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Hilfsaktion für Störche

Spät im Jahr entschloss sich ein Pärchen in Bretnig noch zum Nestbau. Noch dazu an einem gefährlichen Ort. Ein Storchenfreund schlug Alarm.

Ein neues Nest für ein Storchenpaar in Bretnig: Auf einem Strommast wird eine Nestunterlage montiert.
Ein neues Nest für ein Storchenpaar in Bretnig: Auf einem Strommast wird eine Nestunterlage montiert. © privat

Großröhrsdorf. Eigentlich bereiten sich Störche derzeit schon auf den Abflug in den Süden vor. Die Jungen sollten längst flügge sein. Doch im Großröhrsdorfer Ortsteil Bretnig sieht es anders aus: Dort hat ein Pärchen gerade erst mit dem Nestbau begonnen - und sich dafür auch noch einen gefährlichen Platz ausgesucht. „Auf einem Freileitungsmast an der Bischofswerdaer Straße inmitten dichter Wohnbebauung“, berichtet Storchenfreund Günter Dämmig aus Bretnig. 

Möglicherweise sei es das Bedürfnis nach erhöhter Sicherheit vor natürlichen Feinden, was Störche immer wieder zum Brüten in unmittelbarer menschlicher Nähe veranlasse. Und die späte Bautätigkeit sei zwar ungewöhnlich, komme hin und wieder aber vor.

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Störche sind hartnäckig

Doch in dem Fall nutzten die Störche „Freileitungen und Isolatoren als Nestträger, was die Stromversorgung und die Sicherheit der Vögel selbst auf Dauer in hohem Maße gefährdet hätte", schätzt Günter Dämmig ein. Es sei dringend nötig gewesen zu handeln. Zwar gebe es sogenannte Abweiser, wie sie auch gegen Tauben montiert werden. Die Störche damit am Nestbau zu hindern, schien aber keine Lösung zu sein. Günter Dämmig: „Oft weckt dann ein benachbarter Mast ihr Interesse, und es wird dann dort mit unnachgiebiger Beharrlichkeit und Eigenwilligkeit weitergebaut.“

Gefährliche Bautätigkeit: Zwei Störche wollten jetzt in Bretnig zwischen Stromleitungen ihr Nest bauen.
Gefährliche Bautätigkeit: Zwei Störche wollten jetzt in Bretnig zwischen Stromleitungen ihr Nest bauen. ©  privat

So ging Günter Dämmig auf den regionalen Energieversorger Enso zu und fand Unterstützung. Dort war man auch schon durch einen Nachbarn informiert worden. Anlieger finanzierten eine Nisthilfe, wie sie für derartige Problemfälle seit Jahren mit Erfolg zum Einsatz kommen. Der Storchenfreund besorgte sie beim Naturschutzbund. Schließlich rückten Monteure der Enso Netz AG an und montierten das Gestell.

Die Enso habe vorbildlich reagiert und qualifizierte Arbeit abgeliefert, lobt der Bretniger. „Darüber hinaus erhielten die Freileitungen im mastnahen Bereich eine Isolierung gegen herabfallendes Nistmaterial“, berichtet der Storchenfreund. Außerdem befestigten die Fachleute noch ein Fertig-Nest. So können die Störche in der nächsten Brutsaison sofort mit dem Brüten beginnen. Das Nest stammt aus der Werkstatt des Bretnigers, der schon einige Erfahrung mit solchen Konstruktionen hat und das Nest spendete. Vier Stück habe er in diesem Jahr insgesamt ausgeliefert, unter anderem nach Lieske und Seeligstadt. 

Nachwuchs kam dieses Jahr nicht durch

Für Günter Dämmig bleibt  noch die Frage, ob die Störche im Frühjahr ihr Brutgeschäft dauerhaft zum selbst gewählten Neststandort auf dem Mast verlagern werden. Der bisherige Brutplatz befinde sich nämlich in der Nähe auf einem 25 Meter hohen Industrie-Schornstein. Der sei aber für Kontrollen oder die Wartung des Nestes unzugänglich.

In diesem Jahr hätten die beiden Störche das eine Junge dort oben nicht durchgebracht. Gründe gebe es viele. Wenn sich Greifvögel Storchenjunge holen, könne man nichts machen. Manchmal würden sie sich aber auch in Schnüren verheddern, die die Eltern zum Nestbau heranschaffen, und darin qualvoll ersticken. Hilfe sei aber auf dem Schornstein unmöglich, wenn Storchenfreunde einen Notfall im Nest vermuten. Anders, wenn die Störche auf dem Mast brüten würden:  „Zu hoffen ist  es“, sagt Dämmig. Sicher sei es nicht. Immerhin wurden sie auch am neuen Nest schon gesichtet. 

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