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Steine, Nahtoderfahrung und Faszination

Als Publikums- und Sammlermagnet erwies sich die 15. Lausitzer Mineralienbörse in der Energiefabrik.

Michael Hurtig (links) und Hubert Wagner sind steinreich und können nicht nur auf zahlreiche Mineralien, sondern auch auf viele Erlebnisse bei ihrem gemeinsamen Hobby zurückschauen.
Michael Hurtig (links) und Hubert Wagner sind steinreich und können nicht nur auf zahlreiche Mineralien, sondern auch auf viele Erlebnisse bei ihrem gemeinsamen Hobby zurückschauen. © Foto: Silke Richter

Knappenrode.  Es sind doch nur Steine! Totes Material, dass überall an den Straßenrändern, am Strand oder auf Grünanlagen zu finden ist und mit dem nicht unbedingt viel anzufangen ist. Was soll da schon Besonderes daran sein? So dachte Bernhard Krüger noch vor einiger Zeit. Bis der Hoyerswerdaer durch Zufall an einem interessanten Artikel zum Thema Achate förmlich hängenblieb und sich von dem Text nicht mehr losreißen konnte. Die Mineralien mit den streifenförmigen Ablagerungen faszinierten ihn plötzlich. Er wollte mehr wissen, seine Neugierde war geweckt. Und so schaut der Senior bei seinen Spaziergängen jetzt etwas genauer auf die Erde.

„Das sorgte bei meiner Ehefrau anfangs für leichten Unmut, weil wir jetzt sehr viel länger unterwegs sind“, meint der 60-Jährige mit einem Schmunzeln. Mittlerweile sei es jedoch so, dass das Ehepaar gemeinsam zu Mineralienbörsen fahre und seine Ehefrau jetzt auch des Öfteren nach Steinen in der Natur greife.

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Wer sich die Zeit nimmt, kann am Samstag in der Energiefabrik viele weitere Erzählungen ähnlicher Art hören. Von Profis, Laien oder einfach nur Interessierten.

Die 15. Lausitzer Mineralienbörse ist die größte ihrer Art in der Region, wurde von der Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie (VFMG) Bezirksgruppe Ostsachsen organisiert und zieht Gäste, Händler und Sammler aus mehreren Ländern nach Knappenrode. Deutsche, Polen und Tschechen fachsimpeln über Minerale, berichten über ihre Erlebnisse beim Sammeln ihrer Schätze und tauschen Erfahrungen über (geheime) und nicht geheime Fundorte aus, schauen, kaufen und staunen. Neben gewollter „Goldwäsche“ bestand auch die Möglichkeit, unter fachkundlicher Leitung Steine zu schneiden und schleifen zu lassen. Ergänzend dazu konnte die Mineralienausstellung „Schätze der Erde“ besichtigt werden, bei der Fundstücke aus dem Lausitzer Kohlerevier und näherer Region zu sehen sind.

Unter den Mineralienprofis waren am Samstag auch Michael Hurtig und Hubert Wagner. Beide Männer verbindet nicht nur das Hobby Mineralogie, sondern auch eine lange, feste Freundschaft, die bereits in Kindertagen ihren Anfang nahm. So wie faviele andere Jungen in dem Alter sammelten die beiden Freunde beim Spielen Steine. Aus Spaß. Doch irgendwann reichte ihnen das nicht mehr. Sie wollten mehr über Minerale erfahren und begannen, intensiver zu forschen und zu sammeln. Der Drang nach seltenen Exemplaren hätte den beiden Jugendlichen im Alter von 14 Jahren fast das Leben gekostet. In einem Tagebau suchten Michael Hurtig und Hubert Wagner an Sandhängen nach Bernstein.

Dafür muss man graben. Viel graben. Und tief. Dabei vergaßen die Jungen nicht nur Raum und Zeit, sondern auch das Gefühl von Sicherheit. Durch die tiefen Löcher rutschte der Sand oben nach und die Jungen waren von einer Sekunde auf die nächste im Sand verschüttet. „Ich habe in diesem Moment mein Leben an mir vorbeigehen sehen und dachte, ich müsse sterben. Eigenartigerweise war ich völlig entspannt“, meint Hubert Wagner, der sich mit seinem Freund Michael von selbst befreien konnte und seitdem sehr viel mehr Vorsicht beim Suchen von Mineralien walten lässt.

Schon damals hatte sich Michael Hurtig für Moldavite interessiert, jedoch nie welche finden können. Als er ein Mineralogie-Studium begann, wuchs auch wieder das Interesse an diesen natürlichen Gesteinsgläsern, die vor mehreren Millionen von Jahren durch einen Asteroideneinschlag entstanden und heute auch in der Region zu finden sind. Vorausgesetzt, man weiß wo und wie…

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