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Werden Ortsteile von Busnetz abgekoppelt?

Der neue Fahrplan soll viele Veränderungen wie die Umbenennung der Zittauer Stadtlinien A, B, C in 1, 2, 3 bringen. Gegen einige wehrt sich die Stadt.

Auch mit diesen neuen Bussen fährt die KVG in und um Zittau. Sie soll bald nach einem neuen Fahrplan fahren. Der wird vom Kreis erstellt und sorgt für Ärger.
Auch mit diesen neuen Bussen fährt die KVG in und um Zittau. Sie soll bald nach einem neuen Fahrplan fahren. Der wird vom Kreis erstellt und sorgt für Ärger. © Matthias Weber (Archiv)

Nach dem Ärger in den Gebirgsgemeinden über den Entwurf des neuen Fahrplans für Busse und Bahnen des Landkreises wird auch in Zittau Unmut laut. Die Stadtverwaltung hat eine Stellungnahme mit zum Teil deutlicher Kritik und Änderungsvorschlägen erarbeitet und am Donnerstagabend vom Stadtrat absegnen lassen, um ihr mehr Gewicht zu verleihen. Zwar wurde während der Sitzung mehrfach betont, dass man anerkenne, welche Mammutaufgabe das Landratsamt mit der Anpassung der Fahrpläne auf den Eisenbahn-Nullknoten "Zittauer Bahnhof" geleistet hat und dass die neuen Pläne in weiten Teilen funktionieren. Aber mit einer ganzen Reihe Details kann die Stadt nicht leben. 

Das sind die Eckpunkte der Stellungnahme: 

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Keine Fahrten am Wochenende nach Hartau und Eichgraben

"Der Entwurf des Landratsamtes sieht eine massive Ausdünnung des Busverkehrs für den Stadtteil Zittau-Süd sowie die südlich unmittelbar anschließenden Wohnstandorte Hartau und Eichgraben vor", bemängelt die Stadt in ihrer Stellungnahme. Bisher werden die beiden Ortsteile und die Haltestellen im südlichen Zittau-Süd regelmäßig vom Stadtbus angefahren. Nach Vorstellungen des Landratsamtes soll es für sie eine eigene Buslinie 17 geben, die in der Woche seltener als die Stadtbusse fahren, aber in der Innenstadt parallel mit den Stadtbussen unterwegs sind und am Wochenende gar nicht rollen. Der Kreis begründet das damit, dass die Orte nicht zur kompakten Stadt gehören und entsprechend keinen Anspruch auf denselben Takt hätten. 

"Zu dieser zählen Hartau und Eichgraben zwar nicht mehr, jedoch werden sie durch ihre Nähe zur Kernstadt (lediglich ein Kilometer) und ihre bisherige enge Busanbindung von der Bevölkerung ganz anders wahrgenommen als Orte, die zehn oder 20 Kilometer von der Kernstadt entfernt liegen", heißt es in der Stellungnahme der Stadt. "Die gute Busanbindung hat bei der Ausweisung von Wohngebieten in beiden Ortsteilen und selbstverständlich auch bei der Entscheidung junger Familien für diese Wohnstandorte eine wesentliche Rolle gespielt."

Um das Problem zu lösen, schlägt die Stadt umfangreiche Änderungen bei den Stadtbuslinien vor. Sie hat dafür mit ihren Fachleuten intensiv gerechnet und geplant. Basis ist der Wegfall der Linie 17. Damit würden 55 Busstunden und ausreichend Fahrtkilometer frei, um Zittau-Süd, Hartau und Eichgraben wieder ins Stadtnetz einzubinden. Unter dem Strich entsteht kein Mehraufwand, sondern sogar eine Einsparung. Allerdings müsste die KVG dann wieder mehr Personal an Wochenenden einsetzen, womit sie ein Problem hat. Man könne aber den Öffentlichen Nahverkehr nicht von den Befindlichkeiten eines Busunternehmens abhängig machen, hieß es dazu.

Geplant ist auch, mit dem Fahrplanwechsel die jahrzehntealte Kennzeichnung der Stadtbuslinien mit Buchstaben in Zahlen umzuwandeln.

