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Steimle: Ihr sprecht gepflegtes Sächsisch

Der Kabarettist begeistert das Döbelner Publikum. Wir sprechen mit demKünstler.

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Herr Steimle, Ihre Auftritte als Herr Zieschong gemeinsam mit Ilse Bähnert sind legendär. Am Sonnabend haben Sie auch im Volkshaus beide ostalgische „Figuren“ aufleben lassen. Worin liegt Ihrer Ansicht nach der Reiz für das begeisterte Publikum?

Ich denke, die Leute finden sich in den Geschichten wieder, weil vieles davon ihr Leben war und ist. Hier erklärt ihnen keiner, wie sie gelebt wurden, sondern wie sie im Guten wie im Schlechten gelebt haben. Das Programm heißt nicht Ostalgie und ist auch nicht ostalgisch. Dazu wirft der Steimle mittlerweile viel zu viel Satirisches und Kritisches über die Segnungen der neuen Zeit ein.

Ihr sächsischer Dialekt ist eine Ihrer „Waffen“. Wie geht Ihr Publikum damit um – gab es auch schon Kritik?

Unser Dialekt ist nicht meine Waffe, eher meine Weltanschauung. Globalisierung birgt unter anderem Entwurzelung in sich. Mir hilft, sächsisch zu denken und zu fühlen, den Alltag zu bewältigen, gerne auch mal den tagtäglichen politischen Wahnsinn. An Kritik des Dialektes wegen, kann ich mich, obwohl ich landesweit gastiere, nicht erinnern.

Was sagen Sie zur Mundart der Döbelner?

Ihr habt schon ein gepflegtes Sächsisch. Obzwar mir die Einschätzung meines geschätzten Kollegen Jürgen Hart gut gefällt: Das Epizentrum des Sächsischen liegt irgendwo auf der Höhe Oschatz ...

Sie texten die Dialoge der Kultfiguren Bähnert und Zieschong für die MDR-TV-Serie „Ostalgie“ selbst. Widerspiegelt sich in den Dialogen und Anekdoten auch ein Stück Alltag von Ihnen?

Autoren verarbeiten immer ein Stück eigenen Alltag. Sonst kommt meist nur furchtbar gequirlter Mist raus. Die Ideen liegen auf der Straße. Man muss den Leuten nur zuhören und ihnen „aufs Maul“ schauen. Da gibt es viel für die Bühne zu entdecken. Was die Heiratsannoncen anbelangt, liegen Sie allerdings glatt daneben.

Es fragte: Andy Scharf.