merken
PLUS Zittau

Steht das Zittauer Theater auf dem Spiel?

Hinter den Kulissen rumort es gerade wieder heftig. Es geht um viel Geld und um die Frage, warum beim Schauspiel offenbar mehr gespart wird als in Görlitz. 

Die Zittauer Sommertheater-Aufführungen auf der Waldbühne Jonsdorf spielen mehr Geld ein, als sie kosten.
Die Zittauer Sommertheater-Aufführungen auf der Waldbühne Jonsdorf spielen mehr Geld ein, als sie kosten. © Foto: Olaf Hais

Nein, die Zittauer wollen nicht Jahr für Jahr mehr Geld in die Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH stecken. Vor allem nicht, wenn sie das Gefühl haben, gespart werde vor allem zulasten des hiesigen Schauspiel-Standorts. Dass macht allein schon der bisherige Stellenabbau deutlich: Von den 30 Stellen, die nach einem Konsolidierungsplan in den letzten Jahren weggefallen sind, wurden 24 am Zittauer Standort gestrichen, nur sechs in Görlitz. 

Und jetzt muss das Theater wieder sparen: Denn nachdem alle Mitarbeiter jahrelang auf einen Teil ihres Gehalts verzichtet hatten, werden sie seit diesem Jahr nach Tarif entlohnt. Möglich macht das ein sogenannter "Kulturpakt" mit dem Freistaat. Im Grunde eine sehr erfreuliche Entwicklung - wenn da nicht die Mehrkosten für die Gesellschafter wären.

Anzeige
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage

In Hainichen kann ab sofort sicher, sorglos und sozial wertvoll Geld angelegt werden.

Der Freistaat übernimmt 70 Prozent der höheren Personalkosten in diesem Jahr, deckelt die Summe aber für die kommenden Jahre. Die restlichen 30 Prozent und die Kosten für die jährlichen Tarifsteigerungen müssen die Gesellschafter tragen: Das sind der Landkreis und die beiden Städte Görlitz und Zittau. Für Zittau sind das allein in diesem Jahr knapp 950.000 Euro. Eine Summe, die die Stadt nicht mal schnell aus dem Ärmel schütteln kann.

Grundsätzlich hat sich der Stadtrat am Jahresanfang einstimmig dazu bekannt, den Kulturpakt mitzutragen, hatte dem Beschluss allerdings beigefügt, die Summe im kommenden Jahr ebenfalls  zu deckeln. 2020 beträgt der Zittauer Anteil dann nämlich schon mehr als 970.000 Euro - und steigt jedes Jahr weiter. 

Weitere Steigerungen will der Zittauer Stadtrat allerdings nicht mittragen. Und auch der Oberbürgermeister nicht. Thomas Zenker (Zkm) will erst einmal wissen, ob und wo am Theater noch weiteres Sparpotenzial steckt - eben auch in Görlitz. Denn wenn die Stadt Zittau ihren Anteil deckelt, würde der Finanzierungsplan nach 2020 nicht mehr aufgehen und andere Lösungen müssten her.  

Caspar Sawade, noch kaufmännischer Geschäftsführer der Theater-Gesellschaft, kann Zenkers Fragen zur Zukunft des Theaters im Moment nicht beantworten. Er weiß nur eins genau: So wie bisher kann es nicht weitergehen. Seit der Fusion des Zittauer und Görlitzer Theaters 2011 schreibt die GmbH keine schwarzen Zahlen mehr. Und mittlerweile gibt es einen riesigen Investitionsstau. 

Das Problem: Gegenwärtig scheint das Theater führungslos. Die Geschäftsleitung soll umstrukturiert werden. Statt der Doppelspitze aus dem künstlerischen Leiter, Klaus Arauner, der in den Ruhestand geht, und dem kaufmännischen Leiter, Caspar Sawade, soll es nur noch einen Generalintendanten geben. Einen neuen. Der aber ist bisher nicht gefunden. Und so lange das so ist, sagt Sawade, könne auch nicht darüber geredet werden, wie das Theater künftig ausgerichtet sein soll.

Nur eines dürfe nicht passieren, sagt er: die Standorte gegeneinander auszuspielen. "Es kann nur eine Lösung geben, hinter der alle stehen", so sein Appell. "Die Gesellschafter müssen es schaffen, das Theater als eins zu begreifen." Nur auf dieser Basis könne eine Geschäftsführung ein vernünftiges Konzept entwickeln. In dem Konzept werde auch das Zittauer Schauspiel seinen Platz haben, ist Sawade sich sicher. Nach SZ-Informationen wird hinter den Kulissen aber bereits wieder über ein gemeinsames Kulturraumtheater gesprochen. Gegen einen Beschluss,  die Zittauer Schauspiel-Sparte gänzlich abzuwickeln, hätte der Zittauer Stadtrat aber ein Vetorecht. 

Im Grunde sei es auch gar nicht die Standortfrage, sagt Sawade. Görlitzer Produktionen laufen auch in Zittau und umgekehrt. Dass Musiktheateraufführungen wesentlich personal- und kostenintensiver sind als ein Schauspiel, das liege in der Natur der Sache. 

Dagegen ist es im Schauspiel durchaus möglich, kostendeckend zu arbeiten. Die Sommertheater-Aufführungen auf der Waldbühne Jonsdorf und das Weihnachtsmärchen spielen sogar mehr Geld ein, als sie kosten. Hinsichtlich der Kosten-Nutzen-Rechnung ist das Zittauer Schauspiel sogar einer der effektivsten Theater-Standorte in ganz Deutschland. Wie seine Zukunft aber tatsächlich aussieht, ist derzeit offen.

Mehr lokale Themen:

www.saechsische.de/zittau

www.saechsische.de/loebau

Mehr zum Thema Zittau