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Freital

Stillstand in Freitals Stadtzentrum

Der geschasste Investor hat einen Verkaufs-Stopp für das Gelände des Sächsischen Wolfs erwirkt. Wird man sich noch einig?

Auf dem Areal am Fuße des Windbergs soll Freitals neues Stadtzentrum entstehen.
Auf dem Areal am Fuße des Windbergs soll Freitals neues Stadtzentrum entstehen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Es gibt Neuigkeiten von Freitals geplantem Stadtzentrum - allerdings sind es keine guten Nachrichten. Die Stadt Freital darf das Gelände am Fuße des Windbergs, im Volksmund "Sächsischer Wolf" genannt, bis auf Weiteres nicht veräußern. So steht es in einer gerichtlich erlassenen einstweiligen Verfügung.

Erwirkt hat den gerichtlichen Beschluss die RTLL-Gruppe aus dem westsächsischen Kirchberg. Die Projektentwickler hatten Ende 2017 vom Stadtrat den Zuschlag erhalten, auf dem rund 21.500 Quadratmeter großen Grundstück ein Wohn- und Geschäftsviertel für Freital zu errichten. Vereinbart wurde ein Kaufpreis von 1,2 Millionen Euro. Noch bevor RTLL den Kaufvertrag unterzeichnete, ließ das Unternehmen ein Bodengutachten anfertigen. Man wollte wissen, wie groß die von der Stadt erwähnten Altlasten aus der Industrieproduktion auf dem Gelände tatsächlich sind. Rund 180.000 Euro gab RTLL nach eigenen Angaben für das Gutachten aus. Als das Papier vorlag, bekamen die Westsachsen kalte Füße. Seitdem gibt es Streit zwischen den Projektentwicklern und der Stadt.   

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RTLL forderte, dass Freital selbst das Gelände saniert. Im Rathaus rechnete man durch und kam auf eine Summe von rund sechs Millionen Euro Kosten. Der Stadtrat lehnte das Ansinnen ab und entzog dem Investor den Zuschlag. Das war im Mai dieses Jahres. Anschließend wurde die nordrhein-westfälische HD Investitions und Verwaltungs GmbH um Investor Günter Herms zum neuen Bauherrn bestimmt. 

RTLL will sich jedoch so einfach nicht geschlagen geben und fordert von der Stadt nun die Erstattung der Kosten für das Bodengutachten. Und nicht nur das, wie Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) andeutet: "Es geht auch um Planungskosten, die RTLL bereits ausgegeben hat." Wie hoch die Forderung ist, will er mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht sagen. Auch RTLL will sich dazu nicht äußern. Auf eine Anfrage äußert Michael Hampel, Leiter der Projektentwicklung, lediglich: "Zum laufenden Verfahren können wir keine Aussagen tätigen."

Doch hinter den Kulissen wird heftig debattiert, wie der Oberbürgermeister andeutet. "Wir versuchen, eine Einigung zu finden." Wir - damit meint er die Stadt, RTLL und die Firma von Neu-Investor Herms. Denn das Bodengutachten ist einiges wert - auch Herms braucht diese Informationen, wenn er den Sächsischen Wolf bebauen möchte. 

Für das Vorhaben hat er die HD Objekt Freital gegründet. Das Tochterunternehmen wird das Vorhaben vorantreiben und den Bebauungsplan entwerfen. Darin werden unter anderem die Gestaltung des Geländes, die Kubatur der Gebäude, das Aussehen, die Nutzung, die Größe von Parkplätzen und Grünanlagen festgelegt. Als Planungsbüro wurde das Unternehmen Werkplan des Freitaler Architekten Hardy Wolf mit ins Boot geholt. Wolf wird nach den Vorgaben des Investors die Gestaltung entwerfen.  Anschließend wird der Entwurf bei der Stadtverwaltung eingereicht und öffentlich ausgelegt - voraussichtlich im Frühjahr/Sommer nächsten Jahres. "Parallel arbeiten wir am Kaufvertrag für das Grundstück", sagt Rumberg. 

Einen Verkauf an Herms wird es allerdings nur dann geben, wenn man Einigkeit erzielt. Oder aber, wenn ein Gericht entschieden hat. Die Stadt argumentiert, dass RTLL von Anfang an über die Altlastenproblematik informiert war. Wenn sie sich dennoch für den Kauf entscheiden, sei alles weitere unternehmerisches Risiko, heißt es aus dem Rathaus. Das betreffe auch die Kosten für Gutachten, Planung oder andere Leistungen, für die das Unternehmen in Vorkasse gegangen ist.

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Trotz der Zuversicht, die der Oberbürgermeister in der Angelegenheit ausstrahlt, werden die nächsten Monate für die Stadt zum Wettlauf gegen die Zeit. In gut einem Jahr dürfte der Bebauungsplan fertig sein, dann will Investor Herms loslegen. Dem Vernehmen nach hat er bereits die Vermarktung gestartet und sucht Mieter für die größten Gewerbeflächen in seinem Freitaler Objekt. Sollte es keine Einigung zwischen den Streitparteien geben und die einstweilige Verfügung nicht aufgehoben werden, droht ein langwieriger Rechtsstreit vor Gericht. Und solange der nicht entschieden ist, kann Herms nicht bauen. Jetzt hängt es vom guten Willen der drei Beteiligten ab, ob auf dem Gelände Sächsischer Wolf in absehbarer Zeit überhaupt eine Baustelle entsteht. 

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