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Stirbt der Markt?

Zum Jahresende haben wieder zwei Geschäfte in der Innenstadt geschlossen. Die restlichen Ladeninhaber sind skeptisch.

Von Cathrin Reichelt

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Zwischen den Waren in den Regalen der Drogerie von Holger Richter gibt es einige Lücken. Nicht, weil ihm die Produkte ausgegangen sind. Es ist das alltägliche Bild in dem Geschäft am Harthaer Markt. „Ohne die Post gäbe es hier auch leere Schaufenster“, gibt Richter unumwunden zu. Die Annahme und Ausgabe von Päckchen hält den Geschäftsmann über Wasser. Zumindest im Winter. Da könne er ohne die Post nicht existieren. „Sie war meine Rettungsinsel. Durch sie habe ich bescheidene Zusatzumsätze“, sagt er. In der warmen Jahreszeit sehe es etwas besser aus. Da habe er Sämereien, Gartenbedarf und Schädlingsbekämpfungsmittel im Angebot, die von den Kunden recht gut angenommen würden. Allerdings, so sagt Richter, würden sich die Einwohner ihre Stadt selbst gestalten. Und er meint: Die Harthaer nehmen den lokalen Handel immer weniger an, sondern weichen immer öfter in die Nachbarstädte aus. Holger Richter würde sich wieder mehr Geschäfte am Markt wünschen. Unter dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“ hätte er auch nichts gegen einen Rossmann als direkten Nachbarn. Im Moment sagt Richter aber: „Hartha ist ein schmuckes Städtchen, aber der Markt ist eine schöne Leiche.“

Miese Umsätze im Winter

Vor knapp vier Jahren hat Mirjam Kornol ihre Konditorei in Hartha eröffnet. Sie spürt den nachlassenden Kundenstrom deutlich und fragt sich, ob die Mentalität der Harthaer die Ursache ist. Die Situation sei einfach schade und traurig. Immerhin gäbe es noch einige Stammkunden, die nicht nur im Vorbeigehen durchs Schaufenster sehen, sondern auch mal einen Kaffee trinken. Auch sie würden oft besorgte Gespräche führen.

Im Winter sei das Geschäft ganz flau. Im Sommer wisse sie dagegen an manchen Wochenenden nicht, wie sie es schaffen soll. Trotzdem kann die junge Frau keine Mitarbeiterin einstellen, sondern nur eine Saisonkraft beschäftigen. „Wir geben unser Bestes, aber rausreißen können wir es auch nicht“, meint Mirjam Kornol und schließt dabei die beiden anderen am Markt verbliebenen Geschäfte mit ein. Auf die Frage, ob sie schon einmal ans Aufgeben gedacht hat, gibt sie keine eindeutige Antwort, sagt weder ja noch nein.

Der dritte noch offene Laden am Markt ist H.a.Mode. Dort gehen ein paar mehr Kunden ein und aus. Das Sanitätshaus hat nur zweimal pro Woche für drei Stunden geöffnet. Ansonsten gibt es einen Pflegedienst, ein Wohnzentrum, einen Maler, einen Rechtsanwalt, eine Bank und eine Versicherung, aber keine Geschäfte, in denen die Harthaer einkaufen könnten.

Laden wird zum Partyraum

Viele Läden, die es einmal gab, sind als solche gar nicht mehr nutzbar. So mancher Hausbesitzer hat einen Partyraum oder eine Wohnung daraus gemacht. Trotzdem hofft auch Bürgermeister Gerald Herbst (CDU), dass sich wieder Händler finden, die ein Geschäft am Markt eröffnen. „Wir werben im Internet dafür“, sagt er. Aber man könne niemanden verpflichten, dort einzuziehen. Es sei wichtig, dass sich jemand findet, der auch eine Chance hat, an dieser Stelle zu bestehen.

Gleichzeitig fragt sich Herbst, wie viele Prozent der Bevölkerung noch in kleinen Läden einkaufen. Außerdem habe die Entlebung des Marktes nicht erst nach erst vor Monaten, sondern schon vor Jahrzehnten begonnen. Die Industrie in Hartha habe das bewirkt. Die Arbeiter, die mit dem Bus nach Hartha kamen, hätten die Haltestellen an den Textilwerken und an der Dresdner Straße genutzt. Deshalb hätten sich die Geschäfte dort angesiedelt.

Inzwischen seien die Standorte der Händler zerstückelt und in der gesamten Stadt verteilt. „Dadurch gibt es keine Synergieeffekte“, meint der Bürgermeister. „Das ist schade.“ Für die zukünftige Entwicklung Harthas, würde er sich sehr freuen, wenn in den Geschäften am Markt wieder Leben einziehen würde.

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