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Stiefkind Tourismus

Leisnig hat in diesem Bereich über Jahre gespart. Offenbar an der falschen Stelle. Das soll sich nun ändern.

Die Burg Mildenstein ist zwar größer als die Burg Kriebstein, aber letztere steht mehr im Fokus der Touristen. Das soll sich ändern.
Die Burg Mildenstein ist zwar größer als die Burg Kriebstein, aber letztere steht mehr im Fokus der Touristen. Das soll sich ändern. © Archiv DA

Leisnig. Sich um den Tourismus zu kümmern, sei eine freiwillige Aufgabe der Kommune. Deshalb habe Leisnig in den vergangenen Jahren nur reagiert und nicht aktiv agiert, so Bürgermeister Tobias Goth (CDU).

Mit der Eingemeindung von Bockelwitz habe sich Leisnig einer Haushaltskonsolidierung unterzogen. In einem solchen Fall fordere die Rechtsaufsicht, die freiwilligen Aufgaben zu unterlassen. „Dem mussten wir folgen. Aber so geht das nicht weiter“, erklärt Goth.

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Nach neusten Richtlinien sollen die kleineren Kommunen mehr Handlungsspielraum erhalten. Das wünsche sich die Stadt und wolle das auch nutzen, um für die touristischen Ziele eine Strategie zu entwickeln.

Im Gästeamt seien in der Vergangenheit immer wieder Personen aus dem zweiten Arbeitsmarkt beschäftigt gewesen. Aber wenn sie sich nach einem halben oder einem Jahr eingearbeitet hatten, mussten sie wieder gehen. Im Stadtrat habe jetzt ein Umdenken stattgefunden. Deshalb sei Gitte Napieralla im Gästeamt eingestellt worden. 

Sie sieht Leisnig als kleines, noch sehr unbekanntes Juwel. „Leisnig birgt sehr viel Potenzial“, sagt die 37-Jährige. Sie lobt das Engagement der Vereine in der Stadt und wünscht sich eine noch bessere Zusammenarbeit mit den touristischen Leistungsträgern wie der Burg Mildenstein. Denn obwohl sie größer sei als die Burg Kriebstein, stehe Letztere mehr im Fokus der Touristen.

Helfen soll ein Demografie-Projekt. Dafür habe die Stadt Ende September einen Fördergeldantrag bei der Sächsischen Aufbaubank eingereicht. „Wir brauchen einen Tourismusmanager“, sagt der Bürgermeister. Der soll sich unter anderem um einen speziellen Internetauftritt kümmern, durch den die Stadt bekannter wird und mehr Besucher anlockt. Es gibt sogar schon einen Slogan: Hallo Leisnig – das Stadtportal für Leben und Zukunft.

Wichtig sei es, ein aktives Demografiemanagement zu etablieren, in das Bürger der Stadt und überregionale Akteure eingebunden werden. Die Themen Leben, Wohnen und Arbeiten müssten im Mittelpunkt der Internetseite stehen, so Goth.

Die Statistik ist ernüchternd. Seit 1990 hat Leisnig fast 3 500 Einwohner verloren. Das sind etwa 30 Prozent der Bevölkerung. Seit dem Jahr 2000 sind es alleine 2 200 Menschen. „Und der Trend hält an“, sagt Goth.

Bei 14 von 17 Indikatoren, die für Städtevergleiche herangezogen werden, schneide Leisnig schlechter ab als der Landesdurchschnitt. Ähnlich sehe es beim Altersdurchschnitt der Bevölkerung aus. Vorausschauend auf das Jahr 2030 liege der in Sachsen bei 48 Jahren und in Leisnig bei 51,5 Jahren. Seit dem Jahr 2000 sei Leisnig um 1,9 Jahre „gealtert“, Sachsen dagegen nur um 1,4 Jahre. Laut Prognose werde die Zahl der Kinder und Jugendlichen in der Muldestadt bis 2030 um 22 bis 26 Prozent zurückgehen. „Das werden wir bei der Kita- und Schulplanung berücksichtigen müssen“, meint der Bürgermeister.

Diese Abwärtsspirale ziehe auch einen Negativtrend im Handel nach sich. Die Angebote würden zurückgehen, weil die Nachfrage fehle. „Und die Stadt wird weniger lebenswert erscheinen“, so Goth.

Aber aufgrund der Topografie und der Bausubstanz besitze Leisnig regionale und überregionale Bedeutung. Deshalb müsse diesem Negativtrend entgegengesteuert werden. Ziel sei eine stärkere Verzahnung von Wirtschaft, Wohnen und Tourismus. Dazu sei auch bürgerliches Engagement nötig. 

Nach dem die Muldenstraße 1 und die Niedermarktgasse 5 verkauft worden seien, besitze die Stadt zwar kein Wohneigentum mehr, aber um Wohnungsangebote zu schaffen, müsste sie möglicherweise auch leerstehende Wohnungen ankaufen. 

Der Tourismusmanager könnte in diesem Zusammenhang ein Leerstands- und Bauplatzkataster erarbeiten. Außerdem sei eine Erwerbs- und Wirtschaftsanalyse wichtig. In dem Zukunftsportal sollen alle Informationen gebündelt werden. Als erster Schritt soll bis Mitte 2020 die Analyse erfolgen und anschließend das Zukunftsportal aufgebaut werden.

Nachdem die Stadt den umfangreichen Fördergeldantrag bei der Aufbaubank eingereicht hat, sei sie jetzt darüber informiert worden, dass das Verfahren vereinfacht und der Fördersatz von 70 auf 90 Prozent angehoben wird. Trotzdem will Leisnig den gestellten Antrag weiterlaufen lassen und bei einer Genehmigung nachregulieren.

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