Das ist der aktuell gültige Netzplan für den Stadtverkehr Zittau.
Das ist der aktuell gültige Netzplan für den Stadtverkehr Zittau. © Quelle: Zvon
Das ist der Vorschlag des Landkreises für den künftigen Netzplan des Zittauer Stadtverkehrs.
Das ist der Vorschlag des Landkreises für den künftigen Netzplan des Zittauer Stadtverkehrs. © Quelle: Landkreis
Das ist der Vorschlag der Stadt für den künftigen Netzplan des Zittauer Stadtverkehrs.
Das ist der Vorschlag der Stadt für den künftigen Netzplan des Zittauer Stadtverkehrs. © Quelle: Stadt Zittau

Rosenthal soll komplett abgekoppelt werden

In der Hirschfelder Ortslage Rosenthal soll nach Vorstellungen des Kreises künftig gar kein Bus mehr halten. Die Rosenthaler sollen zur Bushaltestelle an der B99 in Hirschfelde laufen. "Außer der Entfernung spielt hier vor allem auch der sehr steile Berg eine Rolle, der insbesondere für ältere Menschen und Familien mit Kleinkindern eine enorme Hürde darstellt", heißt es in der Stellungnahme. "Rosenthal ist deshalb durch Linie 12 (Zittau-Hagenwerder) oder 13 (Zittau-Wittgendorf-Schlegel-Hirschfelde) zumindest von drei Fahrtenpaaren pro Tag anzufahren, was jeweils lediglich vier Minuten mehr Fahrtzeit beziehungsweise 2,1 Kilometer zusätzliche Strecke bedeutet." Bisher fuhren die Busse laut Matthias Matthey an Schultagen sieben Mal in Richtung Hirschfelde und fünf Mal in Richtung Bernstadt, an Ferientagen vier Mal pro Richtung. 

Nord-Ortsteile weiterhin ohne Wochenend-Anbindung

Zittau fordert vom Kreis, dass endlich auch die nördlichen Ortsteile am Wochenende und Feiertagen wieder eine Busanbindung bekommen. "Dies gehört zwingend zur Schaffung gleichwertiger Lebensbedingungen", heißt es in der Stellungnahme. Als Mindestversorgung sieht das Rathaus einen Zwei-Stunden-Takt an, der auch als Ringlinie Hirschfelde-Wittgendorf-Schlegel-Dittelsdorf-Hirschfelde gefahren werden könnte. Dadurch würde eine Fahrtrichtung eingespart. Um den Mehraufwand zu finanzieren, könnten in dieser Zeit die Busse zwischen Hirschfelde und Zittau wegfallen, weil auf dieser Strecke ohnehin der Zug fährt. "Dieses Wochenend- und Feiertagsangebot wäre auch als Rufbus vorstellbar, wodurch sich die tatsächlich gefahrenen Kilometer erfahrungsgemäß nochmals deutlich reduzieren könnten", so die Stadtverwaltung.

Spätbusse in der Stadt nicht vorgesehen

Unzufrieden ist die Stadt zudem damit, dass abends zu wenige Busse fahren. "Wir erachten eine Verbesserung als erforderlich, um Menschen, die auf den Bus angewiesen sind -  das betrifft insbesondere Jugendliche und Senioren - die Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben auch in den Abendstunden zu ermöglichen", schreibt die Verwaltung an den Kreis. Sie möchte, dass in der Woche abends mindestens auf zwei und am Wochenende auf allen drei Stadtbuslinien eine zusätzliche Fahrt angeboten wird. Auch diese Wünsche wären mit dem Wegfall der Linie 17 gegenfinanziert. 

Schlechtere Verbindungen ins Gebirge

Darüber hinaus mahnt die Stadt noch eine ganze Reihe weiterer Nachbesserungen an. So solidarisiert sie sich mit den Gebirgsgemeinden und fordert bessere Verbindungen nach Lückendorf, Oybin und Jonsdorf. Je einen PlusBus wünscht sie sich ins Lausitzer Gebirge auf tschechischer Seite und nach Bogatynia (Reichenbau/Polen). " Da von der ÖPNV-Strategiekommission gleich 2 PlusBus-Linien im Norden des Landkreises Görlitz in die polnische Stadt Żary angeregt werden, sind auch im Süden derartige Überlegungen gerechtfertigt", heißt es in der Stellungnahme. Bei der bereits geplanten einfachen Buslinie nach Bogatynia soll der Kreis auf gute Anbindungen an die Zittauer Stadtbusse sowie auf Unterwegshalte an Einkaufsmärkten und touristischen Zielen wie dem Tierpark achten.

Bei der anstehenden Abstimmung mit den Schulen über den neuen Fahrplan soll der Kreis auf die Wünsche von Schülern, Eltern, Lehrern und Schulträgern eingehen. Neben dem Beginn und Ende des Unterrichts soll er unter anderem Pausen-, Essenszeiten, Ganztagsangebote und die Freizeit der Kinder im Auge behalten. Zittau macht auch darauf aufmerksam, dass mehr Platz für Räder in den Bussen und Bahnen geschaffen werden muss. So reisen zum Beispiel Touristen, die auf dem auch in den touristischen Konzepten des Kreises als wichtig eingestuften Oder-Neiße-Radweg fahren wollen, oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln an.

Wegen des Ärgers über die Pläne hat es bereits erste Nachverhandlungen gegeben. Zudem wurde die Einführung des neuen Fahrplans vom Beginn des neuen Schuljahres auf den 1. Januar verschoben.

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