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Stinkefinger am Türspion

Ein 61-jähriger Mieter soll seine Nachbarn schon seit Jahren terrorisieren. Seinen Prozess schwänzte er nun.

Von Alexander Schneider

Es bleibt vorerst wohl ein Rätsel, warum ein Nachbar seit Jahren die Mitbewohner in einem Prohliser Mehrfamilienhaus nerven kann, ohne dass es für ihn strafrechtliche Konsequenzen hat. Jedenfalls, wenn es stimmt, was eine 41-jährige Frau berichtet. Mit ihren Aktenordnern, in denen sie die Übergriffe ihres Nachbarn dokumentiert, stand sie nun im Amtsgericht Dresden, um als Zeugin auszusagen. Doch der Prozess gegen den 61-jährigen Angeklagten platzte überraschend. Der Mann ist nicht zu seiner Verhandlung erschienen und wurde auch von Polizeibeamten, die ihn auf Geheiß von Richter Ralf Schamber abholen sollten, nicht zu Hause angetroffen.

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Schon 2009 habe der Ärger im Haus begonnen, berichtete die Frau, die mit ihrer Familie Tür an Tür mit dem mutmaßlichen Querulanten leben muss. Regelmäßig habe sie Beleidigungen und Bedrohungen bei der Polizei angezeigt. Mehr als ein Schreiben, dass die Vorwürfe eingestellt worden seien, habe sie bisher jedoch nicht erhalten. Der Prozess, der am Donnerstag beginnen sollte, muss sie überrascht haben. Denn angeklagt ist nach SZ-Informationen lediglich eine einzige Beleidigung. Im März vergangenen Jahres habe der Angeklagte seiner Nachbarin am Türspion den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt.

„Dabei hat er mir den Spion schon einmal von außen abgebaut“, sagt die 41-Jährige. Tagelang habe sie ein Loch in der Tür gehabt. Neben Anzeigen bei der Polizei habe sich die Frau mit einer Unterlassungsklage und zuletzt, im August 2015, mit einer einstweiligen Anordnung des Amtsgerichts Dresden, die dem Mann jegliche Kontaktaufnahme untersagte, zur Wehr gesetzt. Aber auch das Kontaktverbot nach dem Gewaltschutzgesetz habe nicht gefruchtet. Darüber hinaus bedrohe der Mieter auch andere Nachbarn im Haus.

Richter Schamber war überrascht von den Akten der Zeugin. Weil der Angeklagte jedoch nicht erschienen sei, werde er nun eine Geldstrafe per Strafbefehl erhalten, sagte der Richter. Die 41-jährige Nachbarin, das war der Frau anzusehen, fragte sich, was aus ihren vielen Anzeigen wurde.