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Das sind die Staufallen in der Sächsischen Schweiz

Auf der beliebten Urlauberroute zwischen Pirna und Bad Schandau sorgen mehrere Baustellen für Frust - mitten in den Ferien. Sächsische.de hat sich mit angestellt.

Nichts geht mehr auf der B 172: Stau vor der Baustelle an der Elbbrücke in Bad Schandau.
Nichts geht mehr auf der B 172: Stau vor der Baustelle an der Elbbrücke in Bad Schandau. © Steffen Unger

Sie gehört zu den meist befahrenen Straßen in der Sächsischen Schweiz: Die B172 zwischen Pirna und Bad Schandau ist die Einflugschneise für Pendler und Urlauber gleichermaßen. Seit dem Beginn der Ferienzeit schieben sich noch mehr Autos auf der Bundesstraße entlang. Denn die Region boomt wegen der Corona-Krise als innerdeutsches Urlaubsziel. 

© SZ Grafik

Auf dem Weg in die Sächsische Schweiz werden Ausflügler und Einheimische derzeit jedoch ausgebremst. Schuld sind gleich mehrere Baustellen entland der B172. Für die rund 20 Kilometer lange Strecke von Bad Schandau nach Pirna brauchen geübte Fahrer normalerweise keine 30 Minuten. Derzeit allerdings ein Vielfaches. Sächsische.de hat sich am Dienstag auf die Strecke begeben. Ein Selbst- und Nerventest.

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Staufalle 1: Bad Schandau

Das Auto ist vollgetankt. Die Sonne strahlt. Los geht's. In Bad Schandaus Zentrum geht es anfangs zügig voran. Vorbei an der Kirche, dem Hotel Elbresidenz und dem Nationalparkzenrum. Kurz vor dem Abzweig nach Sebnitz geht es los, die erste Autoschlange. Der Grund: An der Elbbrücke wird gebaut. An der stadtseitigen Auffahrt zur Brücke wird die Stützwand saniert. Eine Ampel regelt bis mindestens Anfang August den Verkehr einspurig an der Baustelle vorbei. Die Kurstadt befürchtete, dass sich der Verkehr vor allem an den Wochenenden stark staut. Es kam schlimmer, wie dieser Dienstag zeigt. In Richtung Pirna brauche ich zum Glück nur eine Ampelphase, dann ist die Baustelle hinter mit. Weniger Glück haben die Fahrer, die vom Lidl-Parkplatz nach links in dieselbe Richtung abbiegen wollen. Sie sind auf die Gunst der Wartenden angewiesen. Und auf eine Lücke im Gegenverkehr. 

Die Schlange zieht sich in Stoßzeiten bis ins Zentrum von Bad Schandau.
Die Schlange zieht sich in Stoßzeiten bis ins Zentrum von Bad Schandau. © Steffen Unger

Auf der anderen Seite der Elbbrücke ist in der Gegenrichtung ebenfalls warten angesagt. Hier zieht sich die Autokolonne bis zum Rietzschgrund, dem Abzweig in Richtung Gohrisch. Für mich heißt es jedoch kurz durchatmen. Weiter rollt es nach Königstein. Vor mir Autos mit auswärtigen Kennzeichen: Rügen, Flöha und Halle sind darunter. Bis zur Festungsstadt geht es überraschend flüssig voran. Der Optimismus hält jedoch nur kurz an. 

Staufalle 2: Königstein

Am Ortseingang von Königstein leuchten wieder rote Bremslichter. Bis zum Elbefreizeitland reicht die Schlange. Ein paar Stunden vorher, am Dienstagmorgen, soll sich der Stau zeitweise sogar über mehr als drei Kilometer zurück bis zum Rietzschgrund gezogen haben. Das zeigten gegen 10 Uhr Karten von Google Maps an. Bis zu 40 Minuten mehr brauchten die Autos um diese Zeit, um von Bad Schandau nach Pirna zu fahren.

Was den Verkehr hier ausbremst: Seit Montag finden Baugrunduntersuchungen an der B172 in Höhe des Bahnhofs statt. Etwa eine Woche lang dauern diese. Wenn gearbeitet wird, regelt eine Ampel den Verkehr, der dann nur einspurig rollen kann. Die bekannte Engstelle in Königstein wird dadurch noch enger - wenn auch nur zeitweise.

Wer sich auskennt oder keine Geduld hat, sucht sich Schleichwege. Einer führt über Gohrisch. Rund fünf Kilometer lang ist der Umweg um die Baustelle, für die rund zehn Minuten drauf gehen. Vor allem Einheimische nutzen diese Ausweichmöglichkeit. Ich muss etwa zehn Minuten an der B172 anstehen, bis die Hürde in Königstein genommen ist. Mein nächstes Ziel: Pirna.

Staufalle 3: Pirna

Vorbei an der Festung, Struppen und Krietzschwitz. Endlich kann ich wieder richtig Gas geben. Die Sonne prasselt inzwischen  heiß vom Himmel. Ein Sonnenblumenfeld rechts, die Baustelle der Südumfahrung links. Vor mir die Hochhäuser auf dem Sonnenstein. Noch rollt es. Noch. Der nächste Stau wartet schon. An der Kreuzung zur Reutlinger Straße, in Höhe des Sonnensteiner Gewerbegebietes, geht an diesem Nachmittag nichts mehr. Alles steht - minutenlang. 

Anstehen und Geduld haben: Für die 20 Kilometer von Bad Schandau nach Pirna braucht SZ-Redakteurin Katarina Gust insgesamt 80 Minuten.
Anstehen und Geduld haben: Für die 20 Kilometer von Bad Schandau nach Pirna braucht SZ-Redakteurin Katarina Gust insgesamt 80 Minuten. © SZ/Katarina Gust

Auf Stop and Go wie noch in Bad Schandau oder Königstein kann ich nicht hoffen. Dabei wird in Pirna nicht einmal gebaut. Der Rückstau bis auf den Sonnenstein ist das inzwischen normale Verkehrschaos, das Pendler und Touristen erwartet. Es geht mehr als zäh voran. Für die 1.200 Meter bis zum Kreisverkehr am Landratsamt brauche ich stolze 20 Minuten. Ein Grund dafür ist auch der Zustrom von der Struppener Straße am Krankenhaus. Fast jeder Fahrer vor mir lässt einen der Rechtsabbieger auf die B172 fahren. Ein übliches Reißverschlussverfahren.

Stoßstange an Stoßstange stehen die Autos in Höhe des Sonnensteiner Gewerbegebiets.
Stoßstange an Stoßstange stehen die Autos in Höhe des Sonnensteiner Gewerbegebiets. © SZ/Katarina Gust

Nach dem Kreisverkehr nimmt die Kolonne plötzlich mehr Fahrt auf. Knapp zehn Minuten später und mein Ziel - das Stadtzentrum - ist erreicht. Für die 20 Kilometer von Bad Schandau nach Pirna habe ich statt normal 30 Minuten etwa 80 Minuten gebraucht - und damit fast dreimal so viel. 

Fazit: Urlaubszeit ist auch Bauzeit

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Baustellen und Urlaubszeit, diese zwei Themen sorgen in der Sächsischen Schweiz nicht zum ersten Mal für Frust bei Autofahrern. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, das für die zwei Baustellen an der B172 zuständig ist, legt solche Bauarbeiten ganz bewusst in die Ferienzeit. Nicht, um Urlauber oder Einheimische zu verärgern. Laut Lasuv-Sprecherin Isabel Pfeiffer will man den Schülerverkehr nicht behindern. 

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