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Staubwolken statt Eröffnung

Seit Mai wird die Schauburg - Dresdens ältestes Kino - saniert und erweitert. Es dauert länger als geplant.

© Sven Ellger

Sarah Herrmann

Kabel hängen von der Decke, Wind pfeift durch die mit Planen verhangenen Fenster- und Türöffnungen. Dass die Schauburg an diesem Sonnabend nicht wieder öffnet, wird schon beim ersten Schritt ins Foyer klar. Eigentlich sollte die Sanierung von Dresdens ältestem Kino, das noch in Betrieb ist, pünktlich zum 90. Geburtstag abgeschlossen sein. Im Mai hatten die Arbeiten begonnen. „Wir werden dieses ambitionierte Ziel nicht ganz einhalten können“, sagt nun Betreiber Stefan Ostertag. Während der Bauarbeiten habe es die eine oder andere Herausforderung gegeben, die vorher nicht absehbar war. Doch schon Mitte November sollen wieder die ersten Streifen über die Leinwand flackern. Abgeschlossen sind die Arbeiten damit aber noch lange nicht.

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Betreiber Stefan Ostertag in einem Saal. Dort fehlen noch die Deckenleuchten.
Betreiber Stefan Ostertag in einem Saal. Dort fehlen noch die Deckenleuchten. © Sven Ellger
Bohren gegen die Zeit: Elektroinstallateur Martin Grunert verdrahtet Stufenlichter in einem Saal der Schauburg.
Bohren gegen die Zeit: Elektroinstallateur Martin Grunert verdrahtet Stufenlichter in einem Saal der Schauburg. © Sven Ellger
Das Foyer soll nach dem Umbau größer und heller sein.
Das Foyer soll nach dem Umbau größer und heller sein. © Sven Ellger

Zunächst sollen nur in den Sälen „Fritz Lang“ und „Sergio Leone“ wieder Filme gezeigt werden. Während im Lang-Saal bereits die Wände mit einem grünen Samtstoff verkleidet sind, gleicht der Leone-Saal noch einer großen Baustelle. In den Räumen werden nicht nur Wände, Fußböden und Technik erneuert. Für die Zuschauer dürfte es dort künftig auch bequemer werden. Denn es gibt neue Sessel. Die alten Exemplare wurden vor dem Umbau gegen eine Zehn-Euro-Sanierungsspende verkauft. „Es stehen nun welche in der Schweiz oder an der Nordsee“, sagt Ostertag. Doch ein Stück Kinogeschichte hat auch in der Neustädter Kneipe „Planwirtschaft“ einen Platz gefunden. Wer möchte, kann dort nun an einem Schauburg-Tisch frühstücken – auf den passenden Sesseln.

„Fritz Lang“ und „Sergio Leone“ haben künftig Platz für jeweils rund 160 Kinobesucher. Wegen des größeren Reihenabstands gibt es weniger Plätze. Um die 200 Zuschauer können sich im großen Saal „Andrej Tarkowsi“ einen Film ansehen. Auch dort sind derzeit Bauleute mit der Erneuerung beschäftigt. „Die Aura eines Filmtheaters soll erhalten bleiben“, erklärt Architekt Benjamin Gril. „Es soll hier keine kühle Multiplex-Atmosphäre geben.“

Das hatten einige Besucher befürchtet, als sie von Ostertags Anbauplänen gehört haben. Denn seit Mai werden nicht nur die drei vorhandenen Säle erneuert. Es kommen auch zwei weitere hinzu. So soll es bald auch unterirdisch Plätze geben. Die Arbeiten für den Keller-Saal konnten allerdings noch nicht starten. Denn dafür sind Ausgrabungen im Innenhof notwendig, für die man sich noch mit den Nachbarn abstimmen muss. Im ersten Quartal 2018 soll es losgehen. Deutlich weiter sind die Arbeiten für den Saal, der auf das Gebäude draufgesetzt wird. Die Stahlkonstruktion steht bereits. Sie soll später noch metallverkleidet werden und sich so von der rostbraunen Fassade der Schauburg abheben.

Die gehört für viele einfach zu dem Programmkino dazu. Ob die Farbe bleiben darf, war allerdings lange nicht klar. Denn das dunkle Rot hat das Gebäude erst beim letzten großen Umbau 1994 erhalten. „Aber es ist einfach eine Marke“, sagt Grill. „Deswegen haben wir uns entschieden, sie zu behalten.“ Ohnehin bemühe sich das Team, Details aus allen Jahrzehnten im und am Gebäude zu erhalten.

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Wie das gelingt, können Interessierte an diesem Sonntag beurteilen. Auch wenn die Schauburg nicht pünktlich zum Geburtstag öffnen kann, soll zumindest gefeiert werden. Ab 14 Uhr steht das Kino deshalb offen. Bis 17 Uhr finden stündlich Führungen statt. Am Abend soll dann auch die rostrote Fassade angeleuchtet werden. Darauf läuft – dank eines Projektors – dann auch der erste Film der neuen Schauburg. Übrigens: Das Konzept will der Betreiber nach dem Umbau nicht ändern.