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Stein auf Stein

Die desolaten Stützmauern in Rosenthal sollen saniert werden. Der erste Schritt dafür ist nun getan.

Von Jan Lange

Grenzsteine sucht man auf dem Grundstück von Klaus Petzold vergebens. Der Rosenthaler weiß selbst nicht ganz genau, wo sein eigener Besitz endet und wo kommunaler beginnt. Eines ist aber klar, er nutzte bisher Flächen, die ihm nicht gehörten. Damit soll schon bald Schluss sein. Denn die Grundstücksverhältnisse in Rosenthal werden grundlegend neu geordnet. Das erfolgt im Zuge einer Flurbereinigung. Am vergangenen Mittwoch wurden die Anwohner über das Verfahren informiert.

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Gegen das Vorhaben gab es in der Versammlung keinen sichtbaren Widerspruch. Die Flurbereinigung kann daher im Mai offiziell angeordnet werden, wie Heidi Hehl, Leiterin der Oberen Flurbereinigungsbehörde, erklärt. Jeder Anwohner kann immer noch gegen das Verfahren in Widerspruch gehen. Klaus Petzold wird davon keinen Gebrauch machen. Denn der Rentner ist zufrieden, dass etwas getan wird. Kurz nach der Wende wollte er schon mal die kommunalen Flächen kaufen. Die seinerzeit noch eigenständige Gemeinde Hirschfelde habe sein Ansinnen aber mit der Begründung abgewiesen, dass es erst wichtigere Dinge zu erledigen gebe.

Im Zuge der Flurbereinigung werden die Grundstücke neu vermessen. Dabei soll auch die Größe der Flächen ermittelt werden, die derzeit noch der Stadt gehören, die die Hauseigentümer aber gern erwerben wollen. Klaus Petzold schätzt, dass es sich in seinem Fall um etwa 60 Quadratmeter handelt. Die Stadt Zittau habe ihnen versprochen, die Flächen so günstig wie möglich anzubieten.

Diese Zusicherung wurde am Mittwoch nun mit Zahlen untermauert. Der Preis pro Quadratmeter wird zwischen zwei und neun Euro liegen – je nachdem ob es sich um Bau- oder Gartenland handelt. Statt verschiedene Höhen festzulegen, könnte laut Frau Hehl auch ein einheitlicher Preis für alle Flächen gebildet werden. Dieser muss aber zwingend zwischen zwei und neun Euro liegen. Erschwingliche Kosten, findet Klaus Petzold. Er will auf jeden Fall die Flächen kaufen und auch nicht lange um den Preis verhandeln. „Günstiger kann es nicht werden“, meint er. Und ist sich dabei mit vielen Nachbarn einig. Jeder Anwohner müsse natürlich für sich entscheiden, ob er die kommunalen Flächen kaufen will. Die meisten seien aber daran interessiert, weiß Petzold aus vielen Gesprächen.

In der Versammlung am Mittwoch gab es aber auch die Anfrage eines Bürgers, ob er zum Kauf gezwungen werden kann. Es könne niemand verpflichtet werden, Land zu kaufen, versicherte Frau Hehl. Die Flächen, für die sich kein Anwohner interessiert oder die ausschließlich öffentlich genutzt werden, verbleiben in städtischer Hand. Auch Klaus Petzold will nicht die komplette Fläche rund um sein Haus kaufen. Den Hang auf der Rückseite will er sich nicht aufhalsen. Früher habe er dort die Bäume und Äste immer weggemacht, doch gesundheitlich sei er dazu heute nicht mehr in der Lage. „Den muss die Stadt behalten“, sagt er mit Blick auf die steil abfallende Fläche und vertraut auf die Zusicherung der Behördenchefin.

Die Stadt will aber auch so viele Flächen wie möglich loswerden. Denn mit den Einnahmen soll die Sanierung der Stützmauern – zumindest teilweise – finanziert werden. Die Instandsetzung kostet knapp 4,1 Millionen Euro, die Stadt muss dabei mindestens eine Million, maximal aber 1,4 Millionen Euro selbst aufbringen.

Was an den einzelnen Stützmauern gemacht werden muss, darüber gibt es bislang nur ein grobes Konzept. „Wir wissen bisher, welche Mauern auf jeden Fall gemacht werden müssen und welche vielleicht durch Böschungen ersetzt werden können“, erklärt die Leiterin der Flurbereinigungsbehörde. Die Mauer, die Klaus Petzolds Grundstück von dem seines Nachbarn trennt, muss unbedingt gemacht werden. Der rutschende Berg hat hier viele Steine schon nach außen gedrückt. Zwar haben die Petzolds wie auch ihre Nachbarn immer mal wieder selbst Hand angelegt und kleine Reparaturen vorgenommen, doch die komplette Sanierung würde sie finanziell überfordern.

Familie Munkwitz hat bisher ebenfalls nur Notreparaturen an ihrer Stützmauer gemacht. Seit Anfang 2014 wohnen sie in Rosenthal und dass die Mauer so desolat ist, stellten sie erst nach dem Kauf des Grundstücks fest. „Das hat uns schlaflose Nächte beschert“, sagt Anja Nixdorf-Munkwitz. Im Zuge der geplanten Sanierung wird wahrscheinlich auch etwas an ihrer Mauer getan. Wobei es, räumt die junge Frau ein, noch viel problematischere Stellen als bei ihnen im Ort gibt. „Wir haben keine statischen Probleme“, sagt Frau Nixdorf-Munkwitz, die auch im Vorstand der Teilnehmergemeinschaft mitmachen würde. Die Gründung der Teilnehmergemeinschaft ist bei einer Flurbereinigung vorgeschrieben. Sie setzt sich aus den Grundstücks- und Gebäudeeigentümern zusammen.

Auch das Haus der Petzolds ist von Rutschungen nicht akut betroffen. Dennoch wäre das Rentnerehepaar froh, wenn die Stützmauer an der Grundstücksgrenze endlich in Ordnung gebracht ist. „Ich denke, wenn wir mit den Kosten der Sanierung so entlastet werden, sollten wir nicht lange diskutieren“, sagt Klaus Petzold.