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Sterben ist in Elstra teurer als anderswo

Der letzte Gang kostet einiges. Die Elstraer müssen für ihn besonders tief in die Tasche greifen. Dort ist die sanfte Ruhe im Einzel, Doppel- oder Urnengrab seit anderthalb Jahren doppelt so teuer als vorher.

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Von Manuela Reuß

Der letzte Gang kostet einiges. Die Elstraer müssen für ihn besonders tief in die Tasche greifen. Dort ist die sanfte Ruhe im Einzel, Doppel- oder Urnengrab seit anderthalb Jahren doppelt so teuer als vorher. Und teurer als in vielen umliegenden Orten. Darüber ärgern sich viele Elstraer. Christian Hartmann ist einer von ihnen.

Für ein Doppelgrab muss auf dem Elstraer Friedhof seit Mai 2009 eine Nutzungsgebühr von 2110 Euro entrichtet werden. Vorher waren es 1176Euro. Die Einzelstelle kostet 1055Euro (vorher 588 Euro) - genauso wie das Urnengrab. Dazu wird eine Friedhofsunterhaltungsgebühr von jährlich 15 Euro je Grabstelle fällig.

Preisunterschiede gibt’s überall

Diese Preise sind bei weitem nicht überall ähnlich. Gebührenunterschiede zwischen den Städten und Gemeinden sind keine Ausnahme. Häufig lohnt schon der Blick zum Friedhof umliegender Gemeinden.

Auf dem kirchlichen Friedhof in Kamenz beträgt die Nutzungsgebühr für ein Doppelgrab 866 Euro. In Königsbrück und Röhrsdorf zahlt man für ein Einzel- und ein Urnengrab 300 Euro, fürs Doppelgrab 600Euro (Liegezeit 20Jahre). Die Unterhaltungsgebühr beträgt in Königsbrück 25 Euro im Jahr, in Röhrsdorf 20 Euro.

Das Geschäft mit dem Tod ist eine sichere Sache. Gestorben wird schließlich immer, behaupten lästerhaft Zungen. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht, weiß Pfarrer Friedrich Prüfer. Oft würden Kirche und Friedhof in einen Topf geworfen. Werden Gebühren erhöht, hieße es gleich, die Kirche bräuchte Geld. Doch Kirche und Friedhof haben getrennte Haushalte. Der Friedhof sei verpflichtet kostendeckend zu wirtschaften.

Bei den Friedhofsgebühren orientiere man sich nicht an den Nachbargemeinden. „Sie werden genau kalkuliert“, erklärt Elstras Pfarrer Friedrich Prüfer. „Ich vermute, einer der Faktoren ist, dass wir einen sehr großen Friedhof mit vielen freien Flächen haben.“ Was in die Kalkulation alles hineinspiele, darüber könne die Verwaltungsmitarbeiterin Ruth Schulze genauer informieren. Sie habe an ihr mitgearbeitet. Auch Barbara Preiß im Regionalkirchenamt könne zur Kalkulation der Friedhofsgebühren Auskunft geben. Doch die Mitarbeiterin sei krank, ist im Kirchenamt zu erfahren und ihr Vertreter ebenfalls zwei Tage nicht da.

„In die Kalkulation fließen die Personalkosten, der gesamte Friedhofsbestand also die Menge der belegten Grabstellen, Bäume, Freiflächen, Friedhofsmauer, Hecken, Tore, Wasserleitungen, Feierhalle und alle weiteren Sachkosten ein erklärt Ruth Schulze. Das Landeskirchenamt, als übergeordnete Stelle, prüfe und genehmige die von der Kirchgemeinde eingereichte Kalkulation. Erst danach werden die errechneten Gebühren gültig. „Übrigens ist dies seit 1994 die erste Anpassung der Gebühren für die Friedhöfe der Kirchgemeinde Elstra-Prietitz an die stetig gestiegenen Kosten.“

Auf dem städtischen Friedhof in Laußnitz wurde vor gut drei Jahren die Trauerhalle umfassend saniert. Dennoch liegen die Nutzungsgebühren weit unter denen von Elstra. Für ein Einzelgrab muss man dort 205Euro berappen, für ein doppeltes 410Euro. Urnengräber schlagen mit 169 Euro zu Buche. Auch die jährlichen Friedhofsunterhaltungsgebühren fallen mit 12,80 bzw. 25,60Euro nicht aus dem Rahmen. Auf dem städtischen Friedhof Bischofswerda werden bei 20 Jahren Liegezeit 360 Euro für ein Einzel- und 720 Euro für ein Doppelgrab verlangt. Obwohl auch Bischofswerda eine Trauerhalle betreibt und unterhalten muss. 16Euro Friedhofunterhaltungsgebühr werden je Grab fällig.

Was hingegen nahezu überall auf den Friedhöfen gleichermaßen zu verzeichnen ist: Die Nachfrage nach kostengünstigen, pflegeleichten Grabstätten steigt stetig. Allerdings wird die allgemeine Unterhaltung der Gesamtanlagen dadurch nicht kostengünstiger.