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Stephan E. widerruft überraschend sein Geständnis

Der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke zieht seine Aussage zurück. Vertreten wird er von Frank Hannig, bekannt als "Pegida-Anwalt" von Dresden.

Stephan E., Tatverdächtiger im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, wird nach einem Haftprüfungstermin beim Bundesgerichtshof (BGH) zu einem Hubschrauber gebracht.
Stephan E., Tatverdächtiger im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, wird nach einem Haftprüfungstermin beim Bundesgerichtshof (BGH) zu einem Hubschrauber gebracht. © Uli Deck/dpa

Karlsruhe. Vor dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs wollte Stephan E. sein Geständnis nicht wiederholen, im Gegenteil: Nach Information des SWR hat er seine Angaben zur Tötung von Walter Lübcke ausdrücklich widerrufen und schwieg ansonsten.

Begleitet wurde Stephan E. dabei von seinem neuen Dresdner Anwalt Frank Hannig (49). Dieser bestätigte gegenüber der „Bild“-Zeitung den Widerruf des Geständnisses und die Übernahme des Mandats: „Auf Antrag meines Mandanten hat es einen Verteidigerwechsel gegeben. Ich wurde als Pflichtverteidiger durch den BGH beigeordnet.“ 

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Dem SWR zufolge, der sich auf Ermittlungskreise berief, ist der Widerruf eher taktischer Natur. Das ursprüngliche Geständnis des 45-Jährigen sei so detailreich gewesen, "dass durch den Widerruf keine Auswirkungen auf die weiteren Ermittlungen zu erwarten seien".

Die Bundeswaltschaft hatte erst am Morgen einen Haftbefehl gegen E. bei den Ermittlern des Bundesgerichtshofs (BGH) erwirkt. Bei der Anhörung soll er dann sein Geständnis widerrufen haben. E. soll Anfang Juni den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erschossen haben und hatte dies Ende Juni auch eingeräumt.

Frank Hannig ist seit Kurzem der Anwalt vom Tatverdächtigen Stephan E. 
Frank Hannig ist seit Kurzem der Anwalt vom Tatverdächtigen Stephan E.  © Sebastian Kahnert/dpa (Archiv)

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Rechtsanwalt Frank Hannig leitete einst die Gründungsversammlung des Pegida-Vereins und beriet eine Zeit lang den Förderverein. Er wird in den sozialen Netzwerken deshalb als "Pegida-Anwalt" bezeichnet. Im Oktober 2015 vertrat er eine Elterninitiative, die gegen eine Flüchtlingsunterkunft im Dresdner Stadtteil Prohlis protestierte. Die Notunterkunft könne die Sicherheit der Schulkinder gefährden, teilte er damals mit. Inzwischen aber, versichert Hannig, habe er sich von Pegida losgesagt und das Mandat für den Förderverein niedergelegt. Bei der Kommunalwahl Ende Mai trat Hannig für die Freien Wähler in Dresden im Wahlkreis 11 an. Er erhielt 1.518 Stimmen und sitzt damit künftig im neuen Stadtrat. (SZ/Tsp/dpa)

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