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Störche legen sich mit Nestbau ins Zeug

Seit Kurzem sind die Tiere wieder da. In Ebersbach scheint der Platz für den Nachwuchs nicht auf Anhieb perfekt zu sein.

Von Constanze Junghanss und Anja Hecking

Die Ebersbacher Störche sind pfiffig. Oder einfach nur auf der Hut. Sie hatten sich in diesem Frühjahr für ihr Nest erst ein neues Plätzchen gesucht. Auf einem Schornstein der Schöpstal Agrar GmbH gegenüber vom Wasserschloss. Vielleicht, weil es ihre Jungen im vorigen Jahr in Folge der argen Kälte und Nässe nicht geschafft hatten. So wie in Ebersbach waren die Jungstörche in vielen Dörfern nach nur wenigen Lebenswochen gestorben.

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Diesmal sieht alles viel besser aus. Kurz nach ihrem Eintreffen in Ebersbach machten sich die Weißstörche an die Arbeit. Sie suchten Äste und legten diese schon kunstvoll zu einem Nest zusammen. Aber der Schornstein ist ja noch in Betrieb. So muss sich das Storchenpaar dann doch wieder umentschieden haben.

Einige Schöpstaler mutmaßen zwar, dass die Tiere ihr altes Nest nicht mehr reinigen konnten und es deshalb erst verschmäht haben. Jedenfalls sind sie nun doch wieder in das alte Nest zurückgekehrt. Und die Menschen werden wohl nie ganz die wahren Gründe erfahren. Das Nest befindet sich ganz in der Nähe auf einem Mast mit viel Wiese drumherum – perfekt für die stattlichen Vögel, die hier sozusagen vor der Haustür auf Futtersuche gehen können. Das neue Nest wurde erst vor drei Jahren in Ebersbach aufgestellt, nachdem die alte Richtereiche am Schloss gefällt werden musste. Dort hatten die Störche zuvor ihr Domziel.

Alle hoffen auf gesunden Nachwuchs

So wie dem Ebersbacher Storchenpaar mit seinem Nachwuchs war es 2013 auch dem Buchholzer Paar ergangen. Es war schon Anfang März eingetroffen. Bei Schnee und Eis erschien die Futtersuche fast aussichtslos. Der Görlitzer Tierpark brachte zwar Futter in den Ort und vor allem Günter Kreusch und seiner Frau war es zu verdanken, dass die Tiere die erste schwere Zeit überlebten. Aber der einzige Jungstorch starb dann im Mai. Diesmal sind die Tiere am 11. März in Buchholz gelandet. Das Ehepaar Kreusch hat schon seit Jahren immer ein waches Auge auf das Nest und seine gefiederten Bewohner. „Sie fliegen ja direkt über unser Dach“, erzählt Frau Kreusch. Zu dieser besonderen Aufgabe ist das Ehepaar durch den Tierpark gekommen. Denn der hatte im Ort immer nachgefragt, wie viele Junge denn ausgebrütet wurden.

Ihre Reise aus dem Süden in unsere Gefilde haben die meisten Störche im Umland in diesem Frühjahr wieder zeitig bewältigt. Denn etwa seit Ende März sind die Störche im Umland da. Jetzt beginnt die Brutzeit und die meisten Nester sind bereits besetzt. Weitere Storchensichtungen gibt es in Pfaffendorf, Königshain, Kodersdorf, Buchholz, Holtendorf, Gersdorf und Goßwitz.

Fast überall sind die alten Nester auf Schornsteinen und anderen hohen Bauten auch angenommen worden. Für die Anwohner ist das immer eine große Freude: „Seit Jahrzehnten brüten auf dem alten Schornstein die Störche“, hat Klaus von Kobilinsky von den alteingesessenen Goßwitzern erfahren. Seit Kurzem wohnt er in dem Reichenbacher Ortsteil und baut das Herrenhaus zur Seniorenresidenz aus. Auf der Kuppel des Hauses befindet sich eine ehemalige Sternwarte. „Von hier oben kann ich das Nest gut beobachten“, erzählt er. Extra für diesen Zweck hat er sich ein Fernglas angeschafft. Seine Beobachtungen sind hochinteressant, wie er schildert: Einer der beiden Störche sammelt fleißig Moos und Zweige und bessert damit das Nest weiter aus. Hochzeit wurde schon gefeiert, denn das Storchengemach wird keine Sekunde allein gelassen. Wer dabei jeweils im Nest mit angezogenen Beinen hockt und nicht mal kurz aufsteht, um sich zu schütteln, weiß niemand. „Ich gehe aber davon aus, dass fleißig gebrütet wird“, so der Neu-Goßwitzer. Nun drücken alle aus dem kleinen Ort die Daumen, damit die Jungen ihr erstes Jahr auch überstehen. Im Vorjahr ist der Nachwuchs auch in Goßwitz nach einem schweren Gewitter nicht mehr gesehen worden.

Ein Herz für Störche haben auch die Dittmannsdorfer. „Bei uns fliegen viele rum. Doch sesshaft wurde bisher leider noch kein Paar“, sagt Alexander Fehrenbach. Jetzt möchte er gemeinsam mit Helfern ein Projekt starten. Ab kommendem Jahr wird auf eine hohe Esse ein Wagenrad gehievt und befestigt. Das Rad ist schon vorhanden. „Vielleicht nehmen das dann die Störche auch an, die bisher noch keine idealen Bedingungen fanden“, sagt der junge Mann. Die Leute würde das freuen. In Königshain gab es in diesem Jahr einen harten Kampf ums Storchennest. Rentnerin Elisabeth Seifert, die vom Balkon aus das Nest gut einsehen kann, erzählt: „Der erste Storch kam am 30. März. Der Partner erst acht Tage später. Und mit ihm zusammen ein dritter Storch.“ Um die Braut gab es heftiges Gezanke. Mit Schnäbeln und Flügeln attackierten sich die Männer und landeten letztendlich beide in der naheliegenden Stromleitung. „Bei uns ging plötzlich das Licht an und aus, weil sich die Störche verheddert hatten“, sagt die Königshainerin.

Zum Glück ist keinem der Tiere etwas passiert. Und auch die Leitung überstand den Kampf ohne Schaden. Durch die kleine Zeitverzögerung wird in Königshain noch nicht gebrütet. Der Altstorch vom Vorjahr gewann übrigens den Kampf um seine Braut. Und der Nebenbuhler hat sich verzogen. Jetzt ist Storchenhochzeit angesagt, mit Geklapper auf dem Nest unweit vom Gemeindeamt.