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Stausee-Wirt setzt auf Selbstgemachtes

Enrico Kutzera betreibt die Gaststätte in Sohland seit fünf Jahren. Mit Erfolg. Dabei hilft ihm sein ursprünglicher Beruf.

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© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Sohland. Mit dem Sommer endet für die Gaststätte am Stausee in Sohland die Hochsaison. Doch Pächter Enrico Kutzera ist nicht bange vor der nahenden kalten Jahreszeit. Ein bisschen freut er sich sogar darauf, weil er dann seiner Leidenschaft für Süßes noch ausgiebiger nachgehen kann. Zudem weiß der Wirt, dass selbst im Winter viele Gäste kommen. Vor gut fünf Jahren übernahm er die Gaststätte. Eine Zeit lang betrieb er sie parallel zu einem Café in Neukirch, das er dann aber schloss. Den Wechsel nach Sohland hat er nicht bereut, ist inzwischen sogar näher an den Stausee gezogen – nach Taubenheim.

Vom Café zum vollen Restaurant-Programm

„Die Gaststätte hat sich besser entwickelt, als gedacht“, freut sich Enrico Kutzera. Anfangs wollte er sie eher als Café betreiben. Doch inzwischen bietet er das volle Restaurant-Programm, hat das ganze Jahr von mittags durchgehend bis abends geöffnet. Nur Montag ist zu. Die Speisekarte, auf der deutsche Hausmannskost steht, hält der Wirt ganz bewusst klein. Zum Beispiel gibt es immer nur ein Fischgericht. Aber das wechselt oft. „Uns ist wichtig, dass wir alles selbst zubereiten und dass die Zutaten möglichst aus der Region kommen“, betont Kutzera. Fisch bezieht der 44-Jährige von den Kirschauer Aquakulturen, Fleisch aus Löbau, Wild von Jägern aus der Umgebung des Stausees, Bier aus Görlitz – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Zum Team gehören eine Küchenchefin und in den Hauptzeiten noch eine weitere Köchin und zwei Kellnerinnen. Der Chef selbst ist für den Service zuständig. Außerdem bereitet er alle Torten, Kuchen und das Eis selbst zu. „Das lasse ich mir nicht nehmen. Schließlich bin ich gelernter Konditor“, sagt er lächelnd. Besonders gut kommen bei den Gästen sein Schmandkuchen und die Mango-Sahne-Torte an. „Ich mache gern Sachen, die es woanders nicht zu kaufen gibt“, erzählt Enrico Kutzera. Im Sommer bevorzugt er Fruchtiges, im Winter kommen mehr Marzipan, Schokolade und Nüsse zum Einsatz. Das gilt auch für das Eis, das er nach alten Rezepten herstellt. Verkauft wird es nicht nur in der Gaststätte, sondern auch durch ein Fenster. Die Nachfrage ist so groß, dass der Wirt im Sommer sonntags sogar jemanden beschäftigen kann, der sich nur um den Straßenverkauf kümmert. Meist sind das Studenten, die sich über den Ferienjob freuen.

Selbstgemachte Pralinen und frische Schollen

Die Leidenschaft für seinen Beruf lebt Kutzera in der kalten Jahreszeit auch noch auf andere Art aus. Im November stellt er selbst Pralinen her und verkauft sie im Restaurant. Gut kommt bei den Gästen auch eine andere Offerte Kutzeras an. Jedes Jahr im Oktober fährt er an die Ostsee und bringt etliche Schollen mit heim; frisch vom Fischer und auf Eis gelegt. Ausgenommen werden sie erst in Sohland kurz vor der Zubereitung. Der Vorrat reicht etwa eine Woche. Einige Fischesser reservieren dafür schon lange vorher Plätze. Noch viel weiter reichen die Vorbestellungen für Familien-, Firmen- und andere Feiern. Zum Schuleintritt sind wir für die nächsten Jahre ausgebucht, sogar für 2020 hat schon jemand reserviert“, berichtet Enrico Kutzera.

Dass die Gaststätte für Feiern so beliebt ist, liegt seiner Meinung nach auch am Umfeld. Auf dem Stauseegelände kann man spazieren gehen, Boot fahren, einen großen Spielplatz nutzen und vieles mehr. Die Gemeinde Sohland halte alles sehr gut in Ordnung, lobt der Wirt. Auch mit der Arbeit des Verpächters der Gaststätten – einer Kirchgemeinde – ist er sehr zufrieden. Regelmäßig werde investiert. Den in unmittelbarer Nähe gelegenen Biergarten eines anderen Betreibers sieht der Wirt nicht als Konkurrenz. „Wir ergänzen uns gegenseitig“, sagt er. Im Sommer bekommt man in seiner Gaststätte keine Imbissgerichte. Nur im Winterhalbjahr, wenn der Biergarten geschlossen ist, gibt es bei ihm Bratwurst – künftig auch welche vom Wild. Dass sein Lokal nur in Ausnahmefällen per Auto zu erreichen ist, habe Nach- aber vor allem Vorteile, ist der Wirt überzeugt. Zwar fahren einige Leute vorbei. Doch viele Gäste schätzen sehr, dass am Stausee Fahrverbot herrscht und sie ungestört laufen können.