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Vernachlässigt Bautzen den Stausee?

Keine Badeaufsicht, zu wenig Busse, keine öffentlichen Toiletten – immer wieder gab es in der letzten Zeit Kritik am Stausee-Gelände. Das sagt die Stadt dazu.

Warum gibt es keine Badeaufsicht am Bautzener Stausee? Das fragen die Rettungsschwimmer des Vereins DLRG, die regelmäßig auf dem Gewässer trainieren.
Warum gibt es keine Badeaufsicht am Bautzener Stausee? Das fragen die Rettungsschwimmer des Vereins DLRG, die regelmäßig auf dem Gewässer trainieren. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Blaualgen, die gehen nicht auf die Kappe der Stadtverwaltung – soviel ist sicher. Und dennoch war der Bautzener Stausee in der letzten Zeit immer wieder Thema in der Stadt. Es gehe nicht voran, ärgert sich der Betreiber der Ocean Beach Bar, der am Stausee ein neues Restaurant bauen will. Die öffentliche Toilette, die den Badegästen schon vor längerer Zeit versprochen worden ist, gibt es auch noch nicht. Und wer badet, tut das auf eigene Gefahr: Rettungsschwimmer sind nicht im Einsatz. Vernachlässigt die Stadt den Stausee? Sächsische.de hat nachgehakt.

Rettungsschwimmer: Stadt macht wenig Hoffnung

Wenn der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) nicht gerade eine Pandemie einen Strich durch die Rechnung macht, bildet der Verein in Bautzen jedes Jahr in zwei Kursen jeweils rund 20 neue Rettungsschwimmer aus. In der Bautzener Ortsgruppe des  Vereins gibt es etwa 40 aktive Mitglieder, die regelmäßig auf dem Stausee trainieren. Viele schwärmen im Sommer aus, um an den Küsten ehrenamtlich Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Doch wer im Bautzener Stausee badet, tut das auf eigene Gefahr. Die Stadt hat keine Rettungsschwimmer engagiert. An anderen Seen in der Region sieht es anders aus.

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Nach einem Bericht von Sächsische.de war das auch Thema im Stadtrat, CDU-Stadtrat Dirk Lübke fragte nach. Wird sich da also jetzt etwas tun? Die Stadt macht wenig Hoffnung. „In erster Linie handelt es sich um ein Talsperrengewässer“, erklärt Pressesprecherin Laura Ziegler. Natürlich werde der Stausee auch als Naturbadestelle genutzt. Es sei  jedoch nicht angedacht, die Talsperre auch als solche auszuweisen. Der Grund sei die schwankende Wasserqualität des Sees. Also erst einmal keine Rettungsschwimmer.

Zu wenig Busse: Stadt verweist auf den Kreis

In der Woche fährt der letzte Bus aus der Stadt zum See gegen 19 Uhr, am Wochenende fahren nur fünf Busse – und auch nur bis zur Haltestelle Schullandheim. Badegäste, die mit dem Bus zum Stausee gelangen wollen, müssen ab dort laufen. Das sind zu wenig Busse, sagt zumindest der Bautzener Kreisrat Jonas Löschau (Grüne). Und auch die Betreiber von Campingplatz, Strandbar und Klettergarten sehen das so. Was sagt die Stadt dazu?

„Uns ist die bedarfsgerechte Anbindung der Talsperre sehr wichtig. Das haben wir auch gegenüber dem Landkreis entsprechend klar kommuniziert“, so Ziegler. Ein wenig verbessern soll sich die Lage laut Landkreis: Die Linien 106 und 125 sollen die Talsperre mit dem neuen Netz, das voraussichtlich 2022 wirksam wird, häufiger bedienen, auch am Wochenende.

Baupläne auf Eis gelegt: Eidechse hat Vorrang

Matthias Schneider von der Ocean Beach Bar ist verstimmt. „Die Container stehen bereit, das Fundament ist fertig, die Leitungen sind schon verlegt“, sagt er. Wofür? Er will ein neues Restaurant eröffnen, das auch im Winter am Stausee Speisen anbietet. Aber die Baupläne liegen auf Eis, denn am Stausee leben Zauneidechsen, eine geschützte Tierart. Bevor die nicht umgesiedelt worden sind, kann nicht gebaut werden. Matthias Schneider findet: „Uns werden Steine in den Weg gelegt.“ Und: „Wir werden hier vernachlässigt.“ Warum dauert das so lange?

Derzeit laufe noch das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplanes, heißt es vonseiten der Stadt. Bevor es keine Ersatzlebensräume für die geschützten Tiere gibt, könne es nicht weitergehen. Das Problem ist: Für das Umsiedeln der Eidechsen gibt es „aus artenschutzrechtlicher Sicht feste Zeitfenster“, erklärt die Stadtverwaltung. Laut dem zuständigen Landratsamt ist dies von März bis Mitte September möglich, wobei damit nicht erst jetzt im August begonnen werden kann. Also muss das nächste Zeitfenster abgewartet werden.

Keine öffentliche Toilette: Das soll sich ändern

Wem am Stausee die Blase drückt, der hat es nicht einfach. Denn eine öffentliche Toilette gibt es nicht. Obwohl der Wunsch seit Jahren immer wieder geäußert worden ist, hat sich bisher nichts getan. Jetzt passiert aber etwas: In der kommenden Saison soll es eine öffentliche Toilette geben, verspricht die Stadtverwaltung. Es sei mittlerweile auch ein Standort gefunden worden – mehr verrät das Rathaus dazu noch nicht. Bis dahin verweist sie auf die Toiletten der Ocean Beach Bar und des Hochseilgartens.

Beleuchtung, Werbung, Parkplatz: So geht es weiter

Es mag aus Sicht einiger Bautzener nur langsam vorangehen, aber einiges hat sich bereits getan am Bautzener Stausee. Um das Sicherheitsgefühl zu verbessern, hat die Stadt zum Beispiel Lampen zwischen Promenade und Parkplatz installiert. „Für uns besitzt die Talsperre Bautzen eine große Bedeutung als Naherholungsgebiet“, beteuert die Stadtverwaltung, „es ist uns entsprechend wichtig, die Attraktivität für alle Gäste weiter zu erhöhen.“ Die Stadt will deshalb auch die Toilette installieren und den Parkplatz ausbauen. „Darüber hinaus vermarkten wir die Talsperre aktiv“, erklärt Laura Ziegler. „Außerdem ist es unser Ziel, Fördermittel aus dem Strukturstärkungsgesetz einzusetzen, um das Areal touristisch weiterzuentwickeln.“ 

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