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Steht hier bald die neue Käferlinde?

Drei Stadträte wollen das ehemalige Riesaer Wahrzeichen wiederbeleben - und hoffen dafür nun auf Spenden.

Die Stadträte Torsten Pilz, Michael Herold und Falk Dierchen (v.l.n.r.) an der Stelle, an der künftig die neue "Käferlinde" stehen soll.
Die Stadträte Torsten Pilz, Michael Herold und Falk Dierchen (v.l.n.r.) an der Stelle, an der künftig die neue "Käferlinde" stehen soll. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Luft über dem Parkplatz am Käferberg ist derart aufgeheizt, dass man es kaum aushält. Nur an der Bushaltestelle spenden ein paar Bäume Schatten, über der restlichen Fläche brennt die Sonne unerbittlich herunter. Geht es nach Falk Dierchen, Torsten Pilz und Michael Herold, dann ändert sich das über die nächsten Jahren. 

Dann könnte mitten auf dem Parkplatz wieder ein Baum stehen. Zugegeben: Der kühle Schatten ist lediglich ein angenehmer Nebeneffekt, den eine Baumpflanzung an dieser Stelle hätte. Denn im Kern geht es den drei Männern, die im Stadtrat eine gemeinsame Fraktion bilden, um etwas anderes: die Wiederbelebung der Käferlinde. 

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Ab 1832 stand die Linde in Riesas Wappen

Der Baum nimmt eine nicht unwichtige Rolle für Riesas Geschichte ein. Ab 1832 war die Linde auf dem Stadtwappen zu sehen. Eine Karte von 1800 markiert den Standort. Anfang des 19. Jahrhunderts war Riesa verglichen mit heute winzig: Der Berg samt Linde befand sich noch auf freier Flur vor den Toren der Stadt. Ihren Namen erhielt die Käferlinde wegen der roten Feuerwanzen, die sich an dem Baum zu großen Gruppen zusammenhorteten. 

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Linde schließlich gefällt - was nicht nur für öffentliches Aufsehen sorgte, sondern auch einen Gerichtsprozess nach sich zog. Vom Baum blieb bis jetzt nur die Erinnerung - und der Name für den Käferberg. Michael Herold (Bürgerbewegung) erzählt von Führungen durch die Stadt, bei denen der Käferberg und seine Linde auch eine Rolle spielt. 

Ein alter Ortsplan zeigt den historischen Standort der Käferlinde (gelb markiert). Beim Schloss Riesa handelt es sich um das heute unter anderem von der Stadtverwaltung genutzte Kloster.
Ein alter Ortsplan zeigt den historischen Standort der Käferlinde (gelb markiert). Beim Schloss Riesa handelt es sich um das heute unter anderem von der Stadtverwaltung genutzte Kloster. © Repro: Stadtmuseum Riesa

Der Wunsch, sie neu zu pflanzen, habe vor allem nach der Baum-Wette der Stadt Riesa im vergangenen Jahr an Fahrt aufgenommen. Während in Riesa nach wie vor nach Standorten für die rund 200 zu pflanzenden Bäume gesucht wird, hatten die drei Räte von Bürgerbewegung und Unabhängiger Liste für Riesa direkt mehrere im Auge - allesamt noch recht nah am historischen Ort gelegen. Nach Rücksprache mit der Stadt kamen schließlich zwei in die engere Auswahl.

 "Es gibt ja so viele Faktoren zu beachten", sagt Michael Herold. Allein die unterirdisch verlegten Leitungen, dazu noch die Frage, ob der Baum überhaupt genug Platz hat, zu wachsen. Schließlich soll die Linde einmal ein stattlicher Baum sein - ohne dabei mit seinen Wurzeln Schäden anzurichten wie andere Bäume in der Innenstadt. 

Zwei Parkplätze müssen verschwinden

Weil auf dem Gelände der Förderschule An der Goethestraße nur eine kleinere Linde möglich gewesen wäre, fiel die Wahl schließlich auf den Parkplatz am Käferberg. Der habe gleich noch den Charme, dass die Verbindung auch im Namen besteht. Da nehme man auch in Kauf, dass der voraussichtliche Aufwand und die Kosten dort etwas größer ausfallen werden.

 Zwei Stellflächen auf dem Parkplatz werden für den Baum entfernt. Der Stadtrat hat dem Vorhaben bereits zugestimmt. Alle Fraktionen seien der Idee gegenüber schon von Anfang an aufgeschlossen gewesen, bestätigt Falk Dierchen. "Es gab immer wieder positives Feedback." 

Ein Wunder ist es nicht. Denn die Pflanzung will die Fraktion über Spenden finanzieren. "Der Grundgedanke war, das finanzneutral für die Stadt zu gestalten", erklärt Falk Dierchen. Er habe bereits als Erster etwas in den Topf gegeben, das Spendenkonto bei der Stadt sei mittlerweile eingerichtet.  "Die Verwaltung kann auch Spendenquittungen ausstellen", erklärt Dierchen. Das sei ihnen wichtig gewesen. 

Die Stadtverwaltung rechnet in ihrer Vorlage damit, dass die Pflanzung samt aller zu erledigenden Arbeiten etwa 6.250 Euro kosten wird. Falk Dierchen ist zuversichtlich, das noch etwas günstiger hinzubekommen. "Wir werden unsere Netzwerke aktivieren." Ein Schmied aus Riesa habe beispielsweise schon zugesagt, sich um eine Umzäunung für den Baum zu kümmern. 

Wann der Baum am Ende tatsächlich gepflanzt werden kann, da wollen sich auch die drei Stadträte nicht festlegen. Sie hoffen aber, dass noch Ende dieses Jahres etwas passiert. Geplant ist auch, eine Plakette vor dem Baum anzubringen - und damit auf die Historie hinzuweisen. 

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Spenden können unter dem Verwendungszweck "Käferlinde" auf das Konto der Stadt Riesa bei der Kreissparkasse Meißen überwiesen werden. IBAN: DE30 8505 5000 3033 0061 15. Bei Angabe der kompletten Adresse stellt die Stadt eine Spendenquittung aus. 

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