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Sternstunde für das Rakotz-Ensemble

Die Grotte am Rakotzsee in Kromlau war lange ein Steinhaufen. Nun wird sie wieder aufgebaut, wie manch anderes auch.

Die Mitarbeiter der Steinmetzfirma Schubert setzten den Originalgrundstein mit technischer Hilfe und viel Fingerspitzengefühl auf das Fundament der Grotte.
Die Mitarbeiter der Steinmetzfirma Schubert setzten den Originalgrundstein mit technischer Hilfe und viel Fingerspitzengefühl auf das Fundament der Grotte. © Foto: Sabine Larbig

Von Sabine Larbig

Kromlau. So viele Menschen wie am Dienstagabend gab es an der Baustelle mitten im abgelassenen Rakotz-See in den letzten Monaten nie. Das ist kein Wunder. Zum einen, weil die Baustelle sonst komplett abgesperrt ist. Zum anderen, weil die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Grotte öffentlich und im Beisein von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erfolgte. Unter den Gästen waren zudem Landrat Bernd Lange, Bundestagsmitglied Thomas Jurk, Landtagsabgeordneter Thomas Baum, vielen Bürgermeister der Region und natürlich interessierte Bürger.

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Ministerpräsident als Gast

Wer sich wie Ministerpräsident Michael Kretschmer vor und nach dem Festakt genau umsah, entdeckte auf der Baustelle viele Tafeln mit Informationen rund um das Rakotz-Ensemble und die Grotte. Darunter auch Schwarz-Weiß-Fotografien, die zeigten, wie die Grotte einst aussah. Dies wissen heute all jene, die unter 65 Jahre alt sind, nicht mehr. Vermutlich fiel das Bauwerk 1952 ein „Die Grotte war eine romantische Darstellung, ein inszeniertes geöffnetes Drachenmaul mit Zähnen“, weiß Thomas Bauer von der Firma Bauer und Lauterbach aus Dresden, die von der Gemeinde Gablenz mit dem Wiederaufbau beauftragt wurden. Die Mitarbeiter sind Experten für historische Rekonstruktionen, haben bereits bei der Dresdner Frauenkirche und am Berliner Stadtschloss gearbeitet. Nun sind sie für die Grotte und die anderen rund 160 Jahre alten Bauwerke in und am Rakotzsee in Kromlau zuständig. Bis Ende 2020 sollen die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten am Ensemble mit Grotte, der Brücke und der Basaltsteingruppe „Orgel“ beendet sein.

Die Grotte stellt dabei die größte bauliche und denkmalpflegerische Herausforderung dar, weil von ihr nur ein Trümmerhaufen blieb. Jeder einzelne Stein wurde daher gesichtet, katalogisiert und gelagert. Zudem fertigten Experten anhand alter Fotos und Vermessungen auch 3-D-Modelle von der Grotte an. Nach denen bauen die Mitarbeiter der Firma Schubert Steinmetz Dresden aus altem und teils neu angefertigtem Material die Grotte wieder auf.

Das alte Bild zeigt die Grotte vorm Zusammensturz. Links steht Herkules.
Das alte Bild zeigt die Grotte vorm Zusammensturz. Links steht Herkules. © Foto: Sabine Larbig

„Die Basaltsäulen sind gesichert. Parallel konnten 75 Prozent aller gefundenen Steine der Grotte zugeordnet werden. Außerdem ist der erste Teil des Streifenfundaments für die Grotte bereits fertig“, erklärte Peter Weszkalnys, stellvertretender Bürgermeister von Gablenz, anlässlich der Grundsteinlegung am Dienstagabend. Er konnte zudem verkünden, dass von der Herkules-Torso-Gruppe weitere Teile unter dem Grottengeröll gefunden wurden. „Laut Experten handelt es sich dabei auch um eine Gestalt aus der griechischen Mythologie: Antäus, einen Riesen. Er war Sohn von Poseidon und Gaia und durch seine Stärke unbezwingbar“, so Weszkalnys, der sich in seiner Rede auch für die Unterstützung und das Engagement vieler Bürger und Einwohner bedankte, die beispielsweise mit dem Parkseminar jährlich zum Park-Erhalt beitragen. „Am 4. und 5. Oktober dieses Jahr ist wieder Parkseminar. Ich lade alle Anwesenden ein, uns tatkräftig bei der Arbeit im Park zu unterstützen.“

