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Entscheidung zu Görlitzer und Nieskyer Wochenmarkt

Der Ostersamstag sollte zum Härtetest für Görlitz' provisorischen Markt werden. Händler und Kunden bemühten sich um Abstand. Nun ist klar, wie es weitergeht.

In Görlitz wird auch weiterhin ein Markt stattfinden.
In Görlitz wird auch weiterhin ein Markt stattfinden. © Maximilian Helm

Mit seinem Nicht-Wochenmarkt hatte sich die Stadt Görlitz auf juristisch unwegsames Gelände begeben. Laut sächsischer Allgemeinverfügung zum Kampf gegen das Coronavirus sind Wochenmärkte nicht mehr gestattet, mobile Lebensmittelstände aber erlaubt. Auch im Verbund.

Also wurde der Görlitzer Wochenmarkt abgesagt und wenige Meter entfernt eine neue Fläche zugewiesen, auf der Händler mit Sondergenehmigung ihre Waren verkaufen dürfen. Die Einschränkung: Es sind ausschließlich regionale Selbsterzeuger erlaubt, die Wagen müssen fünf Meter Abstand halten, Besuchergruppen zueinander zwei Meter. 

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Entscheidung nach dem Osterwochenende

Vergangenen Dienstag war die mit nur drei Händlern etwas karge Premiere. Damals hieß es vom Ordnungsamt auch, dass es sich um einen Test handele und man die Fortführung des Marktes davon abhängig machen werde, ob die Abstände eingehalten werden. 

Vor allem der Ostersamstag galt als kritisch: Neun Händler waren auf dem Platz, entsprechend mehr Kunden. Danach gab es zunächst eine kleine "Osterpause", wie Rathaussprecherin Sylvia Otto auf SZ-Anfrage sagt. Offenbar auch, um über die Fortführung zu beratschlagen.

Nun ist klar: Der Nicht-Wochenmarkt geht weiter. Für Donnerstag hätten sich vier Händler angekündigt, für Freitag zwei und für Samstag wieder neun. Das Rathaus hatte vergangene Woche alle Händler, die sonst auf dem regulären Wochenmarkt stehen und Selbsterzeuger sind, angeschrieben. Insgesamt zehn hätten ihr Interesse bekundet, regelmäßig wiederzukommen. 

Endlich wieder Tulpen

Einer von ihnen ist Lothar Franke, vielen Görlitzern als Rosenmann bekannt, der aber um diese Jahreszeit noch Tulpen verkauft. Er ist erleichtert, wieder auf der Elisabethstraße stehen zu können: "Ich kann überhaupt nicht klagen, alle waren sehr diszipliniert", sagt er. 

Am Sonnabend hat er es zum ersten Mal auf dem neuen Platz versucht. 400 Päckchen à 5 Tulpen hatte er in Plastiktütchen gepackt und in Eimer weit auseinandergestellt. Etwas Aufwand, aber so ließ sich der Kontakt zu den Kunden weitgehend vermeiden. Das Geld legten sie auf einen Tisch und nahmen sich, falls nötig, ihr Wechselgeld selbst. 

Das lief besser als gedacht: Um zehn Uhr hatte Franke alle 2.000 Tulpen verkauft. Und er hat ein Lob übrig: "Das war von Stadt sehr gut organisiert", sagt er. Bei der Ankunft hatte er einen Stellplatz zugewiesen bekommen, dazu Unterlagen und Hinweisschilder mit den Hygienebestimmungen. Ab sofort will er regelmäßig dienstags, donnerstags und samstags Blumen verkaufen.

Das Problem mit der Toilette

Wenn keine neuen Auflagen des Landes dazwischenkommen, dürfte die Regelung beibehalten werden. Das Besondere: Die Fläche hat keine festen Zeiten, denn es findet ja kein Markt statt, die Händler dürfen also theoretisch jederzeit kommen und gehen. Ohne Käufer ergibt das zwar wenig Sinn, diese Freiheit führt jedoch dazu, dass die Stadtverwaltung nicht mit Sicherheit sagen kann, wer wann seine Ware anbieten wird.

Doch auch für die nächste Woche haben sich die Händler im ähnlichen Rhythmus angemeldet wie in dieser und in der letzten Woche. Voraussichtlich werden sich Dienstag, Donnerstag und vor allem Samstag als Markttage etablieren, der Freitag steht noch auf der Kippe, ist aber vor allem für diejenigen reizvoll, die schnell verderbliche Ware im Angebot haben. Besonders für Obst- und Gemüsehändler sind Abstände von zwei Tagen zu groß.

Einzig: Eine Toilette gibt es nicht. Auf dem regulären Wochenmarkt hatte Marktbetreiber und Hotelier Francois Fritz das Stille Örtchen seines Hotels Bon Apart zur Verfügung gestellt, das fällt nun weg. Marktbesucher bleibt nur die öffentliche Toilette auf der Apothekergasse, die immerhin fast 300 Meter vom Markt entfernt ist. 

Acht bis zehn Händler in Niesky

Für Francois Fritz war die Toilette nach Hygienevorgaben des Robert-Koch-Instituts vor zwei Wochen eine Kernanforderung gewesen, um den Markt wiederzueröffnen. Die Stadt selbst kommt um diese Vorgabe offenbar herum - sie betreibt ja schließlich auch keinen Wochenmarkt.

Auch in Niesky gab es letzten Dienstag die Premiere - und nach jetzigem Stand geht es  im Wochenrhythmus weiter. "An diesem Dienstag war weniger los, einige Händler dachten wohl, die Leute hätten nach Ostern genug", sagt Bernd Barthel, Marktabgeordneter der Stadt Niesky. Nur vier Wagen warteten auf Käufer. 

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Doch für den nächsten Dienstag haben sich wieder acht bis zehn Händler angekündigt. Barthel ist zufrieden mit der Situation: "Die Leute sind sehr angetan, halten aber auch Abstand." Er habe die Wagen extra weit auseinandergestellt, dass es vor jedem Stand genügend Platz gibt, "um eine ordentliche Reihe zu bilden". 


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