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Steigen jetzt die Mieten?

Weil die Stadt Bautzen im kommenden Jahr die Grundsteuer erhöht, müssen auch die großen Wohnungsgesellschaften mehr zahlen. Das hat Folgen.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Mehr als 20 Jahre lang war die Grundsteuer in Bautzen konstant. Jahr für Jahr zahlten Grundstücksbesitzer also genau dieselbe Summe. Doch das ändert sich jetzt. Die Mehrheit des Bautzener Stadtrates hat in der jüngsten Sitzung für eine Erhöhung der Steuer gestimmt. Ab dem kommenden Jahr müssen Eigentümer nun tiefer in die Tasche greifen. Um die vielen großen Investitionen der kommenden Jahre stemmen zu können, erhöht die Stadt die Grundsteuer für bebaute oder bebaubare Flächen um 10,5 Prozent. Eine Entscheidung, die nicht nur alle Hausbesitzer in der Stadt betrifft. Auch die großen Wohnungsgesellschaften in Bautzen zahlen ab dem kommenden Jahr mehr.

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Wie genau sich die Steuererhöhung auf die großen Vermieter in der Stadt auswirkt, weiß Falko Glück. Der Chef der Wohnungsgenossenschaft Aufbau hat die Zahlen vor sich liegen. Im Jahr 2016 zahlte er für seine Häuser eine Grundsteuer in Höhe von 98 000 an die Stadt Bautzen. Ab 2018 steigt dieser Betrag auf 108 000 Euro. Falko Glück muss also 10 000 Euro pro Jahr mehr zahlen. Das sind zusätzliche Kosten, die unterm Strich alle Mieter der 1 400 Aufbau-Wohnungen betreffen. Denn laut Mietvertrag kann Falko Glück die Grundsteuer als ein Bestandteil der Nebenkosten auf die Mieter umlegen. Das heißt für die Bewohner: Zwar steigt ihre Miete nicht, aber die Mietnebenkosten gehen nach oben. Doch hektisch werden, müssen die Mieter der WG Aufbau jetzt nicht. „Im Schnitt steigen durch die Anhebung der Grundsteuer die Nebenkosten für unsere Mieter um weniger als einen Euro im Monat“, sagt Falko Glück und erklärt, dass die Entwicklung der Nebenkosten nicht allein von der Grundsteuer abhängt.

Andere Faktoren, wie beispielsweise die Energiekosten, die Kosten für die Wasserversorgung, für Straßen- und Gebäudereinigung spielen eine viel größere Rolle. „Seit 2010 haben sich in Sachsen die kalten und warmen Betriebskosten im Schnitt deutlich erhöht“, erklärt der Chef der Wohnungsgenossenschaft. Wie die Entwicklung weitergeht, sei nur schwer einschätzbar. Falko Glück glaubt aber, dass die Nebenkosten nach oben gehen, weil vor allem die Energiepreise weiter steigen.

Damit sich das nicht zu stark auf die Mieter auswirkt, versucht die Genossenschaft mit ihren Dienstleistern zu verhandeln und die Kosten auf diese Weise gering zu halten. Diesen Weg geht man auch bei der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft. Geschäftsführerin Kirsten Schönherr hat sogar eine gute Nachricht für die Mieter der knapp 4 000 Wohnungen. Schon lange verhandeln sie und ihre Mitarbeiter mit jenen Dienstleistern, die für die Bewirtschaftung der Häuser zuständig sind. „Mit einem großen Unternehmen konnten wir Preissenkungen in einem Umfang vereinbaren, die diese Erhöhung der Grundsteuer wahrscheinlich überkompensieren“, sagt sie. Das heißt übersetzt: Im besten Fall werden die Mieter der BWB nicht merken, dass die Grundsteuer erhöht wurde.

Derzeit zahlt die BWB pro Jahr rund 300 000 Euro Grundsteuer an die Stadt und gibt diesen Betrag – genau wie die WG Aufbau – im Rahmen der Betriebskosten an die Mieter weiter. Die Steuererhöhung macht bei der BWB etwa 30 000 Euro aus. Wie sich das auf die Mieter auswirkt, erklärt Kirsten Schönherr an einem Beispiel. Für eine durchschnittlich 60 Quadratmeter große Wohnung fällt derzeit 75 Euro Grundsteuer im Jahr an. Mit der Erhöhung kommen rund 7,50 Euro pro Jahr hinzu.