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Steine gehen auf große Fahrt

Idee. Geologie-Freunde wollen sich eine mobile Werkstatt bauen und damit Schulstunden auch im Gelände abhalten.

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Von Jörg Stock

Eine Gesteinssäge nebst Stromerzeuger hat nicht jeder im Kofferraum. Auch wird man selten ein Mikroskop darin finden, einen Tonbrennofen, einen Bohrstock oder eine üppige Mineralienkollektion. Das und noch viel mehr soll das erste „Geomobil“ der Republik an Bord haben. Bauen will es der Förderverein „Geologie im Tharandter Wald“. Nutzen soll es vor allem der Schuljugend und den Touristen.

Die Väter des Projekts sind Vereinschef Rolf Mögel, Diplom-Pädagoge aus Spechtshausen, und sein Vize Frank Haubrich, Mineraloge am Tharandter TU-Institut für Bodenkunde. Beide sind überzeugt, dass eine Vertiefung der Naturwissenschaften in sächsischen Schulen ansteht. „Allerdings stoßen die Lehrer da an Grenzen“, sagt Mögel. Wissen über Geologie kann fächerübergreifend nützen, sagt er. Und für die praxisnahe Vermittlung soll das „Geomobil“ sorgen.

Vorbild Umweltmobil

Das Auto ist eine Mischung aus Werkzeugkiste, Labor, Studierzimmer und Hörsaal und folgt damit dem Vorbild der sächsischen Umweltmobile. Wie dort so gilt auch hier das Selbermachen und Ausprobieren als oberstes Prinzip. Frank Haubrich kennt das von seinen Studenten. „Was man selbst anfasst und selbst erlebt, das bleibt am ehesten haften.“

Eine ideale Einsatzmöglichkeit bietet zum Beispiel der Geo-Unterricht. Dabei soll der Lehrer seine Klasse in das Thema einführen. Anschließend rollt das „Geomobil“ auf den Schulhof, und der Stoff wird am authentischen Objekt behandelt. Die Schüler sollen an verschiedenen Stationen arbeiten, mittels Säge das Innenleben von Gesteinen erkunden, kleinste Strukturen unterm Mikroskop entdecken und sich mit Fachliteratur das theoretische Wissen einverleiben.

Statt Steine in die Klasse zu bringen, kann das „Geomobil“ aber auch die Klasse am Steinbruch betreuen. Die Schüler können sich mit Brecheisen, Schaufeln und Sieben selbst ihre Forschungsgegenstände suchen. Der Strom für Steinsäge und Co. kommt dann aus dem Aggregat. Selbst Filme gucken ist im Gelände kein Problem.

Sponsoren dringend gesucht

Die fahrende Gesteinswerkstatt soll vor allem an Schulen in Sachsen unterwegs sein. Rolf Mögel geht von den mehr als 1 700 Bildungseinrichtungen im Freistaat aus und glaubt fest an die Auslastung des Mobils. Außerdem soll das Auto auch im Tourismus genutzt werden, soll an Museen und Lehrpfaden stehen, an Schaubergwerken, Burgen und Schlössern oder auf Weihnachtsmärkten.

Offen ist die Finanzierung des Traums, der rund 147 000 Euro kosten würde. Zwar gab es für die Machbarkeitsstudie Geld von der EU-Initiative „Leader plus“. Doch eine weitere Unterstützung hält die hiesige Leader-Managerin Brigitte Dörfelt – zumindest bis Mitte 2008 – für unmöglich. Sie rät, auf die Suche nach Sponsoren zu gehen, bei Stiftungen und Unternehmern für das Projekt zu werben. Sie wolle dabei behilflich sein.

Diesbezüglich hat sich der Verein bereits umgetan, Rolf Mögel spricht von Zusagen verschiedener Partner. Wie es nun mit dem „Geomobil“ weitergeht? Auf jeden Fall vorwärts, sagt der Vereinschef. „Ob nun mit oder ohne Fördergeld.“