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Stickereien nach Wunsch

Ihren Traum von der Selbstständigkeit hat sich Katrin Kroll in Waldheim erfüllt. Sie bestickt Textilien mit einer imposanten Maschine.

Von Marcus Herrmann

Schritt für Schritt

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Plüschtiere, Strampler oder Lätzchen für Babys sowie Handtücher und Puppen in unzähligen Farben füllen die Regale im Laden von Katrin Kroll. Sie alle warten auf ihre Bestimmung – nämlich bestickt zu werden. Je nach Wunsch der Kunden stickt die 34-Jährige Kroll seit November 2014 in ihrem eigenen Laden „BStickt“ am Niedermarkt 3 alle möglichen Motive und Entwürfe auf Badtextilien, Geschäftsklamotten, Geschenke, Fußmatten und vieles mehr. Doch nicht etwa im Geschäft selber, sondern im Dachgeschoss ihrer Wohnung in Ehrenberg. Hier hat sie ihren eigenen kleinen Arbeitsplatz.

„Im Laden bin ich immer mittwochs von acht bis halb vier. Dann verkaufe ich meine Waren und nehme Wünsche der Kunden entgegen. Den Rest der Woche arbeite ich an meiner Maschine zu Hause“, sagt Katrin Kroll. Die Industrienähmaschine hat sie über das Internet erworben. An der 100 Kilogramm schweren sogenannten Ein-Kopf-Stickmaschine mit 15 Nadeln sitzt sie und gibt dem knapp 10 000 Euro teuren Hightech-Produkt Befehle. „Ich entwerfe Skizzen am Computer, ziehe diese auf einen Stick und schließe den an die Maschine an“, erklärt Kroll. Den Rest erledigt der vollautomatische Koloss alleine. Länger als eine Woche bräuchte es nicht, um einen Entwurf – egal wie lang oder groß – auf einen Gegenstand zu sticken. Ist das erledigt, geht Kroll jeden Mittwoch in den Laden, wo die bestellten Sachen dann parat liegen.

Als der DA in dem kleinen Geschäft vor Ort ist, packt eine Kundin gerade eine Plüschkatze ein. „Ich bin schon zum dritten Mal hier, sagt die ältere Dame. Fündig sei sie bisher immer geworden. „Nicht nur die Kuscheltiere sind sehr liebevoll gemacht. Es gibt hier immer wieder neue Dinge zu entdecken, die hochwertig hergestellt sind“, so die Waldheimerin. Am gefragtesten seien derzeit Handtücher oder Lätzchen für Babys, die mit einem Namen oder Spruch bestickt werden, erklärt Katrin Kroll. Dass es in Waldheim überhaupt eine Bestickungs-Manufaktur gibt, ist nicht zuletzt dem Zufall geschuldet. Denn Kroll, gelernte Kauffrau für Einzelhandel, arbeitete lange Zeit erfolgreich in Halle, Leipzig und Dresden als Filialleiterin bei angesagten Modeketten. „2011 wurde ich dann schwanger und bekam Zwillinge. Außerdem machte der Laden, in dem ich zuletzt tätig war, dicht“, erinnert sie sich. Als junge Mutter von Zwillingen bekam sie anschließend keinen neuen Job mehr. „Das war eine schwere Situation für mich und ich hatte lange Zeit, um nachzudenken.“

Seit ihrer Jugend hatte sich Kroll sehr für Handarbeit interessiert, wusste aber nicht so recht, was sie damit anfangen sollte. „Bis meine Schwiegereltern aus einem Urlaub auf der iberischen Halbinsel für meine Kinder besonders schöne Puppen mitbrachten. Da dachte ich für mich, dass ich so etwas auch schaffen könnte“, erzählt Kroll. Aus einer Idee wurde schnell Realität. Nachdem die in Roßwein aufgewachsene junge Mutter samt Familie von ihren in Waldheim wohnenden Schwiegereltern in ein Haus nach Ehrenberg zog, ergab sich die Chance. „In Waldheim war eine Ladenfläche frei und ich konnte mir schnell Kontakte zu Geschäftskunden in Italien oder England aufbauen“, sagt Katrin Kroll. „So kooperiere ich mit meinem Laden etwa mit einer englischen Digitalisierungsfirma, die mich bei meiner Arbeit unterstützt.“

Seitdem ihre Bestickungsmanufaktur geöffnet hat, ist sie mit der Resonanz sehr zufrieden. „Auch wenn es jetzt im Januar etwas ruhiger ist, habe ich schon einen Kundenstamm, der regelmäßig bei mir vorbei schaut. Und besonders das Weihnachtsgeschäft lief sehr gut“, berichtet Kroll. Um gut über die Runden zu kommen, geht sie einmal die Woche einem Minijob nach. Doch insgesamt ist die Selbstständige zufrieden. „Es ist doch ein Traum, so selbstbestimmt zu arbeiten. Dadurch habe ich ja auch Zeit für meine Kinder, wenn ich sie benötige“, sagt Kroll. Für die Zukunft hofft sie, irgendwann eine neue Stelle schaffen zu können. „Dann könnte ich zu Hause an der Maschine sitzen und der Laden trotzdem besetzt sein.“

Auch die Zusammenarbeit mit Firmen oder Großkunden möchte sie ausbauen. „Wenn ich dann noch eines Tages im Laden Strickkurse geben könnte, wäre ich rundum glücklich.“ Doch erst einmal will Kroll einen Schritt nach dem anderen gehen. Der Laden solle sich nun etablieren. Die Voraussetzungen dazu sind aufgrund des nicht alltäglichen Angebots sicher nicht die schlechtesten.

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