „Wer von euch hat schon einen Bibliotheksausweis?“ fragt Leiterin Sabine Scholze. Etwa die Hälfte der Kinder strecken ihre Arme nach oben. Kurze Zeit später eilen sie zu einem großen weißen gut gefüllten Regal, auf dem „Buchsommer Sachsen“ steht. Zurück auf den Kissen herrscht eine Ruhe, die ungewöhnlich für dieses Alter ist. Die Kinder halten Bücher in den Händen.

„Beim Lesen tauch ich ab“ ist das Motto der Aktion des Sächsischen Bibliothekenverbandes. Klar kann man bei den Temperaturen ins Freibad. Das hindert aber auch nicht daran, etwas zum Lesen mitzunehmen oder zu Hause auf dem Sofa in die Welt der Geschichten zu versinken. Zumal der Freistaat Steuergelder gibt, damit die teilnehmenden Einrichtungen neue Bücher kaufen können. „Ziel des Buchsommers ist es, im Hinblick auf schulische Leistungen und die notwendige umfassende Medienkompetenz das Lesen als attraktive Freizeitbeschäftigung erfahrbar zu machen und das Interesse daran langfristig zu fördern“, informiert der Bibliothekenverband. Bei den Wittichenauern klappte das bisher schon ganz gut. „Es gibt einige Kinder, die begeistert lesen“, sagt Deutschlehrerin Carola Voges. Vor allem Fantasy-Geschichten stehen hoch im Kurs. Sarina Bresan mag zum Beispiel die „Schule der magischen Tiere“, ihre Mitschülerin Hedwig Menzel hat schon sechs Bücher aus der Reihe „Lola Schwesterherz“ gelesen. Gestern hielt die Zehnjährige den siebten Band in den Händen und erzählt begeistert wie das ist, wenn Lola nicht schlafen kann und sich ausdenkt, sie wäre eine Geheimagentin. Carola Voges merkt, dass die lesebegeisterten Kinder auch den Unterrichtsstoff schneller verinnerlichen. „Lesen fördert die Sprachgewandtheit. Das ist deutlich zu spüren.“

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Bei der Lesesommer-Aktion können sich die Mädchen und Jungen nicht nur aus dem Sonderregal Bücher ausleihen. Der gesamte Medienbestand steht zur Verfügung. Jedes Kind erhält eine kleine Klappkarte - das Logbuch. Dort ist Platz für fünf Buchtitel, die auf einer Skala von eins bis fünf bewertet werden. Wer drei Bücher bis zum Ende der Sommerferien schafft, bekommt ein Zertifikat. „Die besonders eifrig sind, bekommen einen Preis von uns“, verspricht Sabine Scholze, die ein paar Minuten später mit ihrer Kollegin Karin Miesner gut zu tun hat, um neue Ausweise für die Kinder auszugeben.

Das Thema Ausweise beschäftigt die Bibliothek schon länger. Alle Medien, rund 12 000, wurden in den vergangenen Jahren mit einem Barcode versehen. Mit der Umstellung auf das EDV-gestützte Ausleihsystem verschwinden nach und nach die Buchkarten, die bei einer Entleihung abgestempelt wurden. Auch der Holzkasten auf dem Schreibtisch mit den Benutzerkarten wird bald überflüssig. Seit Anfang des Monats erhalten die Bibliotheksnutzer laminierte Ausweise mit einem Barcode. Auf einen Blick können Sabine Scholze und Karin Miesner am Computermonitor sehen, welche Medien mit welcher Frist gerade ausgeliehen sind. Ausgedruckt kann das dem Leser mitgegeben werden. So läuft das zum Beispiel auch schon in Hoyerswerda und Kamenz. „Gerade wer viel und häufig ausleiht, findet das übersichtliche System sehr gut“, sagt Sabine Scholze.

Sowohl die Ausgabe des Nutzerausweises als auch die Entleihung sind weiterhin kostenlos. Seit nunmehr fünf Jahren ist die Bibliothek in der Kamenzer Straße zu finden. Zudem ist die Stadtinformation integriert. Die meisten Leser kommen im Herbst und Winter, wenn die älteren Nutzer viel im Garten zu tun haben, flaut das Interesse etwas ab. Die jüngeren sind besonders bis zum Alter von elf, zwölf Jahren zu begeistern. Dann werden Freunde und die Zeit mit ihnen wichtiger. Es gibt aber auch Jugendliche, die dennoch gerne und häufig in die Stadtbibliothek kommen. „Die nehmen dann auch richtig dicke Schmöker mit“, weiß Karin Miesner. „Harry Potter ist immer noch ganz groß im Rennen.“

Die Viertklässler aus der Krabat-Grundschule dürften mit dem Eröffnungstag gestern erst mal gut versorgt sein. Die Ferien zum „Abtauchen“ können kommen. Obwohl: Die Schulstunde gestern in der Bibo fanden einige deutlich zu kurz ...

Service:

Adresse: Kamenzer Straße 22, 02997 Wittichenau

Öffnungszeiten: Montag 13 bis 17 Uhr, Dienstag 13 bis 17 Uhr, Mittwoch geschlossen, Donnerstag 9 bis 12 und 13 bis 18 Uhr, Freitag 9 bis 12 Uhrjeden ersten Sonnabend im Monat, also am 7. Juli wieder von 9 bis 11 Uhr

Leihfristen: Die Ausleihfrist für alle Medien beträgt vier Wochen.

Telefon: 035725 70338

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