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Still ruht der See

Kein Zeichen mehr von dem Investor, der am Bärwalder See eine Fußballgolf- und eine Abenteuergolf-Anlage bauen wollte. Davon ist nicht nur die Gemeinde Boxberg betroffen. Auch die Planer wissen nicht mehr: Stopp oder weiter?

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© Jens Trenkler

Von Susanne Sodan

Groß und fett hatte sich Roland Trunsch den Termin im Kalender eingetragen: Treffen mit Gottfried Leindecker, mit dem Investor, der in Klitten eine Fußballgolf-Anlage und in Uhyst eine Mini-Abenteuergolf-Anlage plant. Die Hoffnung war groß. Schließlich ist es um den Investor und um die beiden Projekte in den vergangenen Monaten still geworden, zu still. Das, so die Hoffnung, würde sich jetzt vielleicht klären. Am Ende wartete Boxbergs Bürgermeister Roland Trunsch umsonst. Zu dem Termin tauchte Gottfried Leindecker nicht auf. Wieder Funkstille.

Die ungewisse Situation zieht sich seit Monaten. Immer wieder hatte die Gemeinde versucht, den Investor telefonisch zu erreichen, hat Mahnschreiben geschickt. Denn damit es weitergehen kann, fehlen sowohl für das Klittener wie auch das Uhyster Projekt wichtige Unterlagen. Die Einreich-Fristen wurden seitens der Convisum Treuhand AG, bei der Leindecker tätig ist, nicht eingehalten. Schließlich schickte die Gemeinde ihm ein letztes Mahnschreiben, fast schon eine Verabschiedung (SZ berichtete). Daraufhin schien sich wieder etwas zu bewegen. Gottfried Leindecker hatte erklärt, dass er hinter den Projekten stehe, sie weiterführen wolle. Und er hat sich telefonisch bei der Gemeinde gemeldet, erzählt Roland Trunsch. Der Gesprächstermin in der Gemeinde wurde vereinbart. „Ich hatte schon fast vermutet, dass er nicht kommen würde“, sagte Trunsch.

Keine guten Zeichen für die beiden Projekte am Bärwalder See. So sieht es auch Helmut Perk vom Rietschener Planungsbüro Grontmij. Er ist mit dem Umweltgutachten für das Klittener Gebiet, auf dem die Fußballgolf-Anlage entstehen soll, beauftragt. Die Arbeit im Planungsbüro ruht – auch Helmut Perk und seine Mitarbeiter haben von dem Investor nichts mehr gehört. Die vielen Gutachten hatte der Investor zuletzt als Grund für die Verzögerungen angeführt. „Das eingeplante Gebiet ist wirklich ein sehr sensibles“, erklärt Helmut Perk. In solch einem Fall kann ein Umweltgutachten eine ganze Vegetationsperiode dauern – und damit ein Jahr. Mittlerweile ist die Beaobachtungszeit aber längst vorbei. Das Umweltgutachten könnte jederzeit fertiggestellt werden, erklärt Helmut Perk. Wenn da nicht noch ein anderes Problem wäre: Dem Planungsbüro Grontmij fehlt vom Investor nicht nur eine Rückmeldung, sondern auch die Zahlung der letzten Teilrechnung.

Auch bei Grontmij habe man immer wieder versucht, den Investor zu erreichen, auch hier sind Mahnungen geschrieben worden. Grontmij ist jetzt einen Schritt weiter gegangen, hat den Fall an ihre Rechtsabteilung abgegeben. Dass etwas nicht so läuft wie geplant, dafür hat Perk Verständnis. Das hat er in seinem Berufsleben schon mehr als einmal erlebt. „Meistens greifen die Leute dann aber selber zum Hörer. Hier fehlen die Signale, wie es weitergehen soll.“ Er habe mittlerweile den Eindruck, das Interesse sei nicht mehr da. Warum, darüber will Perk sich kein Urteil erlauben. „Da kann es viele Gründe geben, da muss man vorsichtig sein.“ Eine Vogel-Strauß-Politik helfe aber nicht.

Den größten Teil der Planungen übernimmt ein Planungsbüro mit Sitz bei Frankfurt am Main. Auf telefonische Nachfrage verweist man hier an den Boxberger Seebeauftragten Roman Krautz. Aber auch er kann nur sagen, was schon vor Wochen so war: Kein Ton von Gottfried Leindecker. Auch die SZ konnte ihn für ein Gespräch nicht erreichen. Ein ähnliches Problem wie Helmut Perk hat auch Horst Alte vom gleichnamigen Planungsbüro in Wittichenau. Er ist mit dem Bebauungsplan für die Fußballgolfanlage in Klitten beauftragt. Aktuell ruhen aber auch bei ihm die Arbeiten. „Die Planung steckt noch in den Anfangsschuhen“, erzählt er. Weiter geht es aber derzeit nicht. „Um den Bebauungsplan fachgerecht und genehmigungsfähig zu erstellen, fehlen uns noch Angaben“, erklärt Horst Alte. Dazu zählt zum Beispiel ein eindeutiges Konzept. Welche Veranstaltungen sind auf dem Gelände geplant? Wie könnte die Anlage die Umwelt beeinträchtigen? In welchem Zeitraum soll die Anlage überhaupt für die Gäste geöffnet sein?

Auch Alte hätte gerne eine verbindliche Aussage. Weiterplanen oder Schluss? „Es könnte ja sein, dass auch ein anderer Investor an der Idee gefallen findet.“ Von dem Projekt an sich ist er überzeugt. Es wäre ein Gewinn für die Gemeinde Boxberg, für die Entwicklung am See – da sind sich alle Beteiligten einig. So sieht es auch die Gemeinde. Sie hatte schon vor Wochen, als sie den letzten Mahnbrief an Leindecker abschickte, klargemacht: Irgendwann würde man sich eben nach einem anderen Interessenten umschauen.