Gedankt hat Weszkalnys ebenfalls für die finanzielle Unterstützung der Gesamtmaßnahme Rakotz-Ensemble durch Bund und Land, die dafür 4,2 Millionen Euro zur Verfügung stellen. „Erst als die Finanzierung stand, konnten wir 2018 mit den Denkmalbehörden in die Planungen für Bestandsaufnahme, Baugrunduntersuchungen und Rekonstruktion gehen, bevor im Mai diesen Jahres der Startschuss für die Umsetzung des Bauprojekts fiel“, so der stellvertretende Bürgermeister.

„Auch ich kann mich noch gut an diverse Zeitungsartikel mit Notrufen der Gemeinde erinnern“, so Sachsens Ministerpräsident Kretschmer zur Grundsteinlegung. Er kennzeichnete den Festakt als Beispiel dafür, was stark und Mut macht. „In unserer gemeinsamen Zeit im Bundestag waren Thomas Jurk von der SPD und ich als Christdemokrat uns immer einig, uns für den Kromlauer Park und das Sanierungsprojekt stark zu machen. Wir haben sogar mit dem Innenmister Sachsens lange um eine 100-prozentige Förderung gekämpft. Ich kann daher mit gutem Gewissen sagen: Ohne uns wären wir heute nicht hier“, erklärte Kretschmer in seiner Festrede. Als „in der Region für ein nationales Kulturgut gut angelegtes Geld“, bezeichnete ebenfalls Landrat Lange die finanzielle Förderung der Sanierung des Rakotz-Ensembles, welche die Gemeinde Gablenz aus eigenen Kräften und Mitteln nicht hätte stemmen können.

Da, wo sonst Wasser ist, konnte man laufen, schauen, sich informieren.
Da, wo sonst Wasser ist, konnte man laufen, schauen, sich informieren. © Foto: Sabine Larbig

Nach den Festreden kam dann der langersehnte und große Augenblick: die Grundsteinlegung. Eingelassen in das stehende Streifenfundament wurde eine bronzene Hülse, in der sich Zeitzeugnisse für die Nachwelt – wie Tageszeitungen der Region, Geld und ein von den wichtigsten Akteuren und Geldgebern des Projektes unterzeichneter Bauplan des Rakotz-Ensembles samt alten Fotos – befanden. Danach begannen zwei Mitarbeiter der Steinmetzfirma damit, einen originalen Grundstein per Hebevorrichtung und Seilzug auf das Fundament aufzusetzen. Die Prozedur dauerte etwa zehn Minuten und entpuppte sich nicht nur als kräftezehrende, sondern auch als viel Präzision erfordernde Aktion.

Als der Grundstein auf dem Fundament saß, setzte Beifall der Menge ein. Damit der Wiederaufbau der Grotte ebenso gelingt wie die Rekonstruktion aller anderen Bauwerke, die so künftigen Generationen mit ihrem einstigen Aussehen bewahrt werden können, segnete Pfarrer Hans-Christian Döring den Grundstein.

Fundamente aus Reisig und Sand

Wie Tageblatt zudem von Thomas Bauer, dem Rekonstruktionsexperten, erfuhr, habe sich einst ein Wasserfall von oben durch die Grotte in den Rakotz-See ergossen. „Spektakulär waren auch die Funde der alten Gründungen aus den 1860er Jahren. Sie bestehen aus Reisig und ausgeschlemmtem Sand, worauf dann einfach gebaut wurde.“ Auch bei der Basaltsteingruppe „Orgel“ sei in zwei Metern Tiefe eine solche Gründung gefunden worden. „Wir gehen übrigens davon aus, dass die Orgel nicht erst im Laufe der Jahre eine Schräglage bekam, sondern bereits seit ihrer Errichtung schief steht“, so Bauer. Wie er weiter informierte, bestehe die Seedichtung übrigens aus einer alten Tonlage. Somit sind viele Geheimnisse um den Rakotz-See und seine Bauwerke inzwischen gelüftet. Während die Bauarbeiten laufen, wird ebenfalls versucht, aus den Teilen von Herkules und Antäus wieder die ursprünglichen Skulpturen herzustellen.

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