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Störche sind in Schwarzkollm zu Hause

Seit 2011 thronen die majestätischen Vögel auf einem Nest in der Dorfmitte. Auch in diesem Jahr klappert Nachwuchs.

Das Schwarzkollmer Storchen-Paar hat in diesem Jahr zwei Jungstörche (im Bild) aufgezogen. Inzwischen verlassen diese zu Ausflügen das Nest.
Das Schwarzkollmer Storchen-Paar hat in diesem Jahr zwei Jungstörche (im Bild) aufgezogen. Inzwischen verlassen diese zu Ausflügen das Nest. © Foto: Christine Primpke

Von Christine Primke

Hoyerswerda. Störche halten Schwarzkollm schon seit vielen Jahren die Treue. Bis Mitte der 1990er-Jahre nisteten sie noch nahe der Bundesstraße in Sichtweite des Bahnhofs. Mit dem Bau der Tankstelle und des Einkaufszentrums, das den Namen „Am Storchennest“ bekam, verschlechterten sich die Brutverhältnisse. Die Störche suchten sich ein neues Domizil in Schwarzkollm und fanden es in der Mitte des Dorfes. An den ursprünglichen Nistplatz erinnert bis heute ein Mast mit einer Storchenfigur.

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Gefahr durch Stromleitungen

Am 27. April 2011 starteten die Störche später den Bau eines neuen Nestes auf einem A-Mast an der Kreuzung der Straße Kubitzberg. Ihr intensiver Weiterbau beunruhigte die Schwarzkollmer wegen der vorhandenen Gefahr durch die Stromleitungen. Am Folgetag, dem 28. April, wurden Hagen Rothmann vom Umweltamt des Landkreises und die EnviaM kontaktiert. Das Stromversorgungsunternehmen entschied, das Nest aus Sicherheitsgründen herunterzunehmen. Das geschah einen Tag später. Gemeinsam mit Hagen Rothmann wurde ein neuer Platz für das Aufstellen eines Storchen-Horstes ausgesucht. Noch ehe das geschah, hatten sich die Störche selber auf dem Strommast am Buswartehäuschen an der Dorfstraße in der Ortsmitte angesiedelt. Am 2. Mai wurden erneut das Umweltamt und EnviaM verständigt. Es fiel die Entscheidung, neben dem Strommast am Bushäuschen einen Mast für ein Storchennest aufzustellen. Mit großer Freude konnten die Schwarzkollmer verfolgen, dass die Störche die neu geschaffene Nisthilfe angenommen haben.

Zwischen Anfang und Mitte März

In der Ortsteilverwaltung wird seither akribisch Buch geführt, wann die Störche eintreffen und wie es um den Nachwuchs bestellt ist. Gewöhnlich wird der erste Storch im Zeitraum zwischen Anfang und Mitte März gesichtet. Dieser beginnt dann gleich mit der Nestwartung und Nestpflege. Etwa zwei Wochen später folgt meist der zweite Storch. Beide tragen dann Material zusammen, um die Brutstätte weich abzupolstern und das Gelege zu wärmen. In diesem Jahr gab es eine Besonderheit: Am 6. März trafen gleich drei Störche in Schwarzkollm ein. Vermutlich gab es einen Nebenbuhler. Nach einigen Unstimmigkeiten nahm es aber ein gutes Ende. Anfang Mai war der erste Nachwuchs zu sehen, der zweite Jungstorch zwei Wochen später. Inzwischen sind die Prachtexemplare von den Eltern kaum noch zu unterscheiden.Es ist schon erstaunlich, wie sich diese Großvögel liebevoll um ihren Nachwuchs kümmern. Unermüdlich sind sie auf Futtersuche. In diesem Jahr fehlen die Frösche. Als Ersatz dienen Grashüpfer, die es massenhaft gibt. Beeindruckend ist auch die ausgiebige Gefiederpflege. Der Nachwuchs hat es sich bei den Eltern schon gut abgeschaut. Seit Anfang Juli unternehmen die jungen Störche schon allein Ausflüge auf die benachbarten Dächer. Sie gehen auch auf die nahegelegenen Wiesen auf Futtersuche. Offenbar hat der Storchennachwuchs das sanierte Dach des ehemaligen Tanzsaals zum Lieblingsplatz auserkoren. Dort stolzieren die Jungen oft entlang und starten ihre Ausflüge. Die jungen Störche sind die reinsten Luftakrobaten. Und eines ist immer wieder zu beobachten und zu hören: Kommen beide zum Horst zurück, wird laut mit dem Schnabel geklappert.

Betrieb in der untersten Etage

Putzig zu beobachten sind auch die „Untermieter“ im Horst. Stare und Spatzen haben im „Erdgeschoss“ ihre Nester eingerichtet. Dort fühlen sie sich sicher, haben keine Feinde für die Aufzucht ihrer Jungen und außerdem gute Anflugbedingungen zwischen all den Zweigen am unteren Rand des Horstes. Täglich ist reger Betrieb in der untersten Etage zu beobachten.Der geschaffene Nistplatz am Bushäuschen scheint den Störchen gut zu behagen. Ringsum gibt es kein störendes Element, keinen Schornstein – die Störche können gut in alle vier Himmelsrichtungen ausfliegen und haben eine freie Einflugschneise.Die Störche sind ein Publikumsmagnet, wissen die Dorfbewohner. Viele Durchreisende, Radfahrer auf dem Weg ins Lausitzer Seenland und Besucher der Krabat-Mühle, so ist zu beobachten, halten spontan an und schießen Erinnerungsfotos.

Altstörche starten etwas später

Da die Störche jährlich immer eher eintreffen, ist damit zu rechnen, dass sie voraussichtlich Ende Juli oder Anfang August Schwarzkollm wieder verlassen. In den Vorjahren sind die Jungstörche Mitte August abgeflogen und die Altstörche Ende August. Auf alle Fälle fliegen sie getrennt.Und in Schwarzkollm beginnt das Warten – auf die Rückkehr der Störche irgendwann im März des kommenden Jahres.

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