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Stirbt der Trabi aus?

Immer weniger Bautzener besitzen ein Ost-Auto. Doch manche wählen ganz bewusst die Pappe.

© Uwe Soeder

Von Nicole Preuß

Ratter, ratter. Das hört sich nicht gut an. Ist wohl der Vorführeffekt. Der Trabi springt nicht an. Ratter, ratter. Dieter Eder hat schon ein paarmal am Zündschlüssel gedreht. „Dabei ist er sonst immer zuverlässig“, sagt er. Doch heute streikt die Batterie. „Die hat auch lange durchgehalten, schon sechs Jahre.“ Dieter Eder gibt auf. Ohne Groll. Denn sonst bringt ihn seine Pappe immer überall hin. Auch wenn er ihr die langen Strecken nicht mehr zutraut.

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Der Trabant 601 ist bei Eders das Zweitauto. Meist sitzt Dieter Eder hinterm Steuer. Seine Frau lenkt den Passat. Doch wenn es auf Familienausflug ins Schwimmbad geht, steigt auch gern mal die ganze vierköpfige Familie in den kleinen Trabi. „Dann wird man schon mal angeschaut wie das achte Weltwunder“, sagt Ulrike Eder. Schließlich sind Eders eine der wenigen, die noch einen Trabi im Kreis besitzen. Die Zahl der Autos vom Typ Trabant gehen auch in der Region immer weiter zurück. Zurzeit fahren noch 900 Autobesitzer zwischen Sohland und Hoyerswerda einen Trabi. „Das geht so weit, dass sich Trabifahrer schon gegenseitig grüßen, wenn sie aneinander vorbeifahren.“ Ulrike Eder lacht.

2010 waren noch 1000 Trabis im Kreis zugelassen. Noch deutlicher wird die Tendenz, wenn man sich die Entwicklung seit der Wiedervereinigung ansieht. 300 000 Trabis waren 1993 noch auf allen sächsischen Straßen unterwegs. Heute, mehr als 20 Jahre später, sind im Freistaat noch rund 9 000 Trabis zugelassen. Der Trabant stirbt langsam aus. Andere Ost-Marken haben das schon hinter sich. Einen Polski Fiat oder einen Dacia findet man gar nicht mehr in der Region. Autos der Marke Moskwitsch und Saporoshez sind nur noch in ganz wenigen Liebhaber-Haushalten zu finden. Und selbst Wartburgs sind nur noch knapp 181 zugelassen.

Die Ost-Autos werden immer mehr zu Sammlerstücken. Anders sieht das bei den Motorrädern aus. Die MZs sind noch in vielen Altersgruppen beliebt. Auch die DDR-Mopeds sieht man noch in vielen Garagen stehen. Nicht umsonst wurden die Mopeds extra in den sachsenweiten Modellversuch „Führerschein mit 15“ einbezogen. Seit einiger Zeit dürfen Jugendliche in Sachsen damit schon jünger eine Simson oder eine Schwalbe fahren. Geschäfte für gebrauchte DDR-Mopeds und Motorräder eröffnen, so wie kürzlich in Demitz-Thumitz.

Dieter Eder sieht viele Vorteile in seinem Trabi. So ist das Auto fast nie kaputt, auch wenn es schon über 25 Jahre alt ist. Und wenn es mal in die Werkstatt muss, hat der Meister dort meist ein gebrauchtes Ersatzteil zur Hand. So musste Dieter Eder vor einigen Jahren einmal einen funktionstüchtigen Motor in seinen Trabi einbauen lassen. Seine bisher einzige große Reparatur. 100 Euro kostete das. „Wirklich preiswert“, sagt Eder. Dabei hat er Glück, eine gute Werkstatt im Ort zu haben. Dazu kommt, dass viele Mechaniker noch am Trabi gelernt haben. Einige sammeln auch alte Ersatzteile. Das Schwierige bleibt aber die gleiche wie bei allen Oldtimern: Neue Ersatzteile bekommt man nicht mehr.

Auch an den sparsamen Komfort und das Tanken musste sich Ulrike Eder erst gewöhnen. Sie stammt aus dem Ruhrgebiet. Dass die Tanköffnung vorn unter der Motorhaube ist und man zu 25 Litern Benzin auch noch einen Liter Öl schütten muss, war ungewöhnlich. Trotzdem war sie es, die unbedingt einen Trabi haben wollte. Erst 2003 kaufte die Familie ihr Gefährt von einem Bekannten aus dem Ort. „Ich liebe diesen Zweitakter-Geruch“, sagt sie. „Früher bin ich mal ein Motorrad gefahren, das auch einen Zweitaktmotor hatte.“ Ihr Mann Dieter Eder hätte vielleicht auch verzichten können. Er tat das schon einmal. 1986 kaufte er sich für 7 000 Ostmark einen gebrauchten Trabant. Mit der Wiedervereinigung ließ er ihn verschrotten, weil er nicht mehr funktionierte. „Mein Vater hat damals schon gesagt: Du bist blöde.“

Heute gibt es gut gepflegte Exemplare schon wieder für rund 7 000 Euro übers Internet zu kaufen. Ulrike Eder ist sich sicher, dass der Trabi nicht aussterben wird. Vielleicht wird er mal genauso kultig wie der VW Käfer. Und Dieter Eder fährt seinen Trabi weiter. „Zwei oder vier Jahre macht er mindestens noch mit.“