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Sternplatz-Umgestaltung ärgert Anwohner

Das Areal in der Nähe des Dresdner Zentrums soll zur neuen grünen Mitte umgebaut werden. Mieter sind von dem Projekt alles andere als begeistert.

Anwohner Bernd Vater und seine Frau blicken mit Sorge auf den Park am Sternplatz. Sie befürchten Lärm und Müll durch den geplanten Grillplatz.
Anwohner Bernd Vater und seine Frau blicken mit Sorge auf den Park am Sternplatz. Sie befürchten Lärm und Müll durch den geplanten Grillplatz. © Marion Doering

Der Bauzaun steht, der Boden ist bereits aufgerissen. Wo vor Wochen noch eine grüne Wiese war, wird nun geackert. Der Sternplatz in Zentrumsnähe wird umgebaut. So hat es die Stadt bereits 2017 beschlossen. Doch nicht alle sind begeistert. Von ihren Balkons aus beobachten einige Anwohner die Arbeiten skeptisch.

Zum Beispiel Bernd Vater. Er wohnt seit vielen Jahren in der Josephinenstraße und ist einer, der Einspruch gegen die Umgestaltung erhebt. Rund 100 Unterschriften von Mietern haben er und seine Frau inzwischen gesammelt, die sie der Stadt übergeben wollen. Die Gründe ihrer Bedenken sind vielfältig.

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Das Areal vor dem denkmalgeschützten Gebäude der AOK Ortskrankenkasse soll zur „neuen grünen Mitte“ aufgewertet werden. Laut Stadt werden Liegeflächen entstehen, Tischtennisplatten, ein Kicker sowie ein öffentlicher Grillplatz. Gerade die Grillstelle sorgt jedoch für Debatten in den Wohnblöcken der Sächsischen Wohnungsgenossenschaft und Vonovia.

„Da, wo jetzt noch das alte Gebäude der Herkuleskeule steht, soll ein Mehrgeschosser entstehen. Wenn die Lücke zugebaut wird, ist klar, dass wir große Probleme mit dem Schall bekommen“, sagt Peter Brandt, ebenfalls langjähriger Mieter. Schon jetzt sei durch die dichte Bebauung teils jedes Wort auf der Straße zu verstehen. Lärm – das ist eine Sorge, die die Anwohner haben. „Alle Schlafzimmer gehen nach vorn raus, manche arbeiten in Schichten. Da ist ein ruhiges Umfeld wichtig“, sagt ein junger Mann, der an der Uniklinik tätig ist.

Ein öffentlicher Grillplatz würde dazu einladen, im Sommer von früh bis spät zu grillen. „Auch Jugendliche, die dann Alkohol dazu trinken. Wer wird kontrollieren, dass 22 Uhr Ruhe ist? Wer achtet darauf, dass nicht alles vermüllt wird und die Grillkohle richtig entsorgt wird, sodass nichts anbrennt?“, fragt eine Mutter, die ihren Namen nicht nennen will. An den Elbwiesen sei der Müll schon nicht in den Griff zu bekommen. „Wie soll das hier klappen?“

Die Anwohner betonen, nicht generell gegen den Umbau zu sein. Nur hätten sie andere Wünsche. „Warum wurde die Fläche nicht genutzt, um ein Modellprojekt für einen insektenfreundlichen Stadtteil zu schaffen – etwa als bienenfreundliches Biotop“, so Bernd Vater. „In Dresden wird jede Freifläche verdichtet, viele sehnen sich nach Grün und einem Ort zum Entspannen. Wir hätten ein naturbelassenes Grünstück mit Blumenwiese vorgezogen.“

Eine Anwohnerin ergänzt, ein Angebot für Kinder und Jugendliche sei eine nette Idee, aber unnötig. In den Höfen der Wohnblöcke gebe es viele Spielplätze – samt Tischtennisplatten. Auch Grillen sei dort erlaubt, als Anwohner müsse man das nur mit der Hausverwaltung abklären.

2017 gab es einen Bürgerdialog zur Umgestaltung des Sternplatzes, auf dem Architekt Andreas Blume die Entwürfe vorstellte. Es gab Zustimmung und Kritik.  „Wir haben unsere Bedenken zum Grillplatz geäußert. Es wurde erklärt, dass die Grillstelle gestrichen wird. Jetzt wird sie doch gebaut. Wie kann das sein?“, wundert sich Vater.

Wie die Stadt auf SZ-Anfrage erklärt, wurde der Bau der Grillstelle lediglich geprüft. Man sei zu dem Schluss gekommen, den Grillplatz nicht zu streichen. Die Gründe: Der Stadtbezirksbeirat Altstadt befürwortete das Projekt, in Löbtau habe man zudem mit einem öffentlichen Grillplatz gute Erfahrungen gemacht. „Auch hat der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, zur Förderung der öffentlichen Grillkultur weitere Standorte nachzuweisen.“

Der Umbau soll laut Stadtplanungsamt einen demografischen Wandel im Gebiet anstoßen, die Seevorstadt-West familiengerecht und für alle Bevölkerungsgruppen attraktiver werden. „Es soll ein Stadtteil-Mittelpunkt geschaffen werden, der eine generationsübergreifende Nutzung durch Anwohner, Besucher und zur Pausenerholung etwa für Mitarbeiter der AOK und anderer Einrichtungen ermöglicht.“ Viele grüne Ruhezonen seien vorgesehen, wegen Lärmsorgen habe man bereits auf Klettergerüst und Sandkasten verzichtet.

Auf die Kritik, dass es bereits viele Angebote für Heranwachsende im Umfeld gebe, heißt es aus dem Jugendamt, die Spielplätze seien vor allem für Kinder gedacht. Für Jugendliche aber fehlten Alternativen. Gebiete in Zentrumsnähe seien zudem unterversorgt mit Freizeitangeboten für Junge. „Jedoch hat die Jugendbefragung 2016 gezeigt, dass dieser Stadtraum mit großem Abstand der ist, in dem junge Menschen zwischen 10 und 17 Jahren besonders oft und gern ihre Freizeit verbringen.“ Diese Lücke solle unter anderem durch den Sternplatz-Umbau geschlossen werden.

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Laut Stadt zeigten Erfahrungen aus anderen Stadtteilen, dass die Probleme, die die Bürger befürchten, unbegründet seien: „Zahlreiche ähnliche Anlagen, die in den letzten Jahren geschaffen wurden, werden von den Anwohnern gut angenommen.“ Wann der Praxistest am Sternplatz startet, ist noch offen. Noch unklar ist, wann die Umbauten abgeschlossen werden. Für die Anwohner ist klar, dass sie das Projekt nicht ohne Widerspruch hinnehmen wollen. Mit ihrer Unterschriften hoffen sie erneut auf einen Dialog – und eine Wende.

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