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Sterbende begleiten ist ein Geschenk

Der Hospizdienst der Bautzener Diakonie hat eine neue Leiterin. Sie startet mit einer Herausforderung in den Job.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Bautzen. Brücken sind immer Übergänge, finden Petra Schön und Renate Diener. Deshalb gefällt ihnen das Motiv im Garten der Diakonie an der Liebknechtstraße in Bautzen. Petra Schön übernimmt ab Mai die Leitung des Hospizdienstes von Renate Diener, die in den Ruhestand geht. Beide freuen sich auf die Zukunft. Petra Schön, weil sie ihre neue Aufgabe spannend findet. Renate Diener, weil sie sagt, dass sie viel zu oft Menschen begleitet hat, die sogar jünger als sie waren, als sie starben. „Ich glaube, jetzt, mit 63, ist das ein guter Zeitpunkt für mich, aufzuhören“, sagt sie.

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Doch ganz aufhören wird Renate Diener sicher nicht. „Vielleicht werde ich bei der Hospizgruppe in Weißenberg als Ehrenamtliche arbeiten“, sagt sie. Schließlich lebt sie mit ihrem Mann in Spittel, einem Ortsteil von Weißenberg. Für die Zukunft freut sie sich auf mehr Zeit im Garten. Sie will Rad fahren und ihre Söhne besuchen. Die leben in Österreich und in Frankenberg. Letzteres ist der Ort, wo Renate Diener eigentlich herkommt. „Auch zum Lesen bin ich sonst nur im Urlaub gekommen“, sagt die freundliche Frau. Aber auch Kontakte zu den Nachbarn in Kittlitz und Nostitz will sie nun intensiver pflegen.

Lange mit Vorurteilen gekämpft

Auch auf die Zeit für den Kirchenchor freut sich die Christin, die 2002 nach Bautzen kam. Da hatte die damalige Pfarrfrau Gabriele Pappai begonnen, den Hospizdienst aufzubauen. „Schritt für Schritt sind wir vorangekommen, mussten lange Zeit mit Vorurteilen kämpfen“, sagt Renate Diener. Über’s Sterben spricht man nicht, haben ihr damals viele Leute gesagt. Mittlerweile arbeiten fünf hauptamtliche und rund 80 ehrenamtliche Mitarbeiter beim Hospizdienst, es gibt eine Außenstelle in Bischofswerda. „Ich empfinde eine große Dankbarkeit, wenn ich an die vergangenen Jahre denke“, sagt Renate Diener. Und sie sagt auch, dass es ein Geschenk sei, Menschen auf ihrem schweren Weg begleiten zu dürfen. „Dabei kann jeder auch für das eigene Leben viel mitnehmen“, sagt sie.

Das sieht Petra Schön mittlerweile auch so. Von 1983 bis 2007 hat sie als Krankenschwester auf der Intensivstation des Krankenhauses gearbeitet. Die Bautzenerin bildete sich weiter, wurde Fachschwester und später Praxisanleiterin. Zehn Jahre hat sie Schüler begleitet.

„Aber ich hatte das Gefühl, da muss es noch einmal etwas anderes geben“, sagt die 53-Jährige. Also nahm sie ein berufsbegleitendes Studium in Mittweida auf. Das konzentrierte sich auf soziale Arbeit und Sozialpädagogik. Da sie bereits seit 2008 ehrenamtlich beim Hospizdienst tätig war, wusste sie vom Vorhaben Renate Dieners, in den Ruhestand zu gehen. „Während meines Studiums hatte ich das Gefühl, dass der Hospizdienst genau die richtige Aufgabe für mich ist“, sagt Petra Schön. „Die Bedenken, ob es nicht schwierig wird, wenn ich jeden Tag mit dem Thema Sterben zu tun habe, habe ich schnell beiseiteschieben können“, sagt sie.

Im Gegenteil, durch ihre ehrenamtliche Arbeit hat sie gemerkt, wie viel Dankbarkeit von den Menschen kommt, die sie begleiten durfte. Das gebe dem eigenen Leben auch viel Positives, Kraft und Energie. Auch sie empfindet es als Geschenk, wenn andere Menschen sie in ihr Leben lassen und die Angebote des Hospizdienstes als Hilfe ansehen. Mittlerweile könne man offener über das Thema sprechen, auch und vor allem mit den Angehörigen. „Man kann sich noch so gut auf das Thema Sterben vorbereiten – es kommt immer plötzlich. Und wenn dann einer da ist, der mit dem emotionalen Abstand Ratschläge gibt, dann hat das oft geholfen“, sagt Petra Schön. Und dennoch heißt das nicht, dass die Mitarbeiter nicht auch betroffen sind. Das könne man im Team verarbeiten. Und sie sagt, dass sie, seit sie sich mit dem Thema beschäftige, selbst intensiver lebe.

Neue Aufgaben, viele Vorhaben

Petra Schön, verheiratet, Mutter zweier erwachsener Söhne und Oma einer fünfjährigen Enkeltochter, freut sich auf die Arbeit im Team. „Ich will aber nicht nur am Schreibtisch sitzen“, sagt Petra Schön. Es gibt schließlich viele Vorhaben, die auf sie zukommen. So wird der Hospizdienst im Sommer in ein eigenes Haus gegenüber vom Martha-Stift auf der Liebknechtstraße ziehen. Die beiden Frauen freuen sich auch über den Entschluss der Gesellschaft Christliches Hospiz Ostsachsen, ein zweites stationäres Hospiz, und das in Bischofswerda, zu bauen. Das Herrnhuter Haus hat einen sehr guten Ruf, doch es reicht nicht aus für die gesamte Region Ostsachsen. „Da kommen auch neue Aufgaben auf uns zu, weil wir in unserem Einzugsgebiet für die Betreuung und Begleitung zuständig sind“, sagt Petra Schön. Somit werden wieder neue Ehrenamtliche gesucht. „Es ist gut, dass die Zusammenarbeit im Hospizdienst Ostsachsen hervorragend funktioniert“, sagt Renate Diener.

Doch es bleiben auch ein paar Probleme. So muss jedes Jahr um Förderung für die Trauerarbeit gekämpft werden. „Wir haben zwar zum Glück für 2018 von der Stadt Bautzen und vom Landkreis Geld erhalten, aber das müssen wir jedes Jahr aufs Neue beantragen“, sagt Renate Diener. Petra Schön will versuchen, auf der Intensivstation des Krankenhauses die Hospizarbeit bekannter zu machen, um das Pflegepersonal zu entlasten.