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Dippoldiswalde

Steinbrückmühle steht Modell

Die in der Talsperre Lehnmühle versunkene Ortschaft  wird im Miniformat gebaut. Bastler Karl-Heinz Kiesslich ist aber auf Unterstützung angewiesen.

Karl-Heinz Kiesslich baut ein Modell des Ortskerns von Steinbrückmühle um 1925.
Karl-Heinz Kiesslich baut ein Modell des Ortskerns von Steinbrückmühle um 1925. © SZ/Ehrhartsmann

Allzu viel ist von dem Landschaftsmodell zwar noch nicht zu sehen, trotzdem steckt schon eine ganze Menge Arbeit in der quadratischen Platte, die Karl-Heinz Kiesslich vor sich auf dem Tisch hat. Der Hobby-Modellbauer, eigentlich erklärter Eisenbahn-Fan, hat sich vorgenommen, den historischen Ortskern von Steinbrückmühle um 1925 nachzubilden, so authentisch und detailgetreu wie möglich. „Aber ein Teil bleibt auch künstlerische Freiheit“, sagt der Hartmannsdorfer und lacht.

Als Vorlage dienen ihm Fotografien und Postkarten aus der damaligen Zeit. Schwierigkeit dabei ist, dass die Häuser oft nur aus einem Blickwinkel zu sehen sind – wie das Haus rundherum aussieht, lässt sich also nicht immer mit Bestimmtheit sagen. Deshalb ist Karl-Heinz Kiesslich noch auf Unterstützung angewiesen. Für ein möglichst detailgetreues Ergebnis sucht er nach Fotos und Geschichten über Steinbrückmühle. 

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Um etwa den Maßstab der Brücke zu berechnen, nimmt er Fotos aus dem Vorjahr zu Hilfe, mit Menschen als Vergleichsgröße.
Um etwa den Maßstab der Brücke zu berechnen, nimmt er Fotos aus dem Vorjahr zu Hilfe, mit Menschen als Vergleichsgröße. © Egbert Kamprath

„Jedes Foto bringt mich weiter“, erklärt der Hobby-Bastler. Das Modell entsteht im Maßstab von 1:160, dem gängigen Modellbaumaßstab. Das hat den Vorteil, dass Karl-Heinz Kiesslich Zubehörteile dazu kaufen kann. „Es gibt lasergeschnittene Bausätze für Schuppen, Wäsche auf der Leine oder Latten für Zäune.“ Trotz allem steckt viel Handarbeit in so einem Modell, gerade wenn es um die Häuser geht. Insgesamt elf Stück will der Hartmannsdorfer bauen, mit Nebengebäuden. Dazu verwendet er Zeichenkarton. Als Arbeitsgerät dient ihm ein chirurgisches Skalpell – eine sichere Hand und ein gutes Auge hat der Uhrmachermeister schon von Berufs wegen.

Sind die Fassaden dann erst einmal ausgeschnitten, werden sie mit Fachwerk beklebt. Holzstäbchen im Millimeterbereich müssen dafür gebeizt werden. Entsprechendes Material hat Karl-Heinz Kiesslich schon besorgt. Auch die Schiefereindeckung der Dächer liegt schon parat, in verschiedenen Farbstufen. Als formbare Grundlage für die Landschaft verwendet er Dämmplatten aus Styrodur.

Mit den Vorarbeiten begonnen hat der Modellbauer bereits im Januar. „Ich habe mir die Fotos ganz genau mit der Lupe angeschaut und dann alles maßstabsgetreu ausgerechnet.“ Ausgehend von einer festen Höhe der Fenster kann zum Beispiel eine ganze Fassade berechnet werden. Auch Menschen auf einem Bild geben Aufschluss, legt man eine durchschnittliche Körpergröße von 1,70 Meter zugrunde, erklärt Karl-Heinz Kiesslich. Haus für Haus hat er so ausgerechnet, ebenso die Steinbrücke.

 

 Für die Nachbildung der Häuser nutzt Karl-Heinz Kiesslich Bilder aus der damaligen Zeit, wie hier vom Wohnhaus Emil Hüblers.
 Für die Nachbildung der Häuser nutzt Karl-Heinz Kiesslich Bilder aus der damaligen Zeit, wie hier vom Wohnhaus Emil Hüblers. © Sammlung Rico Dittrich

Im Modellbau hat der Hartmannsdorfer jahrelange Erfahrung. Nach dem Spremberger Bootshaus, der Zaubererschule Hogwarts aus dem Film Harry Potter und einer Modelleisenbahnlandschaft ist Steinbrückmühle sein viertes Modell. Schätzungsweise 1500 Arbeitsstunden wird es verschlingen, bis es irgendwann fertig ist. Wann das soweit sein wird, darauf möchte er sich nicht festlegen: „Die Bauarbeiten gehen jetzt erst richtig los.“ Nächster Arbeitsschritt ist die Landschaft – genauer gesagt die Hanglagen, links und rechts der Steinbrücke über die Wilde Weißeritz.

Die Idee, den versunkenen Ort als Modell zu bauen, entstand vergangenes Jahr, als die Überreste vom Grunde der Talsperre Lehnmühle auftauchten. Wegen Hitze und Trockenheit hat sich das Staubecken der Trinkwassertalsperre, die im Verbund mit der Talsperre Klingenberg betrieben wird, geleert. Zum Vorschein kamen die Brücke, Straßenreste, Fundamente der Gebäude und das Mühlrad der Kreher-Schmiede. Das beeindruckte auch Karl-Heinz Kiesslich, der eigentlich als nächstes Projekt die Staumauer der Talsperre nachbauen wollte.

Kontakt Karl-Heinz Kiesslich